Attacke gegen die Achse – Dirk Maxeiner: „Das alles ist wie in Kafkas ‚Der Prozess'“

Dirk Maxeiner von der "Achse des Guten"
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BERLIN – Die Stornierung von Anzeigenaufträgen über die internationale Agentur „Taboola“ auf Betreiben des Automobilkonzerns Audi hat Deutschlands wichtigsten Blog „Achse des Guten“ unvermittelt und hart getroffen. Fast alle Kollegen aus den unabhängigen Medien in Deutschland haben ihre Solidarität mit der Achse bekundet. TheGermanZ erkundigte sich bei einem der Macher, wie es aktuell aussieht: Dirk Maxeiner.

Herr Maxeiner, wie hart trifft die Achse die Denunziation eines Twitter-Aktivisten wirklich?

Das bedeutet für uns einen schlagartigen Verlust von Werbeeinnahmen zwischen 50.000 und 100.000 Euro, gerechnet auf ein Jahr. Wir können das nicht so ohne Weiteres ausgleichen, wenn eine unserer wichtigen Anzeigen- und Mediapartner von der Stange geht, im aktuellen Fall Taboola. Das heißt, Jobs bei uns und der Umfang unseres journalistischen Angebots sind gefährdet. Die Gehälter und Honorare sind bei Achgut ohnehin nicht so üppig, da lässt sich nur schwer etwas einsparen. Wir haben gestern unsere Leser um Hilfe gebeten und sind guter Dinge, zumindest auf Sicht weitermachen können.

Haben Sie versucht, mit Audi und der Agentur Taboola über diesen Vertragsbruch zu sprechen und eine Lösung zu finden?

Ja. Aber es war zwecklos. Diese Entscheidung wurde von irgenwelchen grauen Anzügen aufgrund einer anonymen Denunziation getroffen – ohne uns auch nur anzuhören oder zu informieren. Der zuständige Landesleiter von Taboola, Thomas Koch, hat uns einfach vor vollendete Tatsachen gestellt und den Vorgang nur nebulös begründet, mit so Sprüchen, wir seien „ein bisschen islamophob“ oder zweifelten „die Wirksamkeit der Corona-Vakzine“ an.

Mit welchen konkreten Beiträgen wir gegen welche konkreten Bestimmungen von Taboola verstossen haben sollen, wissen wir nicht. Man wollte uns noch nicht einmal sagen, welcher „Premiumkunde“ sich denn über uns beschwert hätte. Der zeitliche Ablauf zwischen der Twitter-Verpetze bei Audi und der anschließenden Beschwerde bei Taboola ist allerdings ein starkes Indiz. 

Das alles ist wie in Kafkas „Der Prozess“. Wir haben uns deshalb entschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen. Das ist unsere einzige Waffe gegen solche Machenschaften. 

Es ist nicht das erste Mal, dass die Achse derart angegriffen wird – viel Feind, viel Ehr‘. Sehen Sie in der Twitter-Denunziation ein singuläres Ereignis, oder haben Sie den Eindruck, dass es eine konzertierte Aktion ist, die auch andere unabhängige Medien trifft?

Es tifft uns natürlich alle, letztendlich auch die Medien, die nicht so im Fokus stehen wie wir. Die Kollegen dort wissen teilweise nur noch nicht, dass diese Methode die wirtschaftliche Basis eines Mediums zerstören und ganz schnell auch ihre Arbeit betreffen kann. Auch die Seiten von Tichy und Reitschuster haben durchaus ähnliche Erfahrungen gemacht. Es sind ganze Heerscharen von Denzunzianten, Blogwarten und Wahrheits-Apparatschicks unterwegs. Sie sitzen überall bei irgendwelchen „Fakten-Checkern“ oder „Newswächtern“, werden finanziert von großen Konzernen, teilweise über NGO’s, aber auch – und das ist ein zusätzlicher Skandal – vom Staat selbst.

Mit unseren Fensehgebühren zahlen wir auch die ganze halbseidene Wahrheitsindustrie, die sich medial zu einem Machtfaktor entwickelt hat. Das deutsche DSGVO-Gesetz befördert dies alles. Nicht der Staat zensiert, sondern er lässt Privatunternehmen zensieren. Kein Wunder, dass Typen wie Erdogan so etwas auch gerne hätten.

Was ist die Folge aus all dem? Solange sich große Wirtschaftsunternehmen wegducken, werden sie doch immer wieder versuchen, alternative Medien und ihre Macher aus dem Spiel zu drängen…

Die meinen, sich mit Wegducken aus der Affäre ziehen zu können. Das hat aber noch nie geklappt. Schauen Sie sich die deutschen Energiekonzerne an. Die haben auch zum Atomausstieg, zum Kohleausstieg usw. Männchen gemacht. Jetzt gibt es sie praktisch nicht mehr, sie sind auf Gedeih und Verderb der Politik ausgeliefert. Die Ergebnisse können wir gerade alle bewundern. Mich erschüttert diese Feigheit.

Die Feinde der sozialen Marktwirtschaft sitzen auch in den Chefetagen der Unternehmen. Die stehen einfach nicht zu ihrem Business und frönen stattdessen einer irren Gefallsucht gegenüber der Regierung und den NGOs. Es ist schon irre, dass unternehmerische Vernunft so rar geworden ist.

Hat sich eigentlich schon irgendein Bundespolitiker bei Ihnen gemeldet und Solidarität bekundet?

Nein.

Das Gespräch führte Klaus Kelle.

Bildquelle:

  • Dirk_Maxeiner_Achse: achgut
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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.