Chile: Der politische Mord an Ronald Ojeda Moreno schockiert die Menschen im einst „sicheren Hafen“ Südamerikas

Die Ehefrau und die Schwester von Ronald Ojeda Moreno bei der Beerdigung am Sarg, der mit einer venezolanischen Flagge bedeckt ist.

SANTIAGO/CARACAS – Der 21. Februar 2024 war ein Mittwoch, einer dieser für die Jahreszeit typischen trockenen und warmen Tage in Südamerika. Ziemlich genau um 03:15 Uhr morgens wird die Stille in einem Apartmenthaus in der Gemeinde Independencia, einem geschäftigen Viertel von Santiago de Chile, durch lauten Krach zerrissen, Holz splittert, Schreie sind zu hören. Mindestens fünf Männer in Militäruniformen, ihre Westen mit der Aufschrift der chilenischen Kriminalpolizei (PDI), stürmen eine Wohnung im 14. Stock. Ihr Ziel: Ronald Ojeda Moreno, ein 32-jähriger ehemaliger Oberleutnant der venezolanischen Armee, der in Chile politisches Asyl gefunden hatte.

Die Entführung verläuft mit chirurgischer Präzision. Ohne einen Schuss abzugeben, führen die maskierten Männer den nur mit Unterwäsche bekleideten Ojeda ab. Seine Frau und sein kleiner Sohn bleiben fassungslos zurück. Die Überwachungskameras fangen Bilder ein, die ganz Chile erschüttern: Ein politischer Flüchtling wird unter den Augen des Staates, der ihn schützen wollte, verschleppt.

Zehn Tage lang herrscht Ungewissheit, bis zum 1. März. Da findet man in Maipú in einem frisch gegossenen Zementschacht von 1,40 Meter Tiefe einen Koffer. Darin befindet sich die Leiche von Ronald Ojeda. Man hatte den jungen Mann erwürgt, ihn gnadenlos exekutiert.

Chile, das ist für viele Menschen in Südamerika sowas wie ein sicherer Hafen. Doch der Mord an Ojeda hat Chile massiv verändert. Der Fall offenbart eklatante Lücken in der nationalen Sicherheit. Dass ausländische Agenten oder deren Stellvertreter – als Polizisten verkleidet – ungehindert Mord-Operationen im Herzen der Hauptstadt durchführen konnten, veranlasste die Regierung unter Präsident Gabriel Boric zu einer gewaltigen Aufstockung der Geheimdienstbudgets.

Der Mord an Ojeda ist ein diplomatischer Bruch mit Venezuela

Die Beziehungen zwischen Santiago de Chile und Caracas befinden sich auf einem historischen Tiefpunkt. Chile hat den Fall vor den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) gebracht. Die chilenische Staatsanwaltschaft unter Héctor Barros stellte zweifelsfrei fest, dass das Motiv des Verbrechens politisch motiviert war und alle Spuren nach Venezuela führen.

Seit die chilenischen Sicherheitsdienste wissen, dass das sozialistische venezolanische Regime die kriminelle Bande Tren de Aragua als „Subunternehmer“ für politische Morde rekrutiert hat, haben Fahnder mit einer beispiellosen Jagd auf diese Organisation in Chile begonnen. Der Mord an Ojeda markiert einen Moment, in dem organisierte Kriminalität und staatlicher Terrorismus verschmolzen sind.

Das venezuelanische System unter Maduro war ein treuer Satellit Moskaus

Doch Maduro sitzt jetzt in einer Zelle in New York und wartet auf seinen Prozess. Das enge Bündnis zwischen Putins Russland und Venezuela besteht nicht mehr – zumindest offiziell.

Die Parallelen zwischen dem Auftragsmord des Maduro-Regimes in Chile und den Methoden von Wladimir Putin sind unübersehbar. Wie Putin hatte auch Maduro keine Skrupel, im Ausland missliebige Landsleute umbringen zu lassen. Ronald Ojeda war für Caracas ein „Verräter“, weil er 2017 aus einem venezolanischen Militärgefängnis geflohen ist und geheime Informationen über die Korruption innerhalb der Streitkräfte mitnahm. Sein Schicksal erinnert frappierend an russische Dissidenten wie Alexander Litwinenko oder Sergej Skripal in Großbritannien.

Die Taktik folgt einem weltweit beobachtbaren Muster autoritärer Herrscher

Zweck dieser Morde, sind nicht die Tat selbst, sondern die offene Machtdemonstration, die Botschaft: Sehr her, keiner von euch ist sicher!

Während Putin bevorzugt mit Gift (Polonium oder Nowitschok) morden lässt, nutzte Maduro lokale Gangs. Diese Morde dienen dazu, die Reihen im eigenen Militär zu schließen. Sie sind eine Warnung an jeden Offizier, der mit dem Gedanken spielt, zum „Feind“ überzulaufen.

Bildquelle:

  • Beerdigung_Oreja_Chile: instagram

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