Heute vor 155 Jahren stellte Karl Marx sein Buch vor: „Das Kapital“

Karl Marx in Bronze in Chemnitz.
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von KLAUS KELLE

LODON – Heute vor 155 Jahren (im Jahr 1867) wurde der erste Band von Karl Marx’ Hauptwerk «Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie» veröffentlicht. Sie werden sich vielleicht wundern, warum gerade eine im Kern wirtschaftsliberales Tageszeitung diesen Tag würdigt, aber nur wenige Bücher haben es geschafft, die Welt nachhaltig zu verändern oder geschichtliche Progzesse auszulösen, die das Leben von Millionen Menschen beeinflusst haben. Die Bibel ist so ein Buch, der Koran natürlich auch, und, ja, „Das Kapital“ leider auch. Marx hat ein politisches Buch geschrieben, eigentlich eher eine Analyse der gedsellschaftlichen Verhältnisse.

Unter dem Eindruck der Industriealisierung in England, identifizierte er das Zwei-Klassen-Modell seiner Gesellschaft – auf der einen Seite die Kapitalisten (auch Bourgeoisie), denen die „Produktionsmittel“ gehören, also die Fabriken und die Maschinen. Für Marx zugleich – und nicht zu Unrecht – die „herrschende Klasse“. Und weil die das Kapital und die Produktionsmittel besaßen, dominierten sie auch die öffentliche Meinung. Und ich weiß gar nicht, wieso mir gerade in den Kopf kommt, dass es auch heute in Deutschland ja nicht viel anders ist.

Ich will sie am Morgen nicht mit theoretischen Ausführungen langweilen und bin auch nicht die Volkshochschule, aber der Grundgedanke, dass der Kapitalist nur deshalb reich und herrschend wird, weil er seine Mitarbeiter ausbeute, sollte ich als den wesentlichen Gedanken von Marx schon noch erwähnen. Der Kapitalist zahlt danach dem Arbeiter im Lohn nur einen (kleinen) Teil dessen, was er durch die Wertschöpfung im Produktionsprozess selbst einfährt. Der Gewinn komme aber nicht der Gesellschaft insgesamt zugute. Und das sei schlecht, kritisierte Marx, der übrigens aus Trier stammt.

Bis hierhin stimmt die Analyse von Marx

Denn seine an sich brillante Analyse der Lage basierte auf den damaligen Zuständen in der englischen Industriegesellschaft, in der die Arbeitsbedingungen der Lohnsklaven, formulieren wir es zurückhaltend, nicht gut waren. Gar nicht gut.

Aus dieser Analyse wurde das Konzept einer zwingend erfolgenden gesellschaftlichen Umformung mit dem Endziel des Kommunismus, in dem wir dann alle frei und glücklich sind, Sie kennen die Theorie. Und Sie kennen auch, was daraus wurde.

Sozialismus und Kommunismus widersprechen fundamental der Natur des Menschen

Jeder nimmt in der Endstufe, also in der kommunistischen Gesellschaft, aus den von allen gemeinsam erwirtschafteten Besitztümern nur das heraus, was er oder sie braucht. Und andererseits gibt jeder vollen Einsatz für die Gesellschaft insgesamt – das ist die Theorie, die so schön klingt, aber die weder Ihrer noch meiner Natur entspricht. Viele arbeiten hart für ihren Lebensunterhalt auch heute noch, andere machen es sich bequem in der sozialen Hängematte in Deutschland. Unproduktive Tätigkeiten werden hochbezahlt, wenn sie alleine die „Wasserköpofe“ in den öffentlichen Verwaltungen anschauen, die personell überbesetzten und staatlich – also von uns – finanzierten Öffentlich-Rechtlichen Anstalten, die Tausenden Gleichstellungsbeauftragte, die Klima- und Friedensforscher, die Experten und Consultants.

Ich will gar nicht bestreiten, dass auch manche von denen sinnvolle Arbeit leisten und dass kluge Köpfe darunter sind, die eine Gesellschaft unbedingt braucht.

In Kambodscha wollte der dortige Oberkommunist Pol Pot Mitte der 80er Jahre einen „Agrarmarxismus“ einführen und ließ erst einmal alle Intellektuellen umbringen: Lehrer, Professoren, kleine Unternehmer, Vietnamesen – ein Schuss Ethnie muss bei den Menschenschlächtern wohl immer dabei sein – wurden umgebracht, in Erziehungslagern gefoltert und getötet, Familienmitglieder gleich mit. Wer noch laufen konnte wurde auf die Reisfelder geschickt, wo sie schuften mussten, bis sie tot umfielen. Ziel von Pol Pot war es, auf Basis des Maoismus den „Bourgeois“ vom Erdboden zu tilgen. Merken Sie was? Alles hängt mit allem zusammen…immer.

Ungefähr zwei Millionen Menschen starben damals in den „Killing Fields“ – 30 Prozent der Bevölkerung. In Deutschland wären das über 20 Millionen gewesen.

Auf jeden Fall muss festgehalten werden: Individuelle Freiheit des Menschen und Sozialismus/Kommunismus sind so unvereinbar, wie Islamismus mit Deokratie und Rechtsstaat.

Und Deutschland hat ja auch seine Rolle bei der Ausbreitung dieser Schreckensideologie gespielt. Marx war ein deutscher, Wladimir Iljitsch Lenin reiste zusammen mit weiteren Genossen in einem plombierten Zug durch das Deutsche Reich zur Revolution nach Petrograd in Russland, das wir heute als St. Petersburg kennen. Daher stammt auch ein aktueller Kriegsverbrecher, den Sie alle kennen. Wir hatten den Nationalsozialismus hierzulande, bei dem viele verschämt wegschauen, weil ein Teil des Parteinamens zurecht SOZIALISMUS heißt, wenngleich „das Großkapital“ Hitlers Aufstieg nach Kräften förderte, wohl weil sie dachten, sie hätten den Mann so unter Kontrolle, als politische Marionette sozusagen. So kann man sich irren. Und die DDR und ihre „Sozialistische Einheitspartei Deutschlands“ (SED), die heute in Deutschland wieder als normale Partei gilt, wären 100 weitere Artikel wert. Vielleicht später.

Ich weiß nicht, ob die Geschichte stimmt

Irgendwo wurde mir vor bestimmt 40 Jahren in einer Debatte die Geschichte erzählt, Lenins Zentralkomitte in Petrograd habe damals mit 7 gegen 6 Stimmen beschlossen, das Mittagessen getrennt von den anderen Genossen einzunehmen. Da hätte man den Laden eigentlich schließen können, in diesem Moment war das Experiment krachend gescheitert, das noch so vielen Millionen Menschen Jahrzehntelang Leid und Tod gebracht hat. Nichgt zu fassen, dass immer noch Leute von einer klassenlosen Gesellschaft träumen…

Bildquelle:

  • Karl_Marx: pixabay
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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.