Diplomatie? Unbedingt! Aber wie weiter, wenn alle Bemühungen scheitern?

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Liebe Leserinnen und Leser,

nachdem das Bundesverteidigungsministerium beschlossen hat, 140 israelische Drohnen Heron TP anzuschaffen und mit Raketen zu bewaffnen, ist die Vorsitzende der Partei Die Linke, formals SED, ein wenig aufgeregt. «Die Bewaffnung der Drohnen dient nicht zum Schutz von Leben, sondern hat den Einsatzzweck Tötung vorprogrammiert», schimpft sie, und damit hat sie absolut Recht. Im Krieg wird getötet, das ist das Wesen des Krieges, und es ist alles andere als schön oder wünschenswert, Kriege zu führen und Menschen zu töten.

Niemand von uns will, dass wir in einen Krieg hineingezogen werden, dass wir unsere Söhne und Töchter losschicken müssen, um Krieg zu führen und zu töten. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert.

Die jungen Russen, die 1942 nach Stalingrad geschickt wurden, um die Nazi-Heere aus Deutschland aufzuhalten, hatten auch keinen Bock darauf, wie man das heute so sagt. Und die jungen Amerikaner, die man auf einer gefährlichen Route über den Atlantik transportierte, bedroht durch Rudel deutscher U-Boote, die machten das auch nicht aus Abenteuerlust, als sie mit Kameraden aus Kanada und England im Morgennebel über den Ärmelkanal setzten und in der Normandie im Kugelhageln den Strand heraufstürmten, um Europa von der Nazi-Barbarei zu befreien. Zehntausende fanden den Tod dabei. Aber sie erreichten letztlich ihr Ziel, und wir – jeder einzelne von uns – genießen seit 75 Jahren Frieden in Europa. Weil wir die Lehren von damals gezogen haben, weil wir – die meisten von uns jedenfalls – wissen, dass man brutale Diktatoren nicht einfach machen lassen dürfen, weil es dann nämlich noch schlimmer wird.

„Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit“ heißt einer dieser Leitsprüche der NATO, des westlichen Verteidigungsbündnisses, und wenn wir uns die Entwicklung zu diesem furchtbaren Krieg nur zwei Flugstunden entfernt von uns jetzt anschauen, dann müsste eigentlich jeder begreifen, wie blauäugig unsere Politiker in Deutschland und in ganz Europa gewesen sind. Wie kann man auf Zusagen aus Russland vertrauen, das bis heute alte imperiale Tagträume lebt? Wie kann man sich in wichtigen Bereichen von diesem Land abhängig machen? Wie blauäugig waren und sind wir in Bezug auf Chinas Absichten gewesen und heute noch? Und was ist mit dem islamischen „Kulturkreis“? Da kommen Millionen „Goldstücke“ zu uns, die Deutschland richtig nach vorne bringen. Bei vielen hat das zweifellos funktioniert, aber was ist mit den anderen? Die Hass in sich tragen auf uns, die Allah preisen, wenn sie mit dem LKW in Berlin in einen Weihnachtsmarkt rasen?

Blauäugig, naiv, so war die deutsche Politik in den vergangenen 25 Jahren. Und dann ist 9/11 oder jetzt Ukraine, und dann werden alle mal kurz so wach, wie sie eigentlich immer sein müssten. Und plötzlich ist alles möglich aber mit heißer Nadel gestrickt.

Denken Sie an 9/11 und an den FBI-Agenten John O’Neill der Zeit seines Anstellung in der Behörde davor warnte, dass da irgendwo in zerklüfteten Bergregionen am Hindukusch einer sitzt, der einen großen Angriff auf das unbesiegbar erscheinende Amerika plant. Was haben sie herzlich gelacht über diesen Irren in den oberen Etagen von FBI und CIA. Irgendwann war O’Neill die Ignoranz seiner Vorgesetzten leid und gab auf. Am 31. August 2001 schmiss er seinen Job beim FBI hin, um Sicherheitschef im World Trade Center in New York zu werden. Acht Tage später starb er beim Zusammenbruch des Südturms als direkte Folge des großen Terroranschlags, vor dem er viele Jahre lang fast manisch gewarnt hatte. Eine wahnsinnige Geschichte, oder? Aber sie ist wahr. Falls es Sie interessiert, sehen Sie diese phantastische Doku über einen ganz ungewöhnlichen Mann hierThe Man who knew

