Gefängnis und Führerschein nicht möglich, aber wählen ab 16?

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Liebe Leserinnen und Leser,

nach Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) hat nun auch Bundesfamilienministerin Lisa Paus von der Grünen für eine Absenkung des Wahlalters auf vollendete 16 (statt bisher 18) Jahre plädiert.

Frau Paus müssen Sie nicht kennen. Ihr Lebenslauf weist keinerlei beeindruckenden beruflichen Stationen aus, immerhin hat sie ihr Studium abgeschlossen und ist Diplom-Volkswirtin, womit sie in ihrer Partei heraussticht. Und weil sie Volkswirtin ist, war sie vor dem Chefsessel im Bundesfamilienministerium eigentlich Finanzpolitikerin. Aber Frau Lambrecht ist ja auch Juristin und nun Verteidigungsministerin. Und der Philospoh und Buchautor Robert Habeck ist Wirtschaftsminister. Warum nicht die Finanzpolitikerin Paus als Familienministerin? Alles ist möglich in diesem Land.

Also, volljährig ist man in Deutschland mit 18, Verträge abschließen, also Geschäfte machen, darf man erst mit 18, eine eigene Kreditkarte gibt es erst mit 18, Hochprozentiges trinken ist erst mit 18 erlaubt, heiraten darf man erst mit 18, aber da dürfte die Nachfrage ohnehin eher gering sein.

Wenn Jugendliche unter 18 Straftaten begehen und erwischt werden, dann unterliegen sie dem „Jugendstrafrecht“ – warum eigentlich? Es gibt so viele Gründe, die gegen eine Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre sprechen, jedenfalls bei Bundestagswahlen, ich finde auch bei Landtagswahlen. Über Kommunalwahlen kann man reden. Mit 16 sind junge Leute kaum voll berufstätig, sie haben kein größeres Eigentum, neigen zu riskantem Verhalten, haben wenig Lebenserfahrung…und so weiter.

Aber sie sind häufig unkonzentriert, wie der Verband der Fahrschullehrer gestern öffentlich beklagte. Es mangele an einer »natürlichen Affinität zum Verkehrsgeschehen« und viele Fahrschüler seien im Unterricht eher an ihren Smartphones interessiert. »Der junge Mensch, der heute in die Fahrschule kommt, hat eine ganz andere Verkehrswahrnehmung als noch vor 20 Jahren – nämlich eine geringere«, sagt Kurt Bartels Vizechef vom Fahrlehrerverband. Und weiter: »Schauen Sie mal in ein Auto, ob die Kinder auf die Straße schauen. Nein, sie gucken auf ihr Smartphone. Sie gehen zu Fuß und gucken auf ihr Smartphone.«

Aber darüber entscheiden, wer Deutschland wie regiert, das sollen sie dürfen unsere Sprösslinge? Ich bin dagegen. Bei manchen 18-Jährigen habe ich heute auch Zweifel, ob man sie wirklich schon wählen lassen muss. Und jetzt, wo ich darüber nachdenke, bei vielen anderen auch…

Mit herzlichen Grüßen,

Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.