Auch Milliardäre dürfen mit ihrem versteuerten Geld machen, was sie wollen

Anzeige

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der Milliardär Branson war gestern mit einem privaten Raumschiff kurz im Weltall, der Milliardär Jezz Bezos folgt ihm in acht Tagen mit einer ähnlichen Mission. Und dann ist da noch der Milliardär Elon Musk, der auch ein privates Raumfahrtunternehmen besitzt und Logistik für die internationale Raumstation ISS anbietet.

Drei ungewöhnliche Männer, drei Visionäre, die mit ihren Ideen unvorstellbar reich geworden sind, und die mit dem Geld, das sie selbst verdient haben, jetzt etwas Neues machen. Und noch etwas und wieder etwas…

Und von allen Seiten wird nur gemeckert, ob in den Sozialen Netzwerken, wo ich las, Branson solle sein Geld lieber in die Krebsbekämpfung investieren. Und BILD-Kolumnist Franz-Josef Wagner schreibt, Branson solle den Hunger bekämpfen und die Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt und ihren Fortbestand fördern. Und wenn Branson mich morgen anruft und fragt, ob ich etwas Geld brauche, dann werde ich ihm empfehlen in unser spannendes Medienprojekt hier zu investieren.

Kann man alles machen, aber es ist nicht unsere Entscheidung. Wenn Branson, Bezos und Musk ihre Steuern bezahlt haben, dann sind sie die Einzigen, die über das, was auf ihren Konten ist, zu verfügen haben.

Als Microsoft-Gründer Bill Gates im Jahr 2017 4,6 Milliarden Dollar seiner Privatvermögens verschenkte, das gleiche Spiel. Warum verschenkt er nicht mehr von seiner Kohle? Warum verschenkt er an die und nicht an die? Es ist der reine Neid, der sich aus all diesen Ratschlägen und Besserwissereien spricht. Nebenbei: Insgesamt hat das – inzwischen geschiedene – Ehepaar Bill und Melinda Gates 35 Millionen Dollar in allerlei gemeinnützige Projekte gesteckt, von denen mir eine ganze Reihe ganz und gar nicht gefallen. Ebenso wie die Agenda des Milliardärs Soros mit nicht gefällt. Aber auch der kann mit seiner eigenen Kohle tun und lassen, was er will.

Wir leben in einer Zeit, wo sich viele Menschen im Wohlstand suhlen, den ihnen der Kapitalismus und die Marktwirtschaft ermöglicht haben. Und nun fordern sie die Wiederkehr des Sozialismus, der angeblich eine „gute Idee sei, die aber falsch ausgeführt wurde“. Nein, der Sozialismus ist auch und gerade als Idee schwachsinnig, weil er der Natur, weil er dem Wesen des Menschen zutiefst widerspricht.

In der Welt, in der ich leben möchte und Gott sei Dank ein gutes Stück leben darf, haben wir einen Staat, der einem Grundrechte garantiert, eine unabhängige Gerichtsbarkeit, die jedem Menschen die Möglichkeit bietet, sogar gegen die eigene Regierung zu klagen – und zu gewinnen. Versuchen Sie das mal in Russland oder China! Wir haben eine umfangreiche medizinische und soziale Grundsicherung für jedermann, und wenn es gut läuft und die meisten von uns richtig wählen, wird unser Bildungssystem so entwickelt, dass die Schwachen trotzdem klarkommen können im Leben, und die Starken und Erfolgreichen ganz nach oben kommen können. In Einzelfällen sogar ins Weltall, wo es unendliche Weiten gibt, wie wir schon beim Raumschiff Enterprise erfahren haben.

Ich weiß nicht, ob es erstrebenswert ist, Milliardär oder auch nur Millionär zu werden. Klar wäre es schön, wenn man keine finanziellen Sorgen im Lebensalltag hat, der Kühlschrank immer gefüllt ist, ein, zwei Urlaube im Jahr drin sind und die Miete kein Problem. Unsere Gesellschaft sollte dahin kommen, dass es dieses Leben, frei von existenziellen Nöten für jeden unserer Bürger gibt. Aber was die Leute, die darüber hinaus durch Arbeit, Erbschaft, Lottogewinn oder einfach Zufall mit ihrem Eigentum machen, das ist allein deren Entscheidung. Eigentum ist die Basis unseres Wohlstands. Und Eigentum für breite Bevölkerungsschichten, schützt uns vor feuchten Sozialismus-Träumen der Umverteiler und Neidhammel. Und wenn Herr Branson demnächst mit Udo Lindenberg und dem Panikorchester zum Mars fliegt, um da eine Likorchen-Party zu feiern – hey, Jungs, habt Spaß da oben! Es ist Eure Kohle.

Mit herzlichen Grüßen,

Klaus Kelle

Anzeige

Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende

Jetzt spenden (per PayPal)

Jetzt abonnieren

Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.