Man darf nie blauäugig sein für Gefahren, das gilt im privaten Leben ebenso wie im Umgang mit Staaten, die dem eigenen Land feindlich gesinnt sein könnten. Und wenn Krieg ist – man muss alles tun, was möglich ist, um es aufzuhalten. Aber wenn der Krieg begonnen hat, dann muss man sich wehren, dann darf keiner auf der Aussichtsplattform hocken bleiben und Cappuccino trinken.

Ich war in der Schule zumindest in Geschichte richtig gut damals. Mein Abiturthema waren die „Friedensverhandlungen“ der Briten und Franzosen – Chamberlain und Daladier – 1938, die allen Ernstes dachten, man könne den deutschen „Führer“ besänftigen und abbringen von seinen Kriegsplänen. „Der Hitler will doch auch bloß das Beste für sein Land“, so formulierte Chamberlain das damals. Nun sei die Stunde der Diplomatie, war der Plan. Bullshit!

Solche Menschen wie Hitler, wie Stalin, Pol Pot, Kim Jong Un und viele andere, die lachen über Diplomaten und ihre Palaverrunden. So wie Putin gelacht hat, wenn mal wieder Scholz oder Macron durchgestellt werden wollten. In erfrischender Offenheit erzählte Putin vor ein paar Tagen öffentlich, diese Telefonate mit Scholz seien nur der diplomatischen Höflichkeit geschuldet gewesen. Aber von seinen Plänen abbringen? Putin? Lächerlich.

Wir, unsere Regierungen, sie sollten nach jedem Strohhalm greifen, um einen Krieg zu verhindern. Natürlich. Aber gleichzeitig müssen wir immer so stark und wachsam sein, dass wir im schlimmsten Fall die Oberhand gewinnen. Und ja, unsere Armee, die wir früher zu meiner Wehrdienstzeit (18 Monate, Jägerbataillon 451) selbst nicht ernst genommen haben – die Trachtengruppe, die den Feind so lange unterhält, bis die Amis kommen – die gibt es nicht mehr. Es wird ernster, die Gefahren für Deutschland und den Westen insgesamt werden größer. Und unsere Armee, der Heimatschutz, die Geheimdienste müssen absolut top sein. Unsere Soldaten machen einen guten Job, wenn sie müssen. Sie werden gut ausgebildet. Aber sie müssen auch eine gute Ausrüstung bekommen, weil die Armee ist vorrangig nicht zum Sandsäcke stapeln und Impfbescheinigungen abstempeln da, sondern unsere Freiheit im Ernstfall unter Einsatz ihres Lebens zu verteidigen.

Und ja, es ist gut, dass Deutschland 100 Milliarden Euro zusätzlich ausgibt, um unsere Streitkräfte endlich zu einer beeindruckenden Streitmacht zu formen. Wir brauchen Drohnen, die nicht nur Fotos schießen, sondern auch Raketen, um unsere Soldaten am Boden zu schützen. Wir brauchen die F-35, das beste Kampfflugzeug, das es zurzeit auf der Welt gibt. Wir brauchen Bunker zum Schutz der Bevölkerung im Ernstfall und Sirenen, die nicht nur samstags um 12 Uhr zur Probe heulen, sondern auch funktionieren, wenn das eintritt, was wir hoffentlich niemals erleben werden

Ja, Herr Kelle, Sie sitzen da schön im Warmen, werden mir nachher wieder einige vorhalten auf Facebook oder in irgendwelchen Chats. Und den unbedingten Segen der Diplomatie preisen. Aber sie irren sich. Um meine Familie und mein Land zu verteidigen, würde ich auch Dinge tun, das möchten Sie sich gar nicht vorstellen.

ich wünsche Ihnen einen friedlichen Tag, nein, nur friedliche Tage!

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.