von KLAUS KELLE
BERLIN – Echter Patriotismus ist untrennbar mit Recht, Gewissen und moralischer Verantwortung verbunden. Daran erinnert uns Jahr für Jahr wieder der 20. Juli, das Gedenken an die Verschwörer von 1944, die mit einer Sprengladung im Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ den Nazi-Führer Adolf Hitler töten und – so hofften sie – den Wahnsinn des Krieges und des Holocaust beenden wollten.
Was wird nicht in den (a)sozialen Netzwerken und in rechten Chatgruppen über das versuchte Attentat für ein Unsinn geschrieben.
Doch dieser Tag ist gerade für Konservative und bürgerliche Patrioten ein wichtiges Vermächtnis, das belegt, dass eben nicht ausschließlich Sozialdemokraten und Kommunisten die Zivilcourage aufbrachten, sich gegen die nationalsozialistischen Tyrannei aufzulehnen.
Deutlich wie keiner vorher sagte mir das vor Jahren mal der Herausgeber und Chefredakteur der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“, Dieter Stein. Der hat in seinem Büro ein Portrait von Claus Schenk Graf von Stauffenberg an der Wand hängen. „Dass wir heute als Konservative noch aufrecht in dieser Gesellschaft unseren Platz haben, das verdanken wir Stauffenberg und seinen Männern vom 20. Juli 1944.“ Und Stein hat recht.
Es waren allerdings nicht nur die Attentäter vom 20. Juli, die vor Gott, ihrem Gewissen und aus Pflichtgefühl vor ihrem Volk unter Einsatz ihres Lebens aktiv wurden gegen den Nazi-Terror.
Denn lange dominierte in Teilen der Geschichtsschreibung ein Mythos: Effektiver Widerstand gegen die NS-Diktatur sei fast ausschließlich von links gekommen.
Der 20. Juli widerlegt diese These fundamental
Die Verschwörer bildeten vielmehr ein breites, überparteiliches Bündnis, dessen treibende Kräfte aus dem Kern des deutschen Bürgertums, des Adels, der Beamtenschaft und des Militärs stammten. Sie repräsentierten die traditionellen Eliten des Landes.
Männer wie der Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler, der Diplomat Ulrich von Hassell und die Intellektuellen des „Kreisauer Kreises“ um Helmuth James Graf von Moltke.
Was diese Menschen antrieb, war kein Streben nach Macht oder einem Umsturz, sondern ein tiefes Bewusstsein für Pflicht, Ehre und historische Verantwortung.
Sie sahen, wie das Nazi-Regime das Recht pervertierte, die Wirtschaft ruinierte, das Volk moralisch korrumpierte und Deutschland sehenden Auges in die totale Vernichtung trieb. Ihr Patriotismus war kein blinder Kadavergehorsam gegenüber einem Diktator, sondern eine tiefe Loyalität zum Vaterland und seinen moralischen Grundlagen.
Als die staatlichen Institutionen versagten und zu Werkzeugen des Verbrechens wurden, erkannten diese Patrioten, dass der Staatsstreich die einzige Möglichkeit war, die nationale Ehre zu retten und das Morden an den Fronten sowie in den Vernichtungslagern zu beenden.
„Die Weiße Rose“: Der geistige Mut der Jugend
Und in diese Reihe von deutschen Patrioten gehören auch Hans und Sophie Scholl, Alexander Schmorell, Willi Graf und Christoph Probst von der studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ in München. Ihr Mentor, Prof. Kurt Huber, war ein zutiefst konservativer Universalgelehrter, der im letzten Flugblatt der Gruppe explizit das historische deutsche Rechts- und Staatsbewusstsein beschwor.
Während der 20. Juli den operativen militärischen Widerstand an den Schalthebeln der Macht bildete, lieferte die „Weiße Rose“ den geistig-moralischen Protest aus der Mitte der akademischen Jugend.
Diese jungen Menschen fanden den Mut zum Widerstand nicht in politischen Ideologien, sondern in einer humanistischen Bildung und einem tiefen, gelebten christlichen Glauben. Sie sahen im Nationalsozialismus einen Generalangriff auf die abendländische Kultur, auf die Freiheit des Geistes und auf die Würde des Individuums. Und sie verweigerten sich der kollektiven Gleichschaltung, weil ihr Gewissen ihnen gebot, die Wahrheit lauthals auszusprechen, auch wenn dies den sicheren Tod bedeutete.
Fragt man nach der gemeinsamen Quelle des Mutes, die sowohl erfahrene Generäle als auch junge Studenten antrieb, stößt man unweigerlich auf das christlich-abendländische Menschenbild. Stauffenberg, von Tresckow und Goerdeler schöpften ihre Kraft ebenso wie die Geschwister Scholl aus einer übergeordneten moralischen Instanz, die über dem Gesetz des Tyrannen stand. Sie glaubten an ein Naturrecht – an göttliche Gebote, die kein irdischer Führer jemals außer Kraft setzen darf.
Für Konservative und Patrioten heute in Deutschland ist das Erbe des bürgerlichen Widerstands gegen die Nazi-Barbarei eine fundamentale Lektion: Der Staat ist kein Selbstzweck. Er verdient Loyalität nur so lange, wie er das Recht schützt, die Würde des Menschen achtet und der Gemeinschaft dient. Wenn ein Staat diese Fundamente zerstört, ist Widerstand eine Pflicht.
Die Widerstandskämpfer haben bewiesen, dass Patriotismus nichts mit Chauvinismus, Rassismus oder blindem Nationalismus zu tun hat. Wahrer Patriotismus liebt das Eigene, ohne das Fremde zu hassen, und er ordnet sich stets der moralischen Ordnung und dem Recht unter. Das nennt man Vaterlandsliebe.
Jeder, der es heute gut mit Deutschland meint, verneigt sich vor den mutigen Menschen des 20. Juli 1944, die in der dunkelsten Stunde der deutschen Geschichte das Licht der Menschlichkeit und des Anstands hochhielten und bewiesen, dass es auch damals ein besseres Deutschland gegeben hat.
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Bildquelle:
- Claus Schenk Graf von Stauffenberg: gedenkstätte deutscher widerstand
