Die Politisierung macht den Sport kaputt

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Liebe Leserinnen und Leser,

bei der ersten WM-Teilnahme von Wales seit 64 Jahren hat Kapitän Gareth kurz vor Schluss mit einem Elfmeter zum 1:1-Endstand gegen die USA getroffen. Haben Sie das mitbekommen? Ich wette, viele von Ihnen nicht, und wahrscheinlich interessiert es zu diesem frühen Zeitpunkt des Fußball-Turniers in Katar auch kaum jemanden. Wenn man Zeitung liest in diesen Tagen, Fernsehnachrichten verfolgt, in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, dann hat man den Eindruck, es gibt kein wichtigeres Thema auf dem Planeten als Homosexuellen-Rechte im Emirat und die Frage, ob die Armbinden der Mannschaftskapitäne von sieben Teilnehmer-Teams mit „One Love“ bedruckt sein dürfen oder nicht.

Die FIA hat gestern ein Machtwort gesprochen – sie dürfen nicht. Die FIFA richtet das Turnier aus, und die Spieler tragen die Kapitänsbinden, die die FIFA zur Verfügung stellt. Punkt. Und wer sich nicht daran hält, fliegt raus. Punkt. Oder basta!

Zum wiederholten Mal: Was Katar für ein Staat ist, konnte jeder wissen, bevor man auf die Schnapsidee kam, das wichtigste Sportturnier der Welt nach den Olympischen Spielen ausgerechnet in die Wüste zu verlegen. Und als die Entscheidung durch die FIFA getroffen wurde, wie und warum auch immer, gab es keinerlei wahrnehmbare Proteste. Und nun sind alle ganz aufgeregt. Der DFB, die Spieler, die deutsche Außenministerin, die deutsche Innenministerin (für Sport zuständig), sie alle geben jetzt ihren Senf dazu. Gratismut ist das richtige Wort für die Dauerempörung, die mir wirklich auf die Nerven geht. Dann darf man so ein Turnier eben nicht an Katar geben. So einfach ist das.

Die Politik macht den Sport kaputt. Nicht nur jetzt, und nicht nur am Beispiel Katar. Man hat den Eindruck, es geht überhaupt nicht mehr um die Sport, sondern nur noch um die richtigen gutmenschlichen Botschaften. Der Tiefpunkt war die Fußball-Europameisterschaft und das beschämende Verhalten der deutschen Fußball-Offiziellen gegenüber der ungarischen Nationalmannschaft beim Spiel in München. Sie erinnern sich? Das Stadion in Regenbogenfarben getaucht als Protest gegen die Politik von Viktor Orban, der es tatsächlich wagt, Kindergartenkinder und Grundschüler vor der Indoktrination der globalen Homo-Lobby zu schützen, wozu Deutschland nicht mehr willens ist. Weil Sechsjährige ja unbedingt alles über Sexualität in linkswoken Gesellschaften wissen müssen, oder?

Politik und Sport hängen ebenso zusammen wie Sport und Kommerz

Das muss man nicht mögen, aber das ist nur noch zu stoppen, wenn konsequent politische Botschaften aus den Sportarenen herausgehalten werden. Ich will, dass Manuel Neuer kein Tor fängt gegen Japan und nicht streiten, ob er diese dämliche Armbinde tragen muss. Selbst in der Bundesliga läuft die Umerziehung auf Hochtouren.

Auch im Stadion meines sympathischen Provinzvereins müssen die Spieler zum Saisonschluss bisweilen mit einem Transparent die Ehrenrunde laufen, wo sich der Sportclub für den Kampf der Fans „gegen Rassismus“ bedankt. Und ich frage mich unwillkürlich, ob wir den Verein bitten sollten, die Mannschaft zum nächsten Saisonabschluss mal ein Transparent gegen islamischen terror oder 100.000 Abtreibungen rumtragen zu lassen. Da wäre die Empörung groß, und niemand würde auch nur in Erwägung ziehen, das mitzumachen. Aber gegen Rechts, das geht immer. Erinnern Sie sich noch, als Eintracht Frankfurt, zwei AfD-Mitglieder rausgeschmissen hat damals. Einfach weil sie in der falschen Partei waren?

Ich habe mich 1980 selbst an einer Boykottaktion beteiligt übrigens. Aus der Jungen Union heraus gründeten wir eine Bürgerinitiative für einen Boykott der Olympischen Spiele in Moskau. Samstags stand ich an einem Infostand in der Fußgängerzone von Bad Salzuflen und sammelte Unterschriften dafür, denn 1979 waren Soldaten der Sowjetunion in Afghanistan einmarschiert, die natürlich nichts mit Russland zu tun hatte. Und wahrscheinlich steckten Soros und Senskyj in Wirklichkeit dahinter wie immer. Der Westen boykottierte tatsächlich, und die Russen und der Ostblock boykottierten dann vier Jahre später die Olympiade in den USA. Sport? Völkerverständigung? Vergessen Sie es!

Ich bin heute dafür, jede Form von politischer Erzeihung oder Werbung bei Sportturnieren konsequent auszuschließen. Denn die Politisierung macht den Sport kaputt.

Mit herzlihen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.