Oh, Gott! Keine Kohle mehr aus Russland, jetzt werden wir alle erfrieren….

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Liebe Leserinnen und Leser,

Sie kennen meine Haltung zu den Sanktionen der EU-Staaten gegen Russland. Ich bin uneingeschränkt dafür, weil ich das, was in der Ukraine geade durch russische Soldaten angerichtet wird, für ein himmelschreieindes Unrecht halte. Nichts, keine alten ThinkTank-Videos aus den USA, keine Auslandskonten von Präsident Selenskyj und auch kein sogenannter „Schutz“ russischer Minderheiten im Osten dieses souveränen Landes, rechtfertigt das zerstörerische und menschenverachtende Wüten der russischen Soldateska auf Befehl ihres Heeresführers Putin.

Und weil es nur zwei Möglichkeiten gibt, wie der Westen – wir – darauf reagieren, wenn wir nicht wegschauen und uns selbst schuldig machen wollen, sind Sanktionen der bessere Weg. Harte Sanktionen, die Putins sogenannte Föderation bis ins Mark treffen und erschüttern. Am Abend haben die 27 EU-Mitgliessländer eine „fünfte Welle“ von Sanktionen einstimmig beschlossen. Europa kauft keine Kohle mehr von Russland, kein Holz und keinen Wodka. In europäischen Häfen werden keine russischen Güter mehr auf- oder abgeladen, mit wenigen Ausnahmen.

Ich weiß, dass nachher die übrigens spürbar kleiner werdende Schar der Putin-Fans in den Netzwerken wieder Angst verbreiten werden. Oh, Gott, keine Kohle mehr aus Russland. Jetzt geht Deutschland unter, und wir werden alle erfrieren, und wer überlebt, kann abr dann keinen Stahl mehr produzieren. Doch wir werden gar nicht erfrieren, und wir werden auch weiter Stahl produzieren. Weil nämlich – anders als Erdgas – Kohle aus Russland leicht zu ersetzen ist.

Fast die Hälfte der 31,82 Millionen Tonnen, die die Bundesrepublik 2020 importierte, stammt aus Russland. Mit großem Abstand folgten die Herkunftsländer USA und Australien. Die Zahlen umfassen sowohl Steinkohle als auch das Kohleprodukt Koks, das zum Beispiel in der Stahlherstellung genutzt wird. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums machte vor dem Ukraine-Krieg russische Kohle rund 50 Prozent des deutschen Steinkohleverbrauchs aus.

Steinkohleimporte aus Russland könnten in wenigen Monaten vollständig durch andere Länder ersetzt werden – insbesondere durch die USA, Kolumbien und Südafrika, behauptet der Verein der Kohlenimporteure. Es gebe einen gut funktionierenden, liquiden Weltmarkt und es seien ausreichende Mengen vorhanden. Deutschland sei auch nicht von den besonderen qualitativen Eigenschaften russischer Kohle abhängig, da bei Steinkohle unterschiedliche Qualitäten leicht gemischt werden könnten, um technische Parameter zu erfüllen.

Also Bangemachen gilt nicht! Wir sind Deutschland, wir sind Teil der europäischen Staatengemeinschaft. Und wenn wir zusammenhalten und zusammen handeln, dann werden wir auch dieses Problem lösen. Denn den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine zu stoppen, das ist erst einmal das Wichtigste.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.