Zero Points for Germany!

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Liebe Leserinnen und Leser,

der nächste Eurovision Song Contest (ESC) findet am Samstagabend um 21 Uhr in Turin statt. Sie wissen schon, dieser Schlagerwettbewerb der europäischen Staatssendeanstalten, der unserer Welt wunderbare Musik geschenkt hat von Udo Jürgens (Merci Cherie), Abba (Waterloo) und vielen anderen, die sich in unsere Herzen und an die Spitze der internationalen Charts gesungen haben. Als der Wettbewerb dann irgendwann zur schmalzigen Lala-Bude wurde, waren es ausgerechnet Deutsche, die mehrfach für Stimmung in der Bude sorgten.

Erinnern Sie sich noch an Guildo Horn & die Orthopädischen Strümpfe 1998 mit seinem unfassbaren Auftritt und dem Ohrwurm „Guildo hat euch lieb“? Immerhin ein respektabler 7. Platz und die Botschaft an Europa: Deutsche können auch lustig. Oder im Jahr 2000 Stefan Raab mit „Wadde hadde dudde da?“ Ich muss jetzt noch grinsen, wenn ich nur an diesen bescheuerten Titel erinnert werde. Platz 5 immerhin, für deutsche Verhältnisse ein Mega-Erfolg.

Zweimal haben wir in all den Jahrzehnten sogar gewonnen beim europäischen Schlagerwettbewerb: 1982 mit der Sängerin Nicole und ihrer Zeitgeist-Ballade „Ein bisschen Frieden“. Dann erst drei Jahrzehnte später war Deutschland wieder vorn beim Grand Prix Eurovision de la Chanson. Da gewann – gecoacht vom Ausnahmeproduzenten Stefan Raab – Lena Meyer-Landrut aus Niedersachsen mit ihrem Hit „Satellite“ den Eurovision Song Contest (ESC) in Oslo. Ja, und das war es dann schon. Im Normalfall heißt es „Zero points für Germany“. So sind wir halt im Showgeschäft.

Die große Mehrzahl unserer Schlagerakrobaten, die Deutschland ins Rennen schickte, erwiesen sich als Totalausfälle. Und manche waren einfach nur peinlich und allenfalls zum kollektiven Fremdschämen geeignet.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wählten sich jahrelang die osteuropäischen Kleinstaaten immer gegenseitig zum Sieg. 12 Punkte von Bosnien-Herzegowina für Kroatien, 12 Punkte von Bulgarien für Rumänien, 12 Punkte von Polen für Estland. Mer kenne us, mer helfe us, nennen die Kölner sowas.

Am Samstagabend wird es einfach: Sieger des Wettbewerbs – da muss man kein Hellseher sein – wird das Kalush Orchestra aus der Ukraine werden. Ob sie gut sind? keine Ahnung, aber sie sind die Vertreter der durch den brutalen russischen Überfall leidenden Ukraine und werden deshalb gewinnen. Gut so. Und Russland wurde ausgeschlossen. Konsequent, auch gut so.

Und Deutschland? Keine Ahnung, ich weiß nicht mal, wen wir ins Rennen schicken. Und ich habe jetzt nicht einmal Lust, bei Google nachzuschauen. Denn eins ist sicher: Am Samstag Abend dürfen wir uns wieder auf viele „Zero Points for Germany“ freuen. Wenn wir uns das antun. Ich bin definitiv raus.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.