Herr Bätzing legt sich mit Rom an, doch das Problem ist die Anpassung an den Zeitgeist

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von KLAUS KELLE

LIMBURG – Nachdem Georg Bätzung, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, bereits im Mai vergangenen Jahres dafür plädiert hatte, auch homosexuelle Beziehungen zu segnen, setzte sein Bistum Limburg jetzt noch einen obendrauf. Auf der Facebook-Seite des Portals hat das Bistum die Regenbogenflagge als Zeichen der Solidarität mit der schwul-lesbischen Szene gepostet. Die schäumte vergangene Woche, als der Vatikan klar und verbindlich feststellte: Eine Segnung homosexueller Gemeinschaften werde und könne es nicht geben.

Die Kongregation für die Glaubenslehre in Rom hat am 15. März unmissverständlich festgestellt:

„Das Vorhandensein positiver Elemente – die in sich betrachtet dennoch zu schätzen und hervorzuheben sind – in solchen Beziehungen ist trotzdem nicht in der Lage, diese zu rechtfertigen und sie daher rechtmäßig zum Gegenstand einer kirchlichen Segnung zu machen, weil diese Elemente im Dienst einer Verbindung stehen, die nicht auf den Plan des Schöpfers hingeordnet ist.

Da die Segnungen für Personen in Beziehung zu den Sakramenten stehen, kann darüber hinaus die Segnung gleichgeschlechtlicher Verbindungen nicht als zulässig angesehen werden, weil sie in gewisser Weise eine Nachahmung oder einen analogen Hinweis auf den Brautsegen darstellen würde, der auf den Mann und die Frau herabgerufen wird, die sich im Sakrament der Ehe vereinigen, da „es keinerlei Fundament dafür [gibt], zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn“.

Was ist daran nicht zu verstehen. Nochmal zur Erinnerung: Niemand muss katholisch sein, aber wenn man katholisch ist, dann interpretiert der Vatikan – in diesem Fall die dafür zuständige Kongregation – die Auslegung der Lehre. Und niemand anders, auch nicht Herr Bätzing. Der hatte angekündigt, die Debatte um die Segnung homosexueller Paare in den sogenannten „Synodalen Weg“ einzubringen. Was Bätzings Bistum aber nun demonstrativ macht, ist den Gegensatz zu Rom auf die Spitze zu treiben. Die Homosexuellen-Lobby in Deutschland trommelt seit Tagen auf diesem Thema herum, wie üblich duckt sich die katholische Kirche in Deutschland – mit einigen löblichen Ausnahmen – weg.

Roma locuta est causa finita est…Rom hat gesprochen, die Sache ist erledigt. Dieser Satz gilt in der katholischen Weltkirche seit mehr als 1.000 Jahren. Und er gilt auch heute noch, jedenfalls für die Menschen, die gern katholisch sind und sein wollen – auch in Deutschand. Und es gibt auch hierzullande Millionen, die sich nicht dem Zeitgeist anpassen wollen, die treu zu Rom stehen und ihr Leben mit einem Blick nach Rom gestalten. Dazu gehört übrigens auch, dass viele Katholiken den Zölibat richtig finden, und dass Frauen keinen Dienst am Altar verrichten dürfen. Nochmal: Man MUSS nicht katholisch sein, es gibt viele andere Möglichkeiten, wo man sich umtun kann.

Für die anderen, inklusive Herrn Bätzing, empfehle ich in brüderlicher Liebe: Packt Eure Sachen und wechselt zur Evangelischen Amtskirche. Da kann man auch an Gott glauben, da kann man auch in der Bibel – oder wahlweise in Frau Kässmanns Büchern – schmökern, und selbst das Vaterunser ist in weiten Teilen identisch.

