Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
irgendwann reicht es auch den treuesten Parteisoldaten. Wenigstens in den Vereinigten Staaten. In Deutschland bin ich mir bei manchen Parteien nicht mehr sicher.
Wir sprechen und streiten hier oft über den schrillen amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Über seine politische Agenda, aber besonders über den Mann selbst.
Beim Mittagessen in einem italienischen Restaurant in Frankfurt fragte ich vor ein paar Jahren einen amerikanischen Freund, ob er 2024 Donald Trump wählen werde. Er bekannte, dass er Zeit seines Lebens Republikaner war und auch so gewählt hatte, aber dieses Mal unsicher sei. Weil: „It’s the Man.“
Das trifft es genau, denn über Trumps Politik kann man trefflich streiten. Er steht beinhart zu Israel, er schränkt die rechtlichen Möglichkeiten der Tötung ungeborener Kinder ein, er nutzt die militärische Stärke der Amis, um der Achse des Bösen zu zeigen, wo der Hammer hängt. Ich kann wirklich nicht nur Schlechtes bei dem Immobilientycoon aus New York mit der ungewöhnlichen Frisur finden. Aber eben nicht auch nur Gutes.
Wie weit seine früheren Beziehungen zum Sex-Täter Epstein wirklich waren, das liegt weiter im Dunklen. Und mir gefällt sein Sexismus im Stil von „grab ’em by the pussy“ überhaupt nicht. Das zeugt von fehlendem Anstand, das hat keine Moral und das ist schon mal gar nicht christlich.
Dass Trump jetzt zeitgleich zwei ganz große Fässer aufmacht, das wird zu einem echten Problem für den noch mächtigsten Mann der Welt
Um das zu begreifen, muss man Amerika verstehen. Denn so bigott Hollywood auch ist, und so sehr die schwachsinnige Genderideologie auch aus den Hochschulen und linken Denkfabriken in Kalifornien, Boston und New York stammt – die Vereinigten Staaten sind auch heute noch ein durch und durch christliches Land. 65 Prozent der Amerikaner bezeichnen sich als gläubige Christen, 87 Prozent der Kongressmitglieder gehören einer christlichen Kirche an, besonders bei den jüngeren Menschen nimmt die Zahl derjenigen zu, die an Gott glauben und die Pro-Lifer sind.
Charlie Kirk war nicht allein. Der Glaube an Gott ist in den Vereinigten Staaten identitätsstiftend.
Als unsere älteste Tochter vor Jahren zum „Highschool-Year“ in Minnesota/USA war und in einer Familie lebte, erfuhr sie schnell, dass man auch wirklich jeden Sonntag in einen Gottesdienst gehen kann. Ganz freiwillig, und dass es sich sehr gut anfühlt. Sie lebte in einer protestantischen Familie, ich meine Lutheraner, und sonntags fuhr man zum Gottesdienst, und nach der Kirche saß die Gemeinde noch zusammen, im Freien am See, es gab zu essen und Musik. Die christlichen Kirchen sind in den USA ein sozialer Mittelpunkt im Lebensalltag der Menschen.
Und dann kommt Donald Trump mit diesem unsäglichen KI-generierten Jesus-Bildchen um die Ecke
Irgendwelche verstrahlten Hipster in seinem PR-Stab dachten wohl, das sei eine gute Idee, ihren Präsidenten in einem wallenden Gewand zu zeigen, der einem Kranken die Hand auf die Stirn legt, wohl um eine Heilung zu suggerieren.
Die Welle der Empörung, die das auslöste, dürfte das Weiße Haus überrascht haben. Die meinen das ja wirklich ernst mit dem Glauben an Gott. Die Kirche Jesu ist nämlich nichts, das man wie Coca-Cola vermarkten kann.
Tausende wütende Wähler schrieben an Trump, die Welle der Empörung schwappt sogar um die ganze Welt. „Geschmacklos“ und „anmaßend“ waren noch die freundlichsten Beschreibungen für seinen jämmerlich gescheiterten PR-Coup, der nichts als Blasphemie ist.
Als Trump dann auch noch öffentlich den Papst in Rom abkanzelte, brachen alle Dämme
Selbst enge politische Verbündete wie Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sprachen von einer „respektlosen und inakzeptablen Entgleisung gegenüber dem Heiligen Vater“. Und Trump reagierte natürlich, wie man es von ihm kennt: „Ich bin sehr enttäuscht von Meloni“, ließ er über seine sozialen Netzwerke verbreiten. Und enttäuscht vom Papst ist Trump auch, weil der Heilige Vater Krieg grundsätzlich verurteilt, was übrigens zu seinem Job gehört. Von Starmer war Trump bereits vorher enttäuscht, von Merz auch. Trump ist irgendwie von jedem enttäuscht, der seinen Vorstellungen nicht zu 100 Prozent beipflichtet.
Bei der Präsidentschaftswahl 2024 gaben 55 Prozent der amerikanischen Katholiken ihre Stimme Donald Trump. Bei den weißen Evangelikalen waren es 80 Prozent – eine sichere Bank eigentlich für den Mann im Oval Office. Und nun dieses Desaster.
Donald Trump wird 2028 nicht wieder antreten können
Aber seine Fehler, die ihm jetzt nahezu täglich unterlaufen, dürften Folgen haben. Denn wenn katholische Stammwähler der Republikaner vor die Wahl gestellt würden: Papst oder Trump – ich bin sicher, sie würden sich für das Oberhaupt ihrer Kirche entscheiden. Und ich auch.
Der sowjetische Diktator Josef Stalin traf im Jahr 1935 den französischen Außenminister Pierre Laval in Moskau. Laval regte bei dem Gespräch an, Stalin solle die Unterdrückung von Katholiken in der Sowjetunion beenden, um den Papst wohlwollender zu stimmen. Stalin antwortete spöttisch: „Wie viele Divisionen hat der Papst?“
Und der große britische Premier Winston Churchill schrieb in seinen Memoiren über das Treffen 1945 auf der Konferenz von Jalta.
Stalin habe da diesen Satz wiederholt von den fehlenden Divisionen, als Churchill und Franklin D. Roosevelt vorschlugen, den katholischen Papst an den Friedensverhandlungen nach dem Zweiten Weltkrieg zu beteiligen. Churchill antwortete dem sowjetischen Führer: „Der Papst verfügt über Divisionen, die man nicht immer sehen kann.“
Das lernt Donald Trump in diesen Tagen wohl auch.
So wie es die ganze Welt auch sehen konnte, als Mitte Dezember 1979 Tausende Arbeiter der damaligen Lenin-Werft in Danzig die Arbeit niederlegten, ihre Werft verbarrikadierten und dann zum Parteigebäude zogen – so wie Tausende ihrer Kollegen auch in Gdingen (Gdynia) und Stettin. Wie einen mächtigen Schutzschild trugen die Arbeiter Kreuze und Bilder der Gottesmutter Maria vor sich durch die Straßen.
Pfeif auf die Kommunistische Partei, wer soll uns besiegen, wenn wir Gott an unserer Seite haben?
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Klaus Kelle
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