Die Straße von Hormus sichern: Schlagabtausch zwischen den USA und Europa in der NATO wird heftiger

Frachtschiffe stauen sich vor der Straße von Hormus

WASHINGTON/BRÜSSEL/BERLIN – Der schwelende Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und den europäischen NATO-Partnern droht zu skalieren.

„Ich habe ihn noch nie in meinem Leben so wütend erlebt. Angesichts dessen, was auf dem Spiel steht, teile ich diese Wut“, schrieb US-Senator und Trump-Freund Lindsey Graham gestern nach einem Treffen mit seinem Präsidenten. Dabei wurde über die Absage mehrerer wichtiger NATO-Mitgliedsländer in Europa diskutiert, sich an der Sicherung der Handelsroute durch die Straße von Hormus militärisch zu beteiligen.

Eine gefahrlos nutzbare Straße von Hormus würde „Europa weitaus mehr zugutekommen als Amerika“, schreibt Graham weiter auf X und wirft den Verbündeten Arroganz vor. Die Folgen der ablehnenden Haltung der Europäer würden „weitreichend und tiefgreifend“ sein.

Wie üblich hatte der amerikanische Präsident Donald Trump zuvor aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht und seinen Unmut an den Partnern offen und deutlich ausgesprochen.

Nach der Runde im Weißen Haus bekundet er, dass er „ziemlich schockiert“ über das Verhalten der europäischen Verbündeten sei. Trump wörtlich: „Ich denke, die NATO macht einen sehr dummen Fehler.“ Im Grunde sei Amerikas Militär so stark, dass man „niemanden brauche“, aber die Frage der Unterstützung in seinem Iran-Feldzug sei für ihn ein Test der Zuverlässigkeit und Loyalität im westlichen Verteidigungsbündnis gewesen. Und diesen Test hätten die Europäer nicht bestanden.

In diesem Zusammenhang nannte er Deutschland und Großbritannien als Enttäuschung

Besonders der britische Premier Keir Starmer bekam eine Breitseite ab. „Ich bin von Keir enttäuscht – ich mag ihn, ich halte ihn für einen netten Mann, aber ich bin enttäuscht“, bekannte Trump. Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien seien schlecht, seit Starmer im Amt ist. Und: „Starmer ist kein Churchill.“

Die Bundesregierung hatte zuvor unmissverständlich klargestellt, dass der Krieg der USA und Israels gegen den islamischen Mullahstaat von Berlin nicht aktiv unterstützt werde. „Dieser Krieg hat mit der NATO nichts zu tun“, bekräftigte Regierungssprecher Stefan Kornelius gestern in Berlin. Allerdings gibt es auch Befürworter für eine Unterstützung der Amerikaner. So äußerte sich der CDU-Verteidigungspolitiker Bastian Ernst gegenüber der „Zeit“: „Wir werden uns nicht am Krieg beteiligen. Doch die Bundesrepublik, für die der internationale Seehandel so wichtig ist, sollte einen eigenen Beitrag zur Aufklärung der Lage in der Straße von Hormus leisten.“

Beitrag zur Aufklärung – typisch deutsch

Viele Partner im westlichen Bündnis bemängeln seit Jahren, dass sich Deutschland gerne einen schlanken Fuß macht, wenn Freiwillige für militärische Einsätze gesucht werden. Da war das beschämende Verhalten gegenüber der angegriffenen Ukraine im Februar 2022, als die Bundeswehr wenig zu bieten hatte als 5.000 gebrauchte Schutzhelme, und das ist es auch jetzt wieder, wo man „Aufklärung“ in Aussicht stellen könnte, anstatt Kriegsschiffe in die Region zu schicken, um die vielleicht wichtigste Handelsroute der Welt vor Terrorangriffen zu schützen.

Polen argumentierte bei seiner Absage ans Weiße Haus übrigens pragmatisch und überzeugend. Ministerpräsident Donald Tusk sagte, sein Land habe für die NATO andere wichtige Aufgaben an der Ostflanke des Bündnisses zu erfüllen. Der Konflikt im Nahen Osten betreffe nicht unmittelbar Polens Sicherheit.

Geradezu beschämend wirkt es dann aber, dass zum Beispiel Argentiniens smarter Präsident Javier Milei auf die Anfrage aus Washington sofort positiv reagierte und zwei Zerstörer und zwei Fregatten in Richtung Naher Osten in Marsch gesetzt hat.

Erneut äußerte sich gestern auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mit ungewöhnlicher Deutlichkeit gegenüber den USA. Im Kanzleramt sagte er, die Nahost- und Golf-Region dürfe „nicht in einen ewigen Krieg mit unklaren Zielen hineinschlittern“. Das Ausschalten der iranischen Führer „herbeizubomben wird nach allen Erfahrungen, die wir ja auch in früheren Jahren und Jahrzehnten gemacht haben, aller Voraussicht nach nicht gelingen.“

Bildquelle:

  • Straße_von_Hormus: adobe.stock/simone

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