Auch wer Gutes tun möchte, sollte vorher genau hinschauen, wen er da unterstützt

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von MARTIN D. WIND

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat bereits ein Auge auf  „Islamic Relief Deutschland“ (IRD) geworfen. Die nach eigenen Worten „gemeinnützige deutsche Nichtregierungsorganisation mit humanitärem Auftrag“ hatte demnach 2015 das Jahrestreffen einer islamischen Gemeinschaft mitfinanziert, die nach Erkenntnissen der Behörde eine der zentralen Anlaufpunkte für die extremistischen Muslimbrüder ist. Vom Landesverfassungsschutz Niedersachsen ist bekannt, dass auch er zumindest einige Aktionen und Verbindungen des IRD mit Argwohn beobachtet. Als Aktivisten träten in Niedersachsen Muslime auf, die Kontakte in die islamistische Szene hätten, heißt es beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) in einem Beitrag aus dem Dezember 2016.

Nicht nur diese fragwürdigen Kontakte zu religiösen Fanatikern scheint den Behörden Kopfschmerzen zu bereiten. Auch der Umgang mit insgesamt rund sieben Millionen Euro öffentlicher Fördergelder aus dem Auswärtige Amt und dem  Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, lösen beim Bundesrechnungshof Unbehagen aus, so ein Bericht des RBB vom Anfang dieses Jahres. Israel beurteilt die Organisation schon seit 2008 als illegal und hat der weltweiten Dachorganisation des IRD, dem „Islamic Relief Worldwide“ (IRW), jegliche Betätigung in Israel untersagt. Das israelische Verteidigungsministerium geht davon aus, dass IRW unter anderem auch die Terrororganisation Hamas mitfinanziert, die von Gaza aus mit Terror die israelische Zivilbevölkerung angreift.

Und dennoch – so liest man da beim RBB – geben sich der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff (CDU), der frisch gekürte Bundespräsidentschaftsanwärter Frank-Walter Steinmeier (SPD), die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Aydan Özoğuz (SPD) als Unterstützer und Werbegesichter für diese mehr als fragwürdige Organisation her. Sie unterstützen die eigentlich durchaus lobenswerte Aktion „Speisen für Waisen“ des IRD. Und wo man etwas Gutes für einen vorgeblich gemeinnützigen Verein tun kann, da sind selbstverständlich Menschen wie Margot Käßmann, Luther-Botschafterin der EKD, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) oder auch die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) vorne mit dabei.

Nun fragt man sich vor dem Hintergrund der Informationen diverser Behörden und Dienste zum IRD, ob die Werbeikonen wussten, für welchen zwielichtigen Verein man da sein Gesicht hinhält. Haben ein Ex-Bundespräsident, ein Ex-Außenminister, eine Ex-Ratsvorsitzende der EKD, eine Ministerpräsidentin und zwei Politikerinnen mit türkischen Wurzeln keine Mitarbeiter? Leuchtet da niemand mal den Hintergrund einer Organisation aus, mit der man sich gemein macht? Ist man sich in der Politik zu fein, eine kurze Anfrage an einen Verfassungsschutz zu stellen oder auch das finanzielle Gebaren eines Vereins zu durchleuchten? Steinmeier hätte einen besonders kurzen Weg zur Information gehabt. Die Prüfungspraxis des Auswärtigen Amtes gegenüber dem Fördergeldempfänger IRD war schon 2011 vom Bundesrechnungshof gerügt worden.

Ist es Dummheit, Ignoranz oder schlicht Blauäugigkeit, die diese Leute solche fatalen Fehler begehen lässt? Verschließt man allzu leichtgläubig die Augen und übersieht alle Warnhinweise, wenn man „etwas Gutes tun“ will? Wer nicht vollkommen naiv dem IRD im Internet nachspürt, der stößt unweigerlich auch auf den Blog von Sigrid Hermann-Marschall (SPD) aus Frankfurt, die sich intensiv mit islamistischen Umtrieben in Deutschland befasst. Sie deckt Netzwerke auf, untersucht die Selbstdarstellung und tatsächlichen Tätigkeiten der „Vereine“ und „Gesellschaften“ und hat sich ein umfangreiches Fachwissen angeeignet. Vielleicht sollten unsere Politiker oder auch Größen aus der Gesellschaft in Zukunft vorsichtshalber bei ihr nachfragen, bevor sie sich ins Zwielicht begeben. Es wird künftig niemand behaupten dürfen, „man habe das nicht wissen können“. Nein, können konnte man das erschreckenderweise offensichtlich nicht, aber wissen hätte man es eigentlich müssen.

Bildquelle:

  • Islamic_Relief: islamic relief deutschland
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