Das Ende der Naivität in Europa

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Liebe Leserinnen und Leser,

in der aktuellen Ausgabe des „Spiegel“ meldet sich der französische Militärhistoriker Pierre Servent in einem sehr lesenswerten Beitrag zu Wort. Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine werde für die Zukunft der Menschheit eine größere Zäsur sein als die Terroranschläge vom 11. Septemger 2001. Vor dem Hintergrund zahlreicher Krisen in den vergangenen Jahren – Wirtschaft, Finanzen, Kriege, Einwanderung und Terrorismus – verbreite sich in vielen Ländern bei den Menschen ein Gefühl der Angst, analysiert er.

Die Folge sei, dass Menschen zunehmend empfänglich würden für vermeintlich einfache Lösungen in einer Welt, die gleichzeitig immer komplizierter werde. Die unbestreitbare Folge sei, dass sich das Verhalten vieler Menschen nicht mehr an Wissen und Fakten orientierten, sondern an Ideologien und gleichzeitig beeinflussbar durch ein Trommelfeuer von Fake News aus allen Richtungen geworden sei.

„Wir erleben gerade einen historischen Wendepunkt, wir erleben das Ende der glücklichen Globalisierung. Und das Ende der Illusion, dass die Wirtschaft, der Markt und der Handel die alles bestimmenden Faktoren sind…“

So schreibt Servent und kommt zu dem Schluss, dass die europäischen Staaten, insbesondere Deutschland, zu einem „grundsätzlichen Umdenken“ gefordert sind: „Ihr Land war immer der Ansicht, dass die hohe Politik, die Diplomatie und militärische Fragen nicht seine Sache sei.“

Dieses System funktioniert nun nicht mehr

Es sei nun an der Zeit, sich den Realitäten zu stellen und unsere Werte auch zu verteidigen. Wir könnten uns diese Naivität nicht mehr leisten, wie Bundeskanzler Olaf Scholz lange gezeigt habe. Er sei zu sehr ein – wörtlich – „Vertreter des alten Systems“. Und Macron kriegt auch sein Fett ab.

Ich will nicht den ganzen Text hier vortragen, aber den Gedanken aufgreifen, dass sich in Deutschland bereits grundlegend etwas verändert, und dass es noch massiv weiter verändert werden muss, wenn wir als starkes Wirtschaftsland und als Zentrum eines geeinten Europas in Zukunft neben den anderen großen Machtzentren Amerika, China und Indien noch eine Rolle spielen will. Der Historiker schreibt, es sei schon erstaunlich, dass erst jetzt darüber nachgedacht werde, was für ein starker Absatzmarkt für Energie Europa mit seinen 450 Millionen Bewohnern der EU-Staaten sei. Und dass man mit dieser Marktmacht beim Einkauf von Öl und Gas ganz andere Preise verhandeln kann als Einzelstaaten. Warum denkt eigentlich die ganze EU-Kommission nicht über solche Fragen nach, mit denen sich jeder Bäckerbetrieb beschäftigen muss, wenn er überlebensfähig sein will? Vielleicht, weil die moderne Politik gar nicht mehr begreift, dass unser – noch – Wohlstand im Westen nicht von Gender-Professor_*InnenXX herangeschafft wird, sondern von klugen Ingenieuren und vorausschauenden Unternehmen, die auf dem Weltmarkt erfolgreich mit ihren Produkten sind.

Ein paar kleine Weichenstellungen hat es auch bei uns in Deutschland gegeben, seit Putin diesen Wahnsinnskrieg gegen die Ukraine vom Zaum gebrochen hat. Die Erkenntnis, dass sich ein Land niemals von einem anderen Staat abhängig machen darf. Oder, dass im schlimmsten Falle eines Krieges, eine gut ausgebildete und ausgerüstete Armee zur Landesverteidigung wichtiger ist, als ein paar Dummköpfe, die sich auf Straßen kleben, weil sie meinen, dadurch könnten sie das Klima retten.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.