ALBUQUERQUE – Die E-Mail, die im Januar 2019 auf dem Computerbildschirm von Eddy Aragon aufploppte, hatte es in sich. Aragon war damals ein bekannter Moderator bei einem Lokalradio in Albuquerque (New Mexico), der sich in seinen Sendungen immer wieder mit den Epstein-Vorwürfen und den Vorgängen auf der riesigen „Zorro Ranch“ des schillernden Multimilliardärs auseinandergesetzte. Die vor wenigen Tagen freigegebenen, über drei Millionen Ermittlungsakten im Zusammenhang mit Epstein, holten nun auch genau die anonyme Mail ans Licht, die Aragon damals auf seinem Rechner vorfand.
Wenige Monate vor dem Jahresbeginn 2019 war Epstein in einer New Yorker Gefängniszelle gestorben – angeblich durch Selbstmord, was heute allerdings immer fraglicher erscheint. Der Mann kannte viele dunkle Geheimnisse mächtiger und schwerreicher Männer aus seinem Umfeld, denen er junge Mädchen für Sex zugeführt haben soll.
Die E-Mail, die Eddy Aragon 2019 erreichte, stammte von einem anonymen Absender, der behauptete, ein ehemaliger Mitarbeiter auf der „Zorro Ranch“ gewesen zu sein.
Dort habe er mitbekommen, dass hinter den Mauern der Luxusvilla „harter Fetisch-Sex“ stattfinde, bei dem zwei ausländische Mädchen ums Leben gekommen seien. Epstein und seine Komplizin Ghislaine Maxwell hätten daraufhin angeordnet, die Leichen der Teenager verschwinden zu lassen. Sie seien jedoch nicht auf dem Privatgelände der Ranch, sondern auf angrenzendem öffentlichem Land (State Trust Land) vergraben worden. So habe man jede Verbindung zu Epsteins Anwesen verschleiern wollen, sollten die Mädchen doch zufällig gefunden werden.
Radiomoderator Aragon erkannte die Brisanz der Zeilen. Und handelte anständig. Statt auf die Quote seiner Sendung zu schauen und zu berichten leitete er die Mail dirkt ans örtliche FBI-Büro weiter.
Und danach… passierte nichts
Aragon sagte später aus, er sei frustriert gewesen, dass er von der Polizei keine „substanzielle Rückmeldung“ erhalten habe und auch keine sichtbaren Grabungen, polizeiliche Absperrungen oder öffentlichen Zeugenaufrufe stattfanden.
Die E-Mail verschwand einfach irgendwo in den Archiven des Justizministeriums – bis sie im Rahmen der großflächigen Deklassierung von Epstein-Akten durch Präsident Donald Trump im Februar wieder ans Tageslicht gespült wurde.
Nun endlich passierte etwas. Der Generalstaatsanwalt von New Mexico, Raul Torrez, bezeichnete die für ihn neuen Informationen gestern als „zutiefst beunruhigend“ und leitete eine offizielle Untersuchung ein. Torrez kritisierte heftig, dass sein Büro in der Vergangenheit nicht über diese beunruhigende Mail informiert wurde.
Die Ermittler suchen jetzt mit Bodenradar und hochauflösenden Satellitenbildern das Gelände um die „Zorro Ranch“ nach Bodenanomalien ab, die auf Grabstellen hindeuten könnten, die allerdings schon vor 15 bis 20 Jahren ausgehoben wurden. Da die E-Mail explizit von „öffentlichem Land“ sprach, konzentrieren sich polizeiliche Grabungen jetzt auch auf die Pachtflächen rund um die Ranch. Dies ist rechtlich einfacher zugänglich als das Privatgrundstück selbst.
Mit der IT-Forensik des Justizministeriums versuchen Ermittler außerdem, den anonymen Absender von 2019 doch noch zu identifizieren. Auch wenn die ursprüngliche E-Mail-Adresse inaktiv ist, hofft man auf digitale Spuren oder Metadaten in den ungeschwärzten Originalakten.
Torrez fordert ehemalige Angestellte, Dienstleister oder Nachbarn der Ranch auf, sich zu melden – notfalls auch anonym – und auszusagen, was damals auf dem Epstein-Anwesen dort los war.
Über die Identität der „ausländischen Mädchen“ ist bisher nichts bekannt, außer dass Epstein immer wieder junge Frauen aus Osteuropa, Südamerika und Asien in die USA lockte. Sollten Überreste gefunden werden, könnten DNA-Abgleiche mit internationalen Vermissten-Datenbanken vielleicht Licht ins Dunkel bringen.
Bildquelle:
- Zorro-Ranch_Epstein: screenshot x
