Dies & Das: Vom Frauen-Fußball, Getreide-Frachtern, „Layla“ im ZDF und der Schwarmintelligenz

Anzeige

Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt so Tage, da muss der Kolumnist nachts ein paar Minuten überlegen, was das richtige Thema ist, um mit Ihnen in den Tag zu starten. Und es gibt andere Tage, da fliegt einem das Thema einfach zu, zack, und da isses… Am schlimmsten aber sind Tage…wie heute, an denen es gleich vier oder fünf Themen gibt, die zu betrachten wären und sind. Gehen wir es mal durch…

***Die deutschen Fußball-Frauen
Unsere deutsche Mannschaft, die nach der Lebenswelt der linkswoken Blase ja genaugenommen Frauschaft heißen müsste, hat im Finale von Wembley verloren – nach einem großen Kampf (ich würde lieber „Fight“ schreiben, aber dann bekomme ich wieder Mails mit „Herr Kelle, müssen diese Anglizismen denn immer sein?“) Über das Spiel und den Frauen-Fußball hätte ich also den ganzen „Vogel“ heute schreiben können, aber kurz zusammengefasst: Als ich vor zehn oder 15 Jahren die ersten Begegnungen mit Frauenfußball hatte, lief das unter der Rubrik „Sie waren stets bemüht!“ Diese gefällige Arroganz des jahrzehntelangen Männer-Fußball-Wanderers zwischen Erster- und Dritter Liga-Welt ist nicht mehr angebracht. Überhaupt nicht mehr.

Mein wunderbarer Freund Ralf, in dessen Wohnung seit Jahrzehnten immer 24 Stunden am Tag ein Bildschirm flimmert, auf dem irgendein Sportding gerade läuft, hat mich quasi freundschaftlich gezwungen, im EM-Viertelfinale mal eine halbe Stunde reinzuschauen bei den Mädels – Frauen – Damen – Trans, bitte ankreuzen. Und was soll ich sagen? Das war Fußball, und guter Fußball, technisch stark, athletisch und mit Kampf um jeden Zentimeter. Sekundärtugenden, nennen Linke das, ich finde das großartig. Das Finale gestern war großer Sport, ich habe allergrößten Respekt vor dem, was im Frauenfußball besonders in unserem Land über die Jahre entstanden ist. Und wenn sich Alexandra Popp nicht kurz vor dem Finale verletzt hätte, wer weiß, dann hätten wir den „Frühen Vogel“ heute vielleicht wie gewohnt monothematisch zusammen gestaltet…

***Der Getreide-Frachter

Weil Sie zum Start in Ihren Tag als erstes TheGermanZ lesen – ich liebe Sie und Euch dafür – wissen Sie, dass der mit Mais beladene Frachter «Razoni» vor Stunden aus dem ukrainischen Hafen Odessa in Richtung Libanon aufgebrochen ist. Das ist eine gute Nachricht, denn bei den diplomatischen Gezerre zwischen Vereinten Nationen, Ukraine, Russland und der Türkei geht es nicht nur darum, dass endlich viele Millionen Tonnen Getreide raus in die Welt kommen, damit die Menschen – besonders in Afrika – nicht verrecken. Es geht auch darum, dass die Speicher in der Ukraine leer werden, weil jetzt – trotz des furchtbaren Krieges – in den nicht von der russischen Armee zerbombten Gebieten die Ernte eingebracht und dann in die hoffentlich jetzt wieder freiwerdenden Speicher gebracht wird. Für die nächste Tour.

Ich will auch wirklich mal der UN und der Türkei ein Lob aussprechen für die Initiative, in diesem mörderischen Krieg noch einen letzten Rest an humaner Verantwortung zu bewahren und zu tragen. Und ich finde es bemerkenswert, dass die Ukraine und Russland den Gesprächsfaden nie haben abreißen lassen, ebenso wie die USA und Russland. Jetzt fahren die Getreidefrachter, Gefangene werden ausgetauscht und die Atommächte telefonieren miteinander. Es ist offensichtlich, dass der russische Eroberungskrieg ins Stocken geraten ist und Geländegewinne mit Geländeverlusten auf der anderen Seite „verrechnet“ werden könnten. Also, ich werde das nie verstehen, warum hört Russland jetzt nicht einfach auf mit dem Morden und Zerstören? Es wäre ein guter Zeitpunkt, und ich kenne zwei Parteien in Deutschland, die würden Putin danach sofort für den Friedensnobelpreis vorschlagen…

