Das Trump-Paradoxon: Der Bitcoin schwächelt, obwohl der US-Präsident „geliefert“ hat

Der Botcoin ist mal wieder auf Talfahrt

NEWYORK/FRANKFURT – Es klang wie das Drehbuch für einen unendlichen Bullenmarkt. US-Präsident Donald Trump, der sich vom Krypto-Skeptiker zum „Krypto-Präsidenten“ gewandelt hatte, hielt nach seiner Wahl Wort. Seit Amtsantritt im Januar 2025 hat er die regulatorische Landschaft der USA in Rekordtempo umgepflügt. Die Einsetzung kryptofreundlicher Manager und Analysten an der Spitze der SEC und der CFTC war dabei nur der Anfang. Es folgten Begnadigungen für inhaftierte Branchengrößen und – der heilige Gral der Bitcoiner – die Unterzeichnung einer Executive Order zur Schaffung einer nationalen strategischen Bitcoin-Reserve.

Der Markt reagierte zunächst wie elektrisiert. Im Oktober 2025 durchbrach Bitcoin die „Schallmauer“ von 126.000 US-Dollar. Doch dann geschah das völlig Unerwartete: Anstatt auf 150.000 oder 200.000 Dollar weiterzuziehen, knickte der Kurs ein. In den vergangenen Wochen hat sich dieser Trend sogar verschärft. Bitcoin verlor massiv an Boden, zog den gesamten Altcoin-Markt mit nach unten und hinterließ Schockwellen bei den Anlegern, die geglaubt hatten, mit Trump im Rücken gäbe es kein Abwärtsrisiko mehr.

Warum fällt der Kurs trotz Trumps „Liefergarantie“

Das Hauptproblem ist ein klassisches Phänomen der Finanzmärkte: „Buy the Rumor, Sell the Fact“. Die gesamte Trump-Rallye des Jahres 2024 und 2025 basierte auf der Erwartung, dass diese Maßnahmen kommen würden. Als sie dann tatsächlich umgesetzt wurden, gab es für professionelle Trader keinen Grund mehr, auf weitere Steigerungen zu wetten. Die Gewinne wurden realisiert. Punkt.

Doch auch die Ralpolitik spielt eine wichtigere Rolle.

Während Trump im Weißen Haus Krypto-Dekrete unterschreibt, kämpft die US-Notenbank Fed gegen eine unerwartet zähe Inflation. Die hohen Zinsen machen festverzinsliche Wertpapiere attraktiv und entziehen dem volatilen Krypto-Markt damit erhebich Liquidität. Zudem sorgt die familiäre Verflechtung der Trumps in eigene Krypto-Projekte für ein „Gschmäckle“: Institutionelle Anleger aus Europa und Asien fürchten Interessenkonflikte und eine mangelnde Objektivität der US-Aufsicht, was anscheinend zu Kapitalabflüssen führt.

Der Bitcoin befindet sich im Moment in einer kritischen Konsolidierungsphase. Die Euphorie der Privatanleger ist einer Angst gewichen, die „Wale“ (Großinvestoren) warten erstmal ab. Der Plan der staatlichen Reserve steckt zudem im Kongress fest. Es ist ein Unterschied, ob ein Präsident einen Befehl unterzeichnet oder ob das Finanzministerium tatsächlich Milliarden am freien Markt ausgibt. Der Markt hat realisiert, dass die „Reserve“ bisher eher ein Papiertiger ist, der vor allem aus bereits beschlagnahmten Beständen besteht und keine neuen Käufe generiert.

Natürlich ist der aktuelle Abwärtstrend noch kein finales Scheitern

Analysten von Goldman Sachs und BlackRock prognostizieren trotz der augenblicklichen Delle für das zweite Halbjahr eine deutliche Erholung, sobald die regulatorische Klarheit in den USA institutionelles Kapital in Billionenhöhe freisetzt. Sobald die ersten echten Dollar-Milliarden aus Staatskassen in Richtung Bitcoin fließen oder die steuerlichen Hürden fallen, dürfte das Trump-Paradoxon aufgelöst werden: Dann folgt der Preis endlich der Politik.“

Bildquelle:

  • Bitcoin_5: adobe.stock

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