Denken wir einen Moment über die Flugverbotszone nach!

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Liebe Leserinnen und Leser,

vorhin habe ich auf BILD TV ein Interview gesehen, das mich sehr nachdenklich gemacht hat. Gesprächspartner war Prof. Joachim Krause, Leiter des Instituts für Sicherheitspolitik an der Uni Kiel. Mit großer Ruhe entwickelte er seine Gedanken und warnte davor, bei der Bewertung des Krieges in der Ukraine ausschließlich den Gesichtspunkt der Angst vor einem Atomschlag und einem Dritten Weltkrieg zu betrachten.

Das lässt sich so locker sagen, aber Sie und ich, wir alle haben doch Angst davor, in diesen Krieg direkt verwickelt zu werden. Uns allen hat es gegruselt, als sich Putin drei Mal am Tag hat melden lassen, die russischen Atomraketen seien nun einsatzbereit. Als seien sie das nicht sowieso immer. Die Drohung mit Armageddon ist die ultimative Abschreckung. Für uns hier im Gutmenschen-Deutschland, aber auch für alle Menschen sonstwo auf der Welt, die noch alle Tassen im Schrank haben.

Professor Krause sagt, er sei sich mit vielen seiner Kollegen in der Analyse einig, dass der Präsident der Russischen Föderation ein Mann ist, der weiß was er tut, der nüchtern kalkuliert. Und genau deshalb keine Atomwaffen einsetzen und damit einen Dritten Weltkrieg auslösen wird. Es gehe darum, das Potential seiner militärischen Großmacht vorzuführen, Kanonenbootpolitik, wie man das so schön nennt. Um uns, um dem Westen Angst zu machen.

Krause empfiehlt, dass der Westen, dass die NATO-Staaten, jetzt weiter und verstärkt Waffen zur Verteidigung an die ukrainischen Streitkräfte liefern sollten. Und dann auch eingreifen, nicht direkt als Verteidigungsbündnis, aber einzelne Staaten, die die Fähigkeiten haben, die funktionierenden Flugzeuge und…ja, auch eigene Atomwaffen besitzen. So wie die USA, Großbritannien und Frankreich. Und sie sollen auch nicht in die laufenden Kämpfe im Süden und Osten eingreifen, aber wenigstens eine Flugverbotszone über dem noch freien Teil der Ukraine schaffen und durchsetzen, und dort dann auch Kampftruppen hineinbringen, um wenigstens diesen Teil der Ukraine zu schützen und zu sichern. Das sollten wir jetzt sofort tun, sagt der Professor.

Mich persönlich hat er überzeugt, muss ich sagen, aber es ist auch nur meine private Meinung. Wenn wir jetzt der Ukraine nicht wirksam helfen, wer glaubt dann noch an ein Eingreifen des Westens, wenn Putin nach den baltischen Staaten greift? Zurückweichen ist kein Erfolgsmodell, es stärkt weder das Vertrauen unserer Freunde noch vergrößert es den Respekt beim Gegner. Jeder sieht doch, dass der russische Vorstoß bei weitem nicht so reibungslos verläuft, wie sich das die Generalität in Moskau vorgestellt hat. Und eine konsequente Flugverbotszone über dem Westen der Ukraine würde sicher Herrn Putins Aufmerksamkeit finden.

Aber, was weiß ich schon, vom bequemen Lederstuhl am Schreibtisch aus mit einem Kaffee und einer Müslischüssel kann man gut den Strategen geben. Natürlich will auch ich nicht, dass unsere Kinder und Ihre Kinder in einen Krieg geschickt werden. Die meisten Menschen in Russland wollen das übrigens sicher auch nicht. Sie erinnern sich an das Lied „Russians“ des britischen Sängers Sting: „…the Russians love their Children too…“

Aber wollten das die Menschen damals im Zweiten Weltkrieg, als ihre Regierungen beschlossen, gewaltige Armeen aus Amerika, Kanda, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion mit den Söhnen ihres Landes in Marsch zu setzen, um unseren Kontinent von der Nazi-Barbarei zu befreien? Wir dürfen es nie wieder so weit kommen lassen. Ich denke, Herrn Putin versteht die Sprache der Stärke am besten.

Ob sich Herr Scholz mit Herrn Erdogan in Istanbul auf einen Dönerteller trifft, das bewegt jedenfalls nichts in Richtung zum Frieden.

Mit besorgten Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.