Wird es jetzt ruhiger in Brasilien? Eher das Gegenteil….

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Liebe Leserinnen und Leser,

Jair Bolsonaro hat es nicht geschafft. Neuer, alter Präsident wird der Sozialist Luiz Inácio Lula da Silva – mit einer hauchdünnen Mehrheit. Da Silva und Bolsonaro verbindet dabei nur eins – eine angrundtiefe persönliche Abneigung. Bolsonaro steht für Familienwerte, er trat auf als Verteidiger der traditionellen Ehe, lehnte die Forderungen der auch in Brasilien extrem aktiven Homosexuellen-Lobby ab.

Klar hat Bolonaro, ein leidenschaftlicher Motorradfahrer, der im Wahlkampf mit riesigen Biker-Touren, an denen Zehntausende mit ihren Maschinen teilnehmen, auch Fehler gemacht. Welcher Politiker, der Dinge verändern will, macht keine Fehler? In der Covid-Pandemie hat er keine glückliche Figur gemacht. Und persönlich fand ich zuletzt die Annäherung an Russland und Putin für grenzwertig, andererseits: Er machte Deals für seine Wirtschaftsunternehmen, wie das ja auch andere Staaten in der aktuellen Krise um den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine versuchen. Brasilien zuerst, vielen wird diese Denke gefallen, die ja auch Leitspruch der Präsidentschaft von Donald Trump in den Vereinigten Staaten war.

Was von Lula, dem neuen und alten Präsidenten zu erwarten ist, erscheint mir wenig hoffnungsvoll für die Zukunft Brasiliens. Sein Name wird von vielen Menschen vor allem mit dem Begriff Korruption. mit Vetternwirtschaft verbunden, mit fehlendem ökonomischen Sachverstand. Lula saß auch schon im Knast wegen Korruptionsdelikten, konnte 2010 deshalb nicht zur Wahl antreten. Nun hat er sein Amt wohl zurückerobert, auch wenn es in einigen Städten Brasiliens vergangene Nacht Proteste gegen den Ausgang der Wahl gab. LKW-Fahrer kündigten nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses an, in einen unbefristeten Streik zu treten, bereits gestern Nachmittag waren Militärkolonnen ins Zentrum von Brasilia unterwegs, Gerüchte sind zu hören, das brasilianische Militär könnte doch eingreifen. Brasilien bleibt ein hitziges Land. Definitiv.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.