NEUZELLE/ROM – Beim Richtfest für das neue katholische Kloster im Süden Brandenburgs am Wochenende, das auf dem „Bernhardshof“ in Treppeln stattfand, wurde in mehreren Reden der Geistlichkeit immer wieder der Heilige Bernhard von Clairvaux erwähnt. Bei ihm – wie bei vielen, die von der katholischen Kirche zu Ehre der Altäre zu Heiligen erhoben wurden – hat man dann das Bild eines asketischen Mönchs vor Augen, der in der Stille seines Klosters tiefsinnige Traktate über die göttliche Liebe verfasste.
Doch dieser spezielle Kirchenlehrer besaß auch noch eine andere Facette: Er war der intellektuelle und geistliche Motor des christlichen Rittertums.
In einer Epoche des Umbruchs formte er eine neue Generation von Glaubenskämpfern, deren Ideal bis heute Menschen in aller Welt fasziniert – den Mythos von den Tempelrittern.
Die Gründung einer „neuen Ritterschaft“
Im frühen 12. Jahrhundert befand sich das europäische Rittertum in einer schweren Krise. Es war geprägt von weltlicher Eitelkeit, Fehden und brutaler Raubritterei. Bernhard erkannte das brachliegende Potenzial dieser Kriegerkaste. Statt das Schwert prinzipiell zu verdammen, taufte er es für den Dienst an Gott.
Auf dem Konzil von Troyes (1128) setzte sich Bernhard leidenschaftlich für die offizielle Anerkennung der noch jungen Templer-Gemeinschaft ein.
Er wirkte maßgeblich an deren strenger Ordensregel mit, die von den Rittern die klassischen Mönchsgelübde – Armut, Keuschheit und Gehorsam – verlangte, sie jedoch mit dem aktiven, bewaffneten Schutz der Pilger im Heiligen Land verbandt.
Das Manifest des geistlichen Kampfes: „Lob der neuen Ritterschaft“
In seiner berühmten Schrift „In Praise of the New Knighthood“ (De Laude Novae Militiae) formulierte Bernhard dieses Ideal unmissverständlich. Er zog eine klare Trennlinie zwischen den sündhaften Kriegen der Welt und dem militärischen Dienst der Templer. Weltliche Ritter, so Bernhard, kämpften aus Stolz, Habgier oder Zorn. Die Templer dagegen kämpften für Christus.
Bernhard prägte dabei den Begriff der „doppelten Miliz“ (gemina militia): Die Tempelritter führten einen zweifachen Krieg. Einen äußeren Kampf mit dem eisernen Schwert gegen die Feinde des Kreuzes und einen inneren, weitaus härteren Kampf mit dem Schwert des Geistes gegen die Sünde und die Dämonen. Für Bernhard war der Templer kein Mörder, sondern – wenn es die Verteidigung des Glaubens forderte – ein „Vollstrecker der Gerechtigkeit Gottes“.
Das Vermächtnis für den Gläubigen von heute
Das von Bernhard gezeichnete Bild des christlichen Kämpfers war radikal. Es forderte absolute Disziplin, Todesmut und die Bereitschaft, das eigene Leben ganz in den Dienst einer höheren Wahrheit zu stellen. Die Templer trugen nicht ohne Grund das schlichte weiße Gewand der Zisterzienser, ergänzt durch das rote Kreuz des Martyriums.
Für katholische Gläubige bleibt der heilige Bernhard damit ein Vorbild für einen kompromisslosen, wehrhaften Glauben. Er erinnert uns daran, dass das christliche Leben kein passives Abwarten ist, sondern ein aktiver, oft opferbereiter Kampf für die Wahrheit – ein Erbe, das in der Spiritualität der Templer seine reinste geschichtliche Form fand.
Bildquelle:
- Bernhard_von_Clairveaux: Château de Versailles
