Als hätte es die Corona-Krise nicht gegeben: Immobilien werden immer teurer

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von PROF. DR. PATRICK PETERS

BERLIN – Von Januar bis März stiegen die Immobilienpreise im Schnitt um 9,4 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Diese kontinuierliche Teuerung wird sich laut herrschender Marktmeinung auch so schnell nicht ändern. Doch was heißt das jetzt für potenzielle Käufer?

Schaut man sich die Immobilienpreise an, meint man, dass es so etwas wie eine Corona-Krise mit Wirtschaftskrise, rasant steigenden Staatsschulden, Kurzarbeit, höherer Arbeitslosigkeit und vielfältigen persönlichen Tragödien gar nicht gebe beziehungsweise gegebenen habe.

Wohnimmobilien haben sich zu Jahresbeginn erneut deutlich verteuert. Von Januar bis März kletterte der so genannte Hauspreisindex im Schnitt um 9,4 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Wohnungen in Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern verteuerten sich überdurchschnittlich mit einem Plus von 11,3 Prozent. In Metropolen haben sich die Preise für Wohneigentum seit 2011 damit mindestens verdoppelt. Auch bei den Preisen von Ein- und Zweifamilienhäusern in dünn besiedelten ländlichen Kreisen gab es Preissteigerungen von 11,3 Prozent. Dass Städte wie Paris, London und Oslo zwei- bis dreimal so teuer wie München sind, ist für Kaufwillige nur ein schwacher Trost.

Denn die stark steigenden Preise führen dazu (oder haben längst dazu geführt), dass immer mehr Menschen Schwierigkeiten haben, eine eigene Immobilie zu erwerben. Dabei bezeichnen 70 bis 80 Prozent der Deutschen die eigene Immobilie immer noch als Lebensziel. Dummerweise ist es gerade die Generation zwischen 35 und 45 (also diejenigen, die jetzt mit dem Vermögensaufbau beginnen sollten), die sich im Gegensatz zu ihren Eltern oftmals keine Immobilie leisten können. Das könnte auch noch lange so bleiben, wie ein Bericht der Bausparkasse Schwäbisch Hall zeigt. Die Nachfrage nach Wohnraum in Deutschland steige bis 2040 und vielen Regionen trotz abnehmender Bevölkerung auch darüber hinaus, und die Deutschen würden auch auf längere Sicht alle Wohngebäudetypen (Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser) kräftig nachfragen. Das heißt: „Durch die anhaltend hohe Nachfrage kommt es in Deutschland weiträumig zu Preissteigerungen bei Wohnimmobilien.“

„Auf der anderen Seite sind die Bauzinsen weiterhin niedrig. Es sind je nach Gestaltung Konditionen von deutlich unter ein Prozent effizientem Jahreszins erhältlich. Das macht die Preissteigerungen zwar nicht vollständig wett, ermöglicht aber dennoch den Hauskauf“, sagt der Krefelder Finanzanalyst und Finanzierungsberater Rolf Klein (Neutralis Kapitalberatung), der unter anderem das Buch „Die richtige Baufinanzierung“ geschrieben hat. Für ihn kommt es auf die richtige Struktur an. Nicht immer sei der günstigste Zins der beste. „Vielleicht macht die Möglichkeit der regelmäßigen Sondertilgung den Unterschied? Dies können Immobilienkäufer beispielsweise im Sinne einer hybriden Finanzierung mit einem Aktienfondssparplan kombinieren, um aus dessen Renditen Sondertilgungen zu leisten und Kredite schneller abzulösen. Die Praxis zeigt, dass durch diese Strategie bis zu 20 Prozent weniger Finanzierungskosten möglich werden ,wenn genau analysiert, geplant und umgesetzt wird. Das eröffnet die Chancen auf einen Hauskauf.“

Mike Ruppelt, Geschäftsführer von G. Büter Bauunternehmen aus dem niedersächsischen Ringe, weist im Rahmen der steigenden Immobilienpreise auch auf das Problem der Materialknappheit und die damit einhergehenden Preiserhöhungen hin. „Wie aus einer Umfrage des ifo-Instituts hervorgeht, berichteten im Hochbau 43,9 Prozent der Firmen, sie hätten Probleme, rechtzeitig Baustoffe zu beschaffen. Materialien wie Holz, Dämmstoffe und Kunststoffprodukte sind derzeit schwer zu bekommen und daher bis zu ein Drittel teurer als üblich.“ Somit müssten die Kunden die Teuerung bei den Fertigungskosten mittragen, unter Umständen sogar bei bereits unterzeichneten Verträgen.

Für Mike Ruppelt bedeutet dies dennoch nicht, dass langfristig die Stabilität des Immobilienmarkts gefährdet sei. „Die Nachfrage übersteigt nach wie vor das Angebot und das niedrige Zinsniveau sorgt dafür, dass keine lukrativen Anlagealternativen zu Immobilien winken. Daher lohnt es sich auch trotz möglicher höherer Fertigungskosten, auf die Immobilie zu setzen. Die Werte guter Immobilien werden also weiterhin steigen, sodass sich der Vermögensaufbau mit Steinen weiterhin lohnt.“

Bildquelle:

  • Eigenheim_Hausbau: dpa
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