Heute vor einem Jahr starb der Ausnahme-Unternehmer Mario Ohoven bei einem Verkehrsunfall auf der A 44

In Memoriam: Mario Ohoven
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von KLAUS KELLE

DÜSSELDORF – Genau heute vor einem Jahr verstarb der Finanzvermittler, Anlageberater und seit 1998 Präsident des Bundesverbands der mittelständischen Wirtschaft, Mario Ohoven, im Alter von 74 Jahren bei einem rätselhaften Autounfall. Die Ursache der Tragödie ist bis heute ungeklärt. Auch ein Jahr nach dem tragischen Ereignis sind außerdem die Dinge bei seinem einflussreichen Verband, in dem 60.000 Unternehmer organisiert sind, nicht geregelt. Denn Mario Ohoven war eine Ausnahme-Persönlichkeit, wie man sie nur selten findet.

Der Unfall vor genau einem Jahr ereignete sich an einem Samstagmittag auf der A44 bei Ratingen (NRW). Bei gutem Wetter ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer fuhr Ohoven mit seinem schwarzen Bentley in die Mittelleitplanke der Autobahn und wurde im Fahrzeug eingeklemmt. Zwei Stunden dauerte es, bis die Feuerwehr den BVMW-Präsidenten befreien konnten, zwei Notärzte versorgten ihn während dieser Zeit und sorgten dafür, dass sein Kreislauf stabil blieb. Doch dann versagte plötzlich der Kreislauf, und Mario Ohoven verstarb noch an der Unfallstelle. Angeblich gab es einen Augenzeugen, der im Rückspiegel gesehen hatte, dass das Fahrzeug ansatzlos und ruckartig plötzlich gegen die Mittelleitplanke knallte.

Später wurde auch nicht festgestellt, dass das Opfer eine medizinische Beeinträchtigung hatte, etwa einen Herzanfall erlitt. Und Freunde sagen, dass er nun wahrlich keinen Grund gehabt habe, willentlich mit seinem Leben abzuschließen. Der Fall bleibt merkwürdig.

Mario Ohoven hinterlässt seine Frau Ute Ohoven, bundesweit bekannt als Charity-Lady und Unesco-Botschafterin, und seine beiden Kinder Michael und Chiara.

Mario Ohoven war das, was man eine schillernde Persönlichkeit nennt, aber auf einer soliden Grundlage, denn der Mann mischte sich ein, er war unbequem. Ob in Fernseh-Talkshows oder bei Stefan Raab, in Hintergrundgesprächen mit mächtigen Politikern und Spitzen des Staates: es gab niemanden, der nicht vom Auftreten und der Intelligenz dieses Verbandsvertreters beeindruckt war. Er wusste genau, wie das Spiel läuft, er hatte alle wichtigen Handynummern der Republik. Und jeder ging dran, wenn er anrief. Und genau das ist der Grund, warum der Bundesverband mittelständige Wirtschaft bis heute keinen neuen Präsidenten gewählt hat. Wählen konnte. So als schwebe der Geist Ohovens über allem, der das Gesicht und der kluge Kopf an der Spitze seiner Organisation war. Und er hinterläßt Fußstapfen, die für jeden möglichen Nachfolger nur schwer auszufüllen sein werden.

Im November, in wenigen Wochen, wird der BVMW seinen Nachfolger wählen. Einen, dem die Mitglieder zutrauen, die Lücke auszufüllen, die Ohoven hinterlassen hat. Einflussreiche Gruppen ziehen im Hintergrund die Strippen. Wie überall, wo Einfluss und Macht zu vergeben sind, geht es auch hier einerseits um persönliche Interessen und andererseits um gravierende Animositäten. Namen von Personen werden genannt, deren Fortkommen schon im Keim erstickt werden. Kandidaten, die sich in Stellung gebracht haben, aber von führenden Hauptamtlichen blockiert werden. An sich ist das nichts Ungewöhnliches in einer großen Lobbyorganisation. Aber hier ist es besonders spannend, welche Schnittmengen es mit anderen Interessengruppen, mit der Politik und auch internationalen Spielern aus anderen Staaten gibt.

Das Kapitel Mario Ohoven ist längst nicht zugeklappt. Und es ist höchst spannend, wer demnächst das Vertrauen einer Mehrheit im BVMW hinter sich versammeln kann. Und wenn es die Entscheidung gibt, mit welchen Widerständen und Fallen derjenige zu rechnen hat.

Doch heute ist ein Tag des Erinnerns und des Trauerns. Heute ist der Tag, sich vor einem außergewöhnlichen Mann mit großem und mit tiefem Respekt zu verneigen.

Bildquelle:

  • Mario_Ohoven: ghetty images
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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.