Die Melkmaschinen an der A3 zwischen Frankfurt und Köln

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Liebe Leserinnen und Leser,

um 3.28 Uhr habe ich vorhin mein Auto auf dem Parkplatz abgestellt. Endlich zu Hause nach 536 Kilometern überwiegend auf der Autobahn, zurück von meinem Bürgerlich-Konservativen Stammtisch am Abend in Nürnberg.

Ich bin die Strecke von Frankfurt bis nach Köln auf der A3 schon oft gefahren. Aber heute reicht es mir. Auf rund 40 Kilometern zwei Mal geblitzt – das Maß ist echt voll. Denn tatsächlich bin ich auf dieser Strecke in den vergangenen Jahren immer wieder geblitzt worden, und teilweise musste ich sogar meinen „Lappen“ dafür abgeben. Aber dieses Mal bin ich wirklich genervt.

Ein Teil meiner Leser – ich kenne Euch! – wird jetzt denken: Selbst schuld, dann muss er halt blechen. Und tatsächlich hatte ich auch schon in meinem Buch 2017 eine Episode geschrieben, in der ich mich beklagte, dass ich einen Zehner bezahlen musste, ohne jeden Sinn und Verstand. Nur, weil jemand ein Schild dort aufgestellt hatte, dass aber zur Regelung des Straßenverkehrs null Relevanz hatte. Ich musste zahlen, nicht weil ich irgendwen blockiert hätte oder gar einen Blechschaden verursacht. Auf meine Nachfrage sagte mir den Mann vom Ordnungsamt wörtlich als Begründung: „Weil da ein Schild steht.“ Hätte darauf gestanden: Bitte Auto anzünden! Ich hätte es machen müssen als deutscher Staatsbürger.

Und Schilder stehen auch an der A3 zwischen Frankfurt und Köln jede Menge. Teilweise im 200-Meter-Wechsel 130, 120 und dann 80 und dann wieder 120 – total willkürlich, einfach eine große Falle für Autofahrer mit der Absicht, anschließend Überweisungen an die Staatskasse zu leisten.

Ich bin echt sauer, nicht weil ich geblitzt worden bin, sondern weil nicht erkennbar, allso vollkommen wilkürlich Schilder und Blitzgeräte in einer einzigartigen Weise aneinandergereiht worden sind. Nachts um zwei Uhr, 130 Sachen auf der Anzeige, Talk auf BigFM im Ohr und plötzlich fump! Einfach so, keine Baustelle, kein Fahrzeug vorne, kein Auto hinter mir – nichts. Nur Klaus, die freie Fahrbahn, Dunkelheit und zwei Blitzgeräte.

Ohne Zweifel werden einige von Ihnen – hoffentlich mit Respekt und einer Grundsympathie zu mir – denken: Selbst schuld. Wer nicht hören will, der muss fühlen. Und ja, mit dieser Aussage gehe ich sogar konform. Aber ich will wissen, warum das auf dieser Strecke so massiert ist. Wenn ich von – sagen wir – Salzburg nach Würzburg fahre, da passiert mir nichts, obwohl ich genau so schnell fahre. Die A3 zwischen Frankfurt und Köln kommt mir wie eine größe Melkmaschine vor. Und die Kuh in diesem Spiel bin ich.

Was also tun, Staatsbürger Klaus?

Ich werde ab sofort alles versuchen, um Autofahrten auf dieser Strecke zu vermeiden. Der ICE funktioniert meistens, wenn ich erstmal drinsitze, habe ich gute Chancen, die Strecke unbeschadet zu überstehen. Und wenn mir ein Schaffner ein Bußgeld reindrücken will, weil ich zum Beispiel meine Mund-Nasen-Maske nicht vorschriftsm#äßig trage, dann stehen der Mann und ich am nächsten Tag in der BILD. Das schwöre ich.

Und es gibt auch sinnvolle Autobahnstrecken ohne die A 3. Früher bin ich zum Beispiel nach Thüringen immer über die A3 Richtung Frankfurt und dann links ab in Richtung Eisenach – Erfurt und Weimar gefahren. Heute fahre ich vom Niederrhein durchs Ruhrgebiet, Dortmund die B 1 weiter auf die A44, bei Kassel dann rechts hoch. Geht auch, und den einzigen Blitzer am Kreuz in Kassel kenne ich und weiß, wo der steht.. Und da kommt man auch an Göttingen vorbei, wo es ein phantastisches Hotel gibt mit unfassbaren Sushi-Spezialitäten. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich weiß noch nicht, wie ich herausfinde, wer die Verantwortung für diese Blitzgeräte und vor allem diese Häufung völlig beknackter sich ständig abwechselnder Geschwindigkeitsbegrenzungen an der A3 trägt. Aber ich habe mir vorhin geschworen: Ich finde das raus. Und dann reden wir, der Mann vom Amt und ich…

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.