Hand auf’s Herz: Braucht Deutschland schon wieder eine neue Partei?

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Liebe Leserinnen und Leser,

seit dem AfD-Parteitag am Wochenende und seit CDU-Chef Friedrich Merz seine Partei ins Quotenglück führen will, wird wieder an jeder bürgerlichen Ecke diskutiert, wie die Repräsentationslücke zwischen Union und AfD in Deutschland gefüllt werden könnte. Immerhin sieht das seriöse INSA-Institut ein erreichbares Publikum von bis zu 25 Prozent im Niemandsland, wo die konservativen Wähler hocken. Denn das sind nach wie vor nicht wenige in Deutschland.

In den vergangenen Jahren gab es immer mal wieder Gedankenspiele und Hinterzimmerrunden, wo darüber diskutiert wurde, ob man enttäuschte Wirtschaftsliberale und Konservative zu einer neuen politischen Formation aufstellen könnte, die an den Wahlurnen Erfolg hat. Denken Sie an den Massenaustritt aus der AfD nach dem Sturz des Bundessprechers Bernd Lucke beim legendären Essener Parteitag! Schnell entstand die ALFA, dumm, dann man sich nicht vorher mit den Namensrechten beschäftigt hat. Die Aktion Lebensrecht für Alle e. V. (Alfa), deren Mitglied ich zufällig bin, klagte und gewann. So entstanden die Liberal-Konservativen Reformer (LKR), die sogar kurzzeitig eine Gruppe im EU-Parlament bilden konnte. Doch beim Wahlvolk erwies sich das Experiment als Flopp, was mich in diesem Fall wirklich enttäuschte, denn ich kenne viele Leute, die damals in der LKR waren, und habe mich in diesem Kreis wirklich ein Stück weit politisch zu Hause gefühlt.

Aber es bringt ja nichts, können Sie sich noch an den Bund freies Deutschland, die DSU, die Aktionsgemeinschaft Vierte Partei, den Bund Freier Bürger, die AUF, die PBC und und und erinnern? Die Republikaner besetzten das konservative Wählersegment kurzzeitig erfolgreich, bevor sie dann auch scheiterten, u. a. an der Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Das könnte auch anderswo bald geschehen.

Die Ex-AfDler Jörg Meuthen (MdEP) und Uwe Witt (MdB) haben sich gerade frisch der Deutschen Zentrumspartei angeschlossen. Das ist die älteste Partei Deutschlands und hatte mal in katholischen Kreisen einen klangvollen Namen. Ob es möglich ist, die alte Traditionspartei mit dem klangvollen Namen zu reanimieren?

Allein, dass ständig über das Thema der Repräsentationslücke zwischen Union und AfD diskutiert wird, zeigt, wie groß die Not in diesen Milieus in Wirklichkeit auch heute ist. Ich meine, eine AfD, deren östliche Bundesländer nahezu besoffen scheinen vor Begeisterung für den Kriegsverbrecher in Kreml, das ist im westlich sozialisierten Teil Deutschlands nicht vermittelbar. Fragen Sie mal Demoskopen, wieso die AfD bei den Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen jüngst so abgeschmiert ist! Das wird in die Lehrbücher als der Putin-Faktor eingehen.

Seit 1949 hatten nur zwei Neugründungen Erfolg beim Wähler: die Grünen und die AfD. Selbst wenn Sie den Zusammenschluss von WASG und SED dazunehmen – das war alles. Und diese Partei, die gerade DIE LINKE heißt, ist drauf und dran, für immer zu verschwinden, was ich persönlich begrüßen würde.

Eine neue Partei müsste mit ganz neuen, unverbrauchten Köpfen antreten, Frauen müssten in der ersten Reihe dabei sein, das Programm müsste begeistern statt nur gegen alles zu wettern. Und eine Menge Geld kostet das Aufbau einer neuen Partei auch.

Ich bin sehr gespannt, wann die nächsten Unverzagten einen Anlauf nehmen, den Deutschen Bundestag zu erobern. Aber dass es irgendwann wieder passieren wird, da habe ich keinen Zweifel.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

 

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.