Bunte Vielfalt im Berliner Kiez: Ist das noch deutsch? Und muss es das überhaupt sein?

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der unvergessene Modeschöpfer Karl Lagerfeld und sein Weltklasse-Spruch, dem zufolge Menschen, die morgens in Jogginghosen das Haus verlassen, die Kontrolle über ihr Leben verloren haben, fiel mir gestern ein, als ich in Berlin unterwegs war. Wahrscheinlich tragen auch viele meiner Leserinnen hier gern diese…sagt man Pluderhosen? Deshalb mäßige ich mich zu diesem Spezialthema. Im Internet schnell nachgeschaut und gelernt, dass diese…nennen wir sie Kleidungsstücke…ursprünglich aus dem Orient stammen und man sie deshalb auch Aladinhose nennt, was ich als unlogisch empfinde, da ausschließlich Frauen mit diesen weitgeschnittenen knielangen Dingern herumliefen.

Ein anderer Begriff soll angeblich „Haremshose“ sein, und das hoffe ich wirklich nicht, bei allem Übergewichtigen und Tätowiertem, von dem ich dort gezwungener Maßen Notiz nehmen musste. Einzig drei junge und unglaublich attraktive Frauen hatten diese bunten hässlichen Pluderhosen nicht an, sondern schlenderten modisch gekleidet mit ihren kleinen Kindern Eis essend vorbei. Ich weiß nicht, ob man Hautfarben heute noch benennen darf, oder ob ich andernfalls Besuch von einer Rassismus-Patrouille des rot-rot-grünen Senats bekomme, die mich dann mitnehmen. Also sage ich mal: die Damen (darf man das noch so nennen?) hatten eine entgegengesetzte natürlich Grundfarbe als ich. Das könnte durchgehen.

Wie nirgendwo sonst in Deutschland gibt es in Berlin all das wirklich überall, was Rote und Grüne bunte Vielfalt nennen. Und man ist wirklich kein Rassist , wenn man das ganz wörtlich so betrachtet. Es war vorhin nur eine Momentaufnahme auf einem kleinen Platz in Schöneberg, wo ich mit zwei Freunden in der Sonne eine wirklich leckere Pizza mit Salami und Gorgonzola aß. Allen, die mir übrigens jetzt spontan im Chat oder auf WhatsApp schreiben wollen, dass das ungesundt ist – Freunde, ich weiß das! Heute gibt’s wieder Salat zu Mittag – versprochen!

So, also vom Tisch aus ein Gewimmel an Menschen unterschiedlicher Kulturen und Hautfarben beobachtet, einige erfrischten ihre zumeist unbekleideten Babys mit Wasser aus einem Springbrunnen. Aus vielen der vorbeifahrenden Autos, Scheiben runter, dröhnten massive Töne. Dazu Sonne, alles friedlich. Ein ähnliches Bild drei Kilometer weiter in Schöneberg, Straßencafés ohne Ende, alles voll besetzt, kein Mensch mit Maske. Irgendwie ist die Pandemie in der Hauptstadt wohl auch vorbei. Mitten auf der Straße zwei junge Männer, beide mit Trompete, die Musik machen. 50 Meter weiter ein junges Paar, die mit ihren Saxophonen wirklich virtuos Jazz spielten.

Ich liebe das urbane Gewimmel und Geflimmer, seit ich vor 35 Jahren erstmals in New York war, dem Melting Pot der Welt, der Mutter allen urbanen Lebens. Was habe ich gestaunt, als in in Manhattan in eine U-Bahn-Station die Treppe herunterlief und plötzlich auf drei Jungs stieß, die dort mit Schlagzeug und anderen Instrumenten eine wachsende Menge begeisterte. Aus der Erinnerung würde mir spontan eine ganz ähnliche stimmungsvolle Straßenszene aus „9 1/2 Wochen“ einfallen, aber ich bin konservativ und katholisch, sowas gucken wir nicht. Und als Landei aus Ostwestfalen kannte ich bis zu diesem Moment nur den Leierkastenmann auf dem alljährlichen Rummel Anfang Oktober im öffentlichen Raum.

Ist das, was wir hier gerade sehen, die Zukunft Deutschlands Zukunft, fragten wir drei Pizzafreunde uns beim Espresso danach. Warum denn nicht, sagte einer meiner beiden Freunde. Alles friedlich, sympathische Menschen überall, die Cappucchino to got trinken und mit ihren Kleinkinder spielten, wahlweise mit ihren Smartphones.

Und ich würde Ihnen allen zu gern jetzt einen Drückknopf in die Hand legen – urbane Menschen und RTL-Studiozuschauer nennen das „Buzzer“, also Basser. Drei Knöpfe: a) Ist das nicht wunderbar, so ein unbeschwertes und harmonisches Leben? b) Polizei rufen wegen Ruhestörung und Behinderung des Straßenverkehrs! c) So richtig deutsch isses ja nicht.

Ich bin sicher, jede dieser Antworten hätte hier bei Ihnen eine Menge Zustimmung.

Passen Sie gut auf sich auf!

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.