Zum 30. Todestag des einzigartigen Freddie Mercury

Queen-Frontmann Freddie Mercury
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von SUSANNE WENZEL

Gestern vor 30 Jahren stand die Musikwelt für einen Moment still. Freddie Mercury, der beliebte Frontman, das Gesicht von „Queen“ starb nach längerer Krankheit. Erst am Tag vor seinem Tod bestätigte er in einer Erklärung offiziell, was schon länger hinter vorgehaltener Hand vermutet wurde, dass er an HIV litt. Er war kein Kind von Traurigkeit, hatte ein turbulentes Leben gelebt, für das er nun den Preis bezahlte. Von seiner Erkrankung ließ er sich, solange es irgendwie ging, nicht zurückhalten. Als er 1986 mit Queen auf Welttournee war, wusste er bereits um die Diagnose HIV. Das Abschlusskonzert im August 1986 fand vor 120.000 Fans im Knebworth Park statt. Es war der letzte öffentliche Auftritt von Queen mit Freddie Mercury als Sänger.

„The Show Must Go On“, aus dem Album „Innuendo“ (1991), war die letzte Veröffentlichung vor Freddies Tod. Bryan May sagte später, dass in dem Lied, der Text kam von Mercury, all die Dinge eine Rolle spielen, über die sie nur schwer sprechen konnten in jener Zeit.

Freddie Mercury war zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits so von seiner Krankheit gezeichnet, dass die Band sich nicht sicher war, ob seine Stimme noch für die Aufnahme ausreichte. Es wird berichtet, dass Freddie exakt eine einzige Aufnahme für das Lied brauchte. Professionell bis zum Schluss, würde wahrscheinlich manch einer sagen. Ich glaube, es war mehr. „Inside my heart is breaking“, er hat nochmal alles reingepackt in diese Aufnahme. Er hätte gerne weitergemacht. Aber es sollte nicht sein.

Das Video ist bis heute berührend. Es besteht überwiegend aus alten Aufnahmen, nur wenige Szenen zeigen neuere Aufnahmen der Band im Studio. Aber es ist die eindringliche Musik, die Stimme, diese lebhafte und aufwühlende Stimme mit ihrer Aufforderung „Die Show muss weitergehen“, obwohl der Sänger in seinem Inneren vor lauter Kummer fast zerbricht, weil er weiß, dass die Show, seine Show, bald zu Ende gehen wird.

Mercurys Stimme war vielfältig, einprägsam, konnte einfühlsam klingen, dann wieder fast ohrenbetäubend laut, ohne kreischend zu wirken. Einzigartig, unter allen wiederzuerkennen und vielseitig. So bleibt er, der gerne einmal auf einer Opernbühne gestanden hätte, nicht beim Rock, sondern ist im Laufe der Jahre seiner Karriere mit vielen Stilrichtungen erfolgreich. 1985 veröffentlicht er sein erstes und einziges Soloalbum „Mr. Bad Guy“. Und wer erinnert sich nicht an seine augenzwinkernde Interpretation des Platters-Hit „The Great Pretender“ (1987).

Freddie Mercury hat sogar mit Montserrat Caballé, der legendären spanischen Prima Donna, gearbeitet. Ein großer Erfolg war ihr gemeinsames Duett „Barcelona“ aus dem Jahr 1988. Anlässlich der Olympischen Sommerspiele in Barcelona 1992 erfuhren das Stück und auch die Darbietung beider Künstler im zugehörigen Video noch einmal große Aufmerksamkeit. Einer Life-Aufführung zur Eröffnung stimmte die Caballé allerdings nicht zu, da für sie kein anderer Duettpartner in Frage kam als Freddie Mercury, wie sie in ihrer Absage begründete. Gemeinsam veröffentlichten die Operndiva und der Rockbarde 1988 auch ein Album („Barcelona“) mit mehreren extra für diesen Anlass geschriebenen Stücken. Aus der Zusammenarbeit mit Caballé entstand eine Freundschaft, die bis zum Tod Mercurys hielt.

Caballé war es auch, die sich später dafür einsetzte, dass in Montreux am Genfer See, wo Freddie ein Haus besaß, eine dreieinhalb Meter hohe Bronzestatue von ihm aufgestellt wurde. Zusammen mit seinen Eltern, Bomi und Jer Bulsara enthüllte Caballé die Statue anlässlich seines fünften Todestages im November 1996.

Geradezu legendär ist der Auftritt mit Queen bei dem von Bob Geldof organisierten Benefizkonzert „Live Aid“ 1985 im Londoner Wembley Stadium. Geldof sagte später, mit ihrem 20-minütigen Auftritt hätten Queen allen anderen die Show gestohlen. Mit seiner ungeheuren Bühnenpräsenz und dem Geplänkel mit dem Publikum, das er zum Singen animierte, brachte er das Stadion geradezu zum Kochen. Der Auftritt gilt bis heute als einer seiner besten Liveauftritte.

Farrokh Bulsara, 1946 in Sansibar als Kind eines britischen Botschaftsangestellten indischer Herkunft geboren, hat es weit gebracht. Er ist bis heute einer der populärsten Rockstars der Geschichte, der die Musikszene in den 80er Jahren nachhaltig geprägt hat. Vor ein paar Tagen stieß ich auf ein Zitat, das ihm zugeschrieben wird: „Who cares when I die? I know I won’t.“

„Well, Sir, it’s 30 years on and we still do.“

Bildquelle:

  • Freddie_Mercury: imago images
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