Es gibt gute Gründe, warum Rheinländer und Westfalen getrennte Wege gehen sollten

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!

Das Wochenende ist immer eine gute Zeit, um Sie mit den wirklich relevanten Themen in Verbindung zu bringen. Und so will ich Ihnen heute erzählen, was Rheinländer und Westfalen trennt, und weshalb sie eigentlich auch nicht in einem Bundesland zusammengepfercht bleiben sollten. Ich meine, jetzt ist die Zeit, in der die Karnevals-Session auf ihren Höhepunkt zustrebt, und danach ist es dann auch endlich wieder vorbei. Wobei in Köln ist Karneval ja eigentlich nie vorbei…

Als wir wegen meines Jobs 1999 ins Kölner Umland zogen und ich direkt in Köln arbeitete, ahnte ich, wie das sein würde. Aber es war noch viel schlimmer.

Wobei vorab: Ich habe nichts gegen die Kölner an sich

Wirklich nicht, ich habe bis heute einige gute Freunde dort, die sich allerdings „Fründe“ nennen. Und Kölsch muss man ja nicht trinken, stilles Wasser schmeckt kalt genauso gut. Der Dom wirkt immer majestätisch, wenn Sie abends mit dem Auto über eine Rheinbrücke in die Stadt fahren. Ich mag auch das kölsche Nationalgericht „Himmel un Äd“ gern.

Als ich also nach Köln kam damals, war meine vorherige Station Augsburg.

Und weil es damals dort den Fußball-Erstligisten noch nicht gab, war ich oft beim Eishockey, bei den „Augsburg Panthers“. Schal um, Wollmütze auf, Glühwein im Plastikbecher. Es war eine schöne Stimmung dort, ich bin oft dort gewesen, obwohl ich beim Eishockey auf kein Team in Deutschland wirklich festgelegt bin. Der Torwart damals hieß auch Klaus, und wenn der eine gute Parade zeigte, brüllten Tausende rhythmisch „Klausi, Klausi“ – das hat mir immer sehr gefallen.

Aber zurück nach Köln

Gerade dort eingetroffen ergab es sich, dass die „Kölner Haie“ gegen die Panther aus Augsburg spielten. Ich saß da also in der Kölnarena und 10.000 sangen „Mer losse da Dom in Kölle“. Und ich gebe zu, ich habe spontan gedacht: Die haben doch hier nicht mehr alle Latten auf dem Zaun, op kölsch: einen an de Mötz.

Sie wissen, ich stamme aus Ostwestfalen, das ist das direkte Gegenstück, auch wenn es hier einige katholische Enklaven gibt, die ebenfalls Festumzüge am Rosenmontag veranstalten. Aber der Ostwestfale an sich hat wenig mit Karneval zu tun, und gar nichts mit dem Rheinland.

Jüngst traf ich in Berlin bei der Musicalpremiere von „Ghost“ eine langjährige liebe Kollegin zufällig wieder. Sie bereitete sich gerade darauf vor, zum Karneval nach Köln zu reisen. Martina ist total begeistert von Köln. „Aber leben könnte ich da nicht“, schränkte sie mit gegenüber dann ein: „Es ist mir zu katholisch da.“ Zu katholisch? Ich könnte auch nicht mehr in Köln leben, weil es mir da längst nicht mehr katholisch genug ist. Aber so unterschiedlich sind die Menschen…

Dieses Auf-Knopfdruck-fröhlich-sein, das ist nicht mein Ding

Und ich glaube, das können 98 Prozent der Westfalen auch nicht. Wir gehen zwar nicht zum Lachen in den Keller, wie der Rheinländer lästert, aber ja, drei, vier Pils und begleitende Wacholder – das hilft, um uns in Stimmung zu bringen.

Was der Rheinländer bei der Fröhlichkeit deutlich zu viel hat, das ist dem Westfalen die schlechte Laune und der Missmut.

Egal, um was es geht, das Glas ist nie halbvoll, es ist bei uns immer halbleer. Am schönsten kann ich das an meinem Herzens-Fußballclub Arminia Bielefeld deutlich machen. Nach einem guten halben Jahr erlauben Sie mir, mal wieder darauf zu sprechen zu kommen!

Unser Trainer heißt Mitch Kniat. Als er vor drei Jahren nach Bielefeld kam und es nicht gut lief für die Arminia, war schnell klar, dass er irgendwie schuld ist. Ich fand ihn eigentlich ganz gut, aber wenn alle pfeifen, schließt sich der Ostwestfale auch mal gern an. Anders als wohl die meisten Clubs behielt man Kniat als Trainer, der mal in einem Interview sagte: „Zeitweise war hier ‚raus‘ mein zweiter Nachname…“ Humor hat er.

Dann kam die vergangene Saison – Arminia stieg von der Dritten in die Zweite Bundesliga auf und rockte den DFB-Pokal. Als Drittligist kegelten die Arminen erst den Zweitligisten aus Hannover, dann die Bundesligisten Bremen, Union Berlin, Freiburg und schließlich den Deutschen Meister und vorherigen Pokalsieger Bayer Leverkusen aus dem Wettbewerb. Im Pokalfinale reichte es nicht, aber Arminia hatte bundesweit Aufmerksamkeit und … ja … sogar Sympathie gefunden. Das ist der Ostwestfale nicht gewöhnt, das macht uns unruhig. Kniat wurde noch zum Trainer des Jahres in der 3. Liga gewählt, alle liebten ihn, ein genialer Stratege, der angeblich schon beim FC Bayern und Liverpool auf dem Zettel steht.

Nun ist wieder Alltag eingekehrt

Arminia kämpft gegen den Abstieg aus der Zweiten Liga, und alle freuen sich wieder, dass sie lautstark „Kniat raus!“ rufen dürfen. Business as usual…

Kennen Sie Marco Küntzel? Der gelernte Stürmer galt vor langer Zeit in Bielefeld als „Chancentod“, obwohl er ein einziges Mal in einem Spiel (gegen Osnabrück) vier Tore schoss. Ansonsten Totalausfall. In Bielefeld kalauerte man damals: „Was gibt es, wenn Küntzel allein aufs gegnerische Tor zuläuft?“ Antwort: „Einwurf für den Gegner…“

Und das ist wieder ein guter Übergang zu Köln

Die haben auch irgendeinen Fußballclub, dessen Name mir gerade nicht einfällt. Aber die sind bekannt dafür, dass wenn sie mal zwei Spiele in Folge gewinnen, alle ausrasten und denken, sie seien demnächst in der Champions League dabei. Völlig bekloppt – Kölner wie Bielefelder.

Warum erzähle ich Ihnen all diese Anekdoten? Ich werde mich morgen journalistisch mit der Frage beschäftigen, ob es nicht wirklich von Vorteil wäre, wenn das Rheinland und die Westfalen getrennte Wege gingen. Weil wir vom Menschenschlag her nun wirklich überhaupt nicht zusammenpassen.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.