Gestrandet in Maintal: Was aus meiner Reise nach Andorra wurde

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Liebe Lerinnen und Leser,

nach einer kleinen Odysse bekommen Sie heute leider wieder einmal erst einen „Späten Vogel“. Dafür bitte ich um Entschuldigung!

Wenn Sie schon länger bei TheGermanZ oder auf meinem Blog Denken Erwünscht dabei sind, dann wissen Sie, dass meine Reiseerzählungen immer auch ein wenig Tagebuch-Charakter haben. Aber nichts Geheimes, wir sind ja unter uns hier. Eigentlich säße ich nämlich jetzt auf einer Terrasse im Fürstentum Andorra, in den östlichen Pyrenäen zwischen Spanien und Frankreich, beim Frühstück. Die Vorgeschichte finden Sie hier

Aber, um noch einmal den Beatle John Lennon zu zitieren, Leben ist, was einem zustößt, während man gerade etwas anderes plant.

Nun, ich bin nicht in Andorra, sitze am Niederrhein beim Frühstück mit Kaffee, Ei, Marmelade und lippischer Landleberwurst, weil ich nämlich meine 3000-Kilometer-Autofahrt abbrechen musste. In Hessen, natürlich, schwarz-grüne Regierung, meldete sich das System. Also, nicht DAS System, sondern das meines Autos und warnte, ich solle unverzüglich zu einem BMW-Servicepartner fahren, weil die Bremsen nicht in Ordnung seien. Und was macht man als Staatsbürger dann? Klar, man fährt zum nächsten BMW-Servicepartner.

Also, kurz zusammengefasst: Die Bremsscheiben vorne vollkommen verschlissen, hinten nur noch minimal erkennbar. „Sie fahren mit diesem Auto keinen einzigen Kilometer mehr“, ordnete der strenge Kfz-Meister an und befahl nach der Diagnose: Auto bleibt hier, ich bleibe hier, er besorgt passende Bremsscheiben, und morgen Mittag komme ich wieder. Was soll ich sagen?

Eine wunderbare junge Frau am Empfangs-Desk bei BMW – ich Ihnen schon mal aufgefallen, dass da bei den Autohäusern am Empfang immer junge, hilfsbereite und atemberaubend attraktive Frauen sitzen? Und ist das nicht diskriminierend für alle anderen, die nicht so schön sind oder nicht jung oder nicht Frau? Ich glaube, es wäre mal wieder Zeit für eine Online-Petition…

Also die schöne Frau am Informations-Schalter, für alle, die Anglizismen wie „Desk“ hassen, buchte mir ein Zimmer in einer Pension in Maintal, die so heißt, wie der Vorname der Inhaberin (tolles Mädchen übrigens, die ältere Dame). Und die Empfang-Schönheit von BMW bot mir an, da sie gleich Feierabend habe, mich selbst direkt dorthin zu fahren. Spontan antwortete ich, dass ich katholisch sei, aber nicht jeder in Hessen versteht meinen feinen Humor…

Jedenfalls zog ich einen Leihwagen – Mini Cooper mit Bremsscheiben komplett – vor und nutzte die unerwartete Planänderung, um meinen Sohn und seine Freundin in Wiesbaden zu besuchen und mit den Beiden herausragend gut indisch zu essen.

Also zusammengefasst: Ich sagte mit größtem Bedauern die Familienzusammenführung in Andorra ab, wo ich unsere Älteste und ihren Freund bei meinem Onkel und seiner Lebensgefährtin treffen wollte, die auf dem Rückweg vom Urlaub in Portugal ebenfalls beim Onkel Station machten. Kommen Sie noch nach bei dieser wirren Geschichte?

Natürlich fahren wir alle solche Strecken nur noch mit dem Auto, um Greta Thunberg und die Grünen zu ärgern. Ziviler Ungehorsam auf bürgerliche Art… Aber 3000 Kilometer und mindestens 25 Stunden am Steuer für ein Mittagessen und einen Spaziergang in Andorra mit sehr lieben Familienmitgliedern, das erschien mir dann doch ein klein wenig zu übertrieben. Zumal die Mautgebühren in Frankreich eine Unverschämtheit sind und sich auf der A9 gerade Baustelle an Baustelle reiht. Und wenn ich im Stau stehen will, da habe ich ja den Kölner Ríng auch gleich vor der Haustür.

Und die lippische Landleberwurst, das bayerische Bier und das Lübecker Marzipan, das ich mitbringen wollte, sind ja in der Kühlbox auch frisch geblieben. Das essen wir jetzt hier in den nächsten Wochen auf. Und ich versuche es im Herbst nochmal mit Andorra. Dann per Flugzeug…

Schönen Sonntag, bleiben Sie gesund!

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.