In Berlin ein ungewohntes Bild: Jedes Jahr demonstrieren Tausende hier für das Recht auf Leben

Einmal im Jahr kommen Tausende Lebensschützer nach Berlin und demonstrieren.
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von MARTIN D. WIND

BERLIN – Mehr als 4.500 Menschen – die Polizei schätzt die Zahl höher und spricht von einer Teilnehmerzahl im „oberen vierstelligen Bereich“ – gingen vergangenen Samstag friedlich durch die Straßen Berlins. Diese Menschen treten mit ihrem „Marsch für das Leben“ dafür ein, dass ungeborene Kinder unbedroht leben und das Licht der Welt erblicken dürfen. Und sie kämpfen dafür, dass Menschen in Ruhe und Würde altern und sterben dürfen. Begleitet wird der Demonstrationszug regelmäßig von gut organisierten und hoch mobilisierten Gegendemonstranten aus einem aggressiven linken Milieu.

Am vergangenen Wochenende fand dieser „Marsch für das Leben“ bereits zum 17. Mal statt, eine Demonstration des „Bundesverbandes Lebensrecht“ (BvL). Der Zusammenschluss aus 15 deutschen Lebensrechtsorganisationen mit insgesamt mehr als 20.000 eingetragenen Mitgliedern, wie zum Beispiel „Ärzte für das Leben“, die „Juristen-Vereinigung Lebensrecht“ oder auch die „Stiftung Ja zum Leben“, veranstaltet den Schweigemarsch seit 2002, seit 2008 in jährlichem Rhythmus. Der bisherige Teilnehmerrekord – noch ohne die politischen Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung und die daraus resultierenden behördlichen Auflagen – war 2016 mit mehr als 7.500 Menschen, die aus dem gesamten Bundesgebiet den Weg nach Berlin genommen hatten, um für das Leben einzutreten.

Im Rahmenprogramm nahmen sich die Teilnehmer dieses Jahr ab Freitag des Themas „Reproduktionsmedizin“ an. Dass der Lebensschutz ein drängendes, massiv bedrängtes und wichtiges Thema für die Menschen in Deutschland ist, zeigt sich an der Vielfalt der anwesenden gesellschaftlichen Gruppierungen, aus denen die Verteidiger des