Ich bin vor 38 Jahren aus freiem Stücken von der EKD-Kirche – da muss man deutlich unterscheiden zu Freien Gemeinden und Evangelikalen – zur römisch-katholischen Kirche konvertiert. Und ich habe es nicht einen einzigen Tag bereut. Ich leide manchmal unter der Kirche, das ist wahr. Wie sollte das anders sein bei einer weltumspannenden Glaubensgemeinschaft, deren Gründer hohe, sehr hohe Anforderungen an uns Menschen stellt. Jeder, der Gott mit dem Herzen begegnet, wirklich jeder kommt in Versuchung, macht Fehler, sündigt. Und ich war und bin verstört über die vielen Fälle des sexuellen Missbrauchs in meiner Kirche, begangen von Klerikern, die eigentlich als Diener Gottes die sein sollten, denen Gläubige ihre Kinder anvertrauen können, ohne auch nur darüber nachzudenken. Aber die Kirche franst an ihren Rändern aus, sie ist schwach und mutlos geworden, und sie passt sich dem Zeitgeist in unseren westlichen Wohlstandsgesellschaften an. Nicht in den Favelas von Rio, nicht in den Slums von Nairobi und auch nicht in den engen Straßen von Kalkutta. Da sind Priester und Nonnen der katholischen Kirche (und anderer Hilfsorganisationen natürlich auch) der Rettungsanker, das wärmende Feuer in der Nacht.

Aber hier in Deutschland, wo die hohe Geistlichkeit vom Chaffeur im Dienstwagen am Volk Gottes vorbeikutschiert wird, wo die Caritas, das ist die christliche Nächstenliebe, in schicken Büros und mit Manteltarifverträgen betrieben wird und wenn – ich kenne so einen Fall – die mehr als 1.000 Hauptamtlichen der Caritas in einer deutschen Großstadt zum Start ins neue Jahr eingeladen werden, gemeinsam wenigstens einmal die Heilige Messe zu feiern, dann kommt eine Handvoll, ein Dutzend…

Ich werde zunehmend wütend, und ich denke oft darüber nach, ob es ein Fehler war, damals 1983 in die Katholische Kirche einzutreten. Und nein, das war es nicht. Ich lebe heute meinen Glauben innerlich so stark und überzeugt wie nie zuvor. Und deshalb müssen Menschen wie ich und die vielen anderen da draußen, aufstehen und sich wehren. Wieder einmal. Kämpfen für unser Recht, das zu glauben und unseren Glauben so zu leben, wie wir selbst das wollen. Hier ist doch angeblich bunte Vielfalt in unserer Gesellschaft – gilt das nicht für Katholiken? Bei einer Podiumsdiskussion an der Universität in Köln sagte ein Priester vor Jahren den schönen Satz: „Immer weniger Menschen wollen heiraten, aber wir Priester, wir sollen jetzt unbedingt. Warum eigentlich? Was geht es die anderen an, wenn sich ein paar Tausend Männer und Frauen freiwillig entscheiden, zölibatär leben zu wollen? Müsst Ihr da draußen doch nicht, aber was geht es Euch an? Was wird in dieser Gesellschaft alles an Absonderlichkeiten toleriert, aber wenn jemand freiwillig ehelos leben wird, dann ist er ein seltsamer Ausgestoßener? Merkwürdige Vorstellung von bunter Vielfalt. Die gilt wohl nur für diejenigen, die im großen Strom der Lemminge mitschwimmen.

Ich schreibe niemandem vor, was er oder sie zu glauben oder nicht zu glauben hat. Machen Sie, was Sie wollen! Wer bin ich, anderen meine Überzeugungen aufzudrängen? Aber diese Anpassung, die Anbiederung an den Modernismus, das Buhlen um die Gunst der Mächtigen und das Anstehen an ihren Buffets müssen ein Ende haben in meiner Kirche. Nicht wir müssen raus aus dieser Kirche, sondern die anderen. Und Herr Bätzing sollte gleich mal mit gutem Beispiel vorangehen….


 

Bildquelle:

  • Bistum_Limburg_Regenbogen: screenshot
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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.