***Der Ballermann-Hit
Das Puffmutter-Lied „Layla“ wäre niemals ein solcher Hit geworden, wenn nicht zwei angepasste (CDU-)Oberbürgermeister so blöde gewesen wären, das Spielen dieses belanglosen Mitgröl-Songs in den Bierzelten auf ihren Volksfesten in Würzburg und Düsseldorf zu verbieten. Aus politischen Gründen Dinge zu verbieten, da fällt mir der ostdeutsche Liedermacher Wolf Biermann wieder ein, von dem der schöne Satz stammt: „Was verboten ist, macht uns erst richtig scharf!“ Recht hat er, der Wolf. Ich würde weder den Text noch den Titel von „Layla“ kennen, ohne das Vorgehen der Regenbogen-Blase, begleitet von städtischen Gleichstellungsbeauftragt-Innen und (leider mal wieder) der CDU. Dass der ZDF-„Fernsehgarten“ gestern den Mut hatte, die Combo damit vor einem Millionenpublikum auftreten zu lassen, ohne das übliche Volkserziehungsgeschwurbel, das ist die erste gute Nachricht aus dem Staatsfunk seit langer Zeit…

***Wir

In Teilen Deutschlands bewegen sich die Menschen auf das Ende der Sommerferien zu. Sicher waren auch viele von Ihnen an irgendeinem schönen Strand, haben Badehandtücher auf Sonnenliegen verteilt vor dem Frühstück, haben die letzten Sandkörner aus dem Bikini geschüttelt und besorgen jetzt die Schulsachen für die Kinder, denn bald beginnt der Unterricht wieder und zwar – die gute Nachricht – ohne Maskenzwang.

Ich war nicht in Urlaub, obwohl ich es hätte wirklich gebrauchen können. Aber, was soll man machen? Einer muss sich ja um Deutschland kümmern. Im August werden wir bei TheGermanZ eine Kapitalerhöhung vornehmen, weil die vergangene Monate für alle alternativen Medien nicht gut waren. Erst Corona, dann der Krieg, die Inflation und besonders die Energiekosten – wer denkt denn dann an den Wert einer wirklich freien Presse für unsere Demokratie und spendet?

Und jetzt geht es auch mit Riesenschritten auf das siebte Schwarmtreffen Ende Oktober im Frankenland zu, wo wir uns mit Hunderten Gleichgesinnter, denen Deutschland am Herzen liegt und die etwas verändern wollen, treffen zum Diskutieren, Kennenlernen, Würschtl essen und Bier trinken. Mein Schwarm, das ist inzwischen so etwas wie ein bürgerliches Familientreffen, das für viele von Ihnen einen festen Platz im Jahreskalender hat. Wer an der Teilnahme interessiert ist und mehr Informationen dazu bekommen möchte: kurze Mail an kelle@denken-erwuenscht.com schicken mit Namen, Vornamen und Wohnort. Dann werden Sie über alles Weitere Informiert.

Wir brauchen übrigens dringend noch Unterstützung bei der Organisation. Jemand mit Organisationstalent, der oder die weiß, wie die Feinheiten bei einer Tagung oder einem Kongress organisiert werden können (RollUps besorgen, Namensschilder vorbereiten, die Texte, Logos, Fotos und die Folge der Einblendungen für die Großbildschirme zusammenstellen uns so Krams…) Falls jemand die Fähigkeit und Interesse hat, uns dabei gegen ein Honorar zu unterstützen: Bitte ebenfalls an kelle@denken-erwuenscht.com schreiben

So, ich hätte noch zwei, drei Themen, aber für heute Morgen reicht es erstmal. Bleiben Sie gesund und heiter!

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

Anzeige

Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende

Jetzt spenden (per PayPal)

Jetzt abonnieren

Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.