Desaster im CDU-Vorstand: Die Bundestagsfraktion muss dieses Ergebnis korrigieren

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Liebe Leserinnen und Leser,

der Krimi um die Kanzlerkandidatur der Union für die Bundestagswahl im September ist noch nicht vorbei. Vorab: Armin Laschet hat eine Mehrheit in seiner Wagenburg, dem Bundesvorstand der von ihm selbst geführten Partei, erhalten. 77,5 Prozent – das klingt erst mal ordentlich, ist aber auch der Tatsache geschuldet, dass in diesem Gremium Stimmenthaltungen so gewertet werden, als seien diese gar nicht abgegeben worden. Aber sie sind abgegeben worden, nur eben nicht für Armin Laschet. Der brachte am Ende einer überaus turbulenten Sitzung nicht einmal 70 Prozent seiner Vorständler hinter sich.

Eigentlich kaum zu fassen, dass es überhaupt nochmal spannend werden konnte. Markus Söder von der bayerischen Schwesterpartei CSU hatte sich ja vorher demütig geäußert, sich dem Votum der großen Unionsschwester beugen zu wollen. Klar, er hatte nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen. Aber wenn der gerade gewählte neue CDU-Vorsitzende Armin Laschet kandidiert und dann den Kürzeren zieht, weil ihm seine Basis nicht folgt, dann bräuchte die CDU definitiv gleich wieder einen neuen Vorsitzenden.

Ich habe mich schon in den vergangenen Tagen immer wieder gefragt, was Lascht und Söder bei ihren ständigen Treffen eigentlich so reden, wenn sie da zum Beispiel wie zuletzt abends im Fraktionssaal im Bundestag mit ihren engsten Buddies zusammensitzen. Also Söder fliegt aus München im Learjet ein, Laschet fährt mit dunklen Limousinen vor. Dann fragt Söder: „Armin, gibst Du jetzt endlich auf ?“ Und Laschet antwortet: „Nein, Du?“ Söder schüttelt dann den Kopf und dann schweigen sie sich an, bevor einer aufsteht und abfährt. Und dann treffen sie sich wieder…same procedure…

Im Grunde haben wir in dieser Nacht ein großes Kasperletheater in der CDU erlebt. Alle, wirklich alle, wissen, dass die Basis der CDU mit großer Mehrheit Markus Söder will. Und alle haben gesehen, dass das dem Laschet-Lager völlig egal ist. Er wollte da rein und seine vielleicht einzige Chance, da rein zu kommen, hat er mit seinen Möglichkeiten genutzt. Laschet krallte sich an seiner Bewerbung fest und spielt Roulette mit der Zukunft seiner Partei, er spielt mit Dutzenden Mandaten seiner Parteifreunde, die Demoskopen zu Folge weg sein werden, wenn Laschet Spitzenkandidat der Union ist. Die Landesverbände in Ostdeutschland, die Junge Union, Rheinland-Pfalz, Saarland, Niedersachsen – überall klare Mehrheiten für Söder. Wer soll eigentlich Wahlkampf für Armin Laschet machen, wenn die meisten ihn gar nicht wollen als Kanzlerkandidaten?

Für Laschet als Kanzlerkandidat spricht…nichts, außer, dass er in seiner Wagenburg gewonnen hat. Hätten sie ihn jetzt abgelehnt, wäre er als Vorsitzender nicht zu halten gewesen. Und das wollten natürlich vor allem die nicht, die gerade mit Laschet gemeinsam Friedrich Merz knapp verhindern konnten.

Nachher tagt in Berlin tournusgemäß die gemeinsame Bundestagsfraktion von CDU und CSU. Sie ist noch die größte Fraktion im Hohen Haus mit knapp 250 Abgeordneten. Für viele von ihnen geht es um die eigene Haut, die Verlängerung ihrer Arbeitsverträge durch die Wähler. Und da deuten alle Zeichen auf Sturm und darauf, dass Laschet ein echtes Desaster an den Wahlurnen droht.

Ich bin kein Politiker, aber wenn ich einer wäre, würde ich sagen: Die Abgeordneten der Fraktion müssen heute schon aus Selbsterhaltungstrieb das Heft in die Hand nehmen und ein klares Votum einlegen – gegen den Kandidaten des CDU-Vorstands und für den Kandidaten, der ihre Mandate sichern und die Union erneut an die Spitze führen kann. Und dieser Mann heißt Markus Söder.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.