Er wusste, dass die „Götter“ in Wahrheit Astronauten waren: Ein Nachruf auf Erich von Däniken (1935–2026)

Bestsellerautor Erich von Däniken

von KLAUS KELLE

INTERLAKEN – Ich wünschte wirklich, er hätte es noch erlebt, dass SIE zurückkehren auf die Erde. Sie, die „Götter“, deren Erforschung Erich von Däniken sein ganzes Leben gewidmet hat. Dieser großartige Mann, ein Mann mit großer Vorstellungskraft, ein leidenschaftlichster Träumer des 20. und 21. Jahrhunderts, ist heute im Alter von 90 Jahren verstorben. Und, ganz ehrlich: Ich bin sehr traurig darüber.
Denn EvD, wie ihn Freunde nannten, wird nicht nur mir und seinen vielen Millionen Lesern rund um den Erdball fehlen. Dieser Visionär aus der Schweiz ist ein Verlust für die Menschheit, die so arm an Menschen ist, die über den Tellerrand weit hinaus zu schauen vermögen.

Als von Däniken im April 1935 im schweizerischen Zofingen zur Welt kam, deutete nichts eine Karriere als Weltbestsellerautor hin. Die katholische Erziehung am Jesuitenkolleg St. Michael in Freiburg, führt nicht zum erstrebten Ziel, sondern weckte Zweifel gegenüber religiösen Dogmen. So wechselt er zurück ins zivile Leben und nahm eine Anstellung in der Gastronomie an. Doch schon während er als Hoteldirektor in Davos seinen Lebensunterhalt verdienen musste, begann er an einem Manuskript für ein Buch zu schreiben, das die Sichtweise von Millionen Menschen auf die ganze Menschheitsgeschichte verändern sollte.

Ich weiß noch genau, dass es mein Onkel Friedel aus Lippe war, der mich mit dem großen Thema Dänikens vertraut machte. Friedel ist vor wenigen Monaten gestorben, und ich habe ihn in den Wochen davor noch mehrmals besucht. Dabei haben wir – echt wahr – über Erich von Däniken gesprochen. Und darüber, wie wir schon vor über 50 Jahren darüber sprachen, ob es wirklich möglich sein kann, dass Außerirdisch unsere Erde besuchen.

Als „Erinnerungen an die Zukunft“ 1968 erschien, schlug es wortwörtlich ein wie ein Meteorit. Denn Däniken ging weit über die Frage hinaus, ob Außerirdische interstellare Ausflüge zu uns machen könnten. Er stellte die kühne These auf, dass es außerirdische Besucher waren, die in der Frühzeit der Erde hier landeten und die Entwicklung intelligenten Lebens und der menschlichen Zivilisation insgesamt entscheidend beeinflusst haben. Und je mehr von Däniken auf seinen zahlreichen Reisen und Expeditionen rund um die Welt an Beweisen und Indizien zusammentrug, desto mehr faszinierte es mich und Millionen Erdenbürger:

„Waren die Götter Astronauten“ hieß der Titel eines seiner Bücher, die in 32 Sprachen und einer Gesamtauflage von über 70 Millionen Exemplaren erschienen. Das führte sogar zu einem ganz neuen wissenschaftlichen Genre: der Prä-Astronautik. Was ist die wahre Geschichte rund um die berühmten Linien von Nazca in Peru, den Pyramiden von Gizeh, den Statuen der Osterinsel und den Tempeln von Palenque? Und warum erschienen die „Götter“ in der Mythologie weltweit und auch im Christentum immer mit „Feuerwagen“, die über den Himmel brausten? Und, warum zum Teufel, brauchte man eine Rippe von Adam, um Eva zu schaffen? Und wo ist die Bundeslade?

Ich habe Erich von Däniken zweimal bei Vorträgen direkt erlebt

Einmal in meiner lippischen Heimat, in Detmold. Bei einem Diavortrag – liebe Kinder, das mussten wir früher so machen, mit Leinwand und Projektor (heute Deutsch: „Beamer“). Als der offizielle Teil vorbei war, ließ ich mir noch ein Buch signieren. Dann lud er mich und in paar andere seiner umstehenden Fans spontan zum Pizzaessen nebenan ein. Und da saßen wir bei Pizza und Bier und redeten uns die Köpf heiß, ob das, was man heute „Götter“ nennt, nicht vielleicht doch Reisende aus der Tiefe des Alls gewesen sind. Unvergesslich der Abend.

Ich habe bestimm 15 seiner Bücher auch heute noch in den Regalen im Wohnzimmer stehen. In denen er von Merkwürdigkeiten bei den aktuellen Erzählungen der Weltreligionen und von seinen Reisen in die entlegensten Ecken der Welt erzählt.

Erich von Däniken nutzte die Lücken im offiziellen Geschichtsbild, um uns einen kurzen Blick auf das Unmögliche zu eröffnen. Für die etablierte Wissenschaft war er oft ein „Phantast“, gar ein „Scharlatan“, doch für sein Millionenpublikum war er ein Aufklärer, der den Mut besaß, das Undenkbare auszusprechen. Er prägte die Ästhetik des Mysteriösen und befeuerte die Phantasie von Generationen von Filmemachern, Künstlern und Wissenschaftlern.

Wer Erich von Däniken persönlich erlebte, traf auf einen Mann von ungeheurer Vitalität und einem ansteckenden Charisma. Ein toller Redner, der große Säle mühelos füllte. Und Humor hatte er sowieso. Auch gegenüber seinen schärfsten Kritikern blieb er immer höflich.

Erich von Däniken hat heute diese Welt verlassen. Vielleicht ist er ja jetzt sogar irgendwo in den Sternen unterwegs oder sogar in dem göttlichen Himmel, an dem er stets zweifelte.

Bildquelle:

  • Erich_von_Däniken: daeniken foundation

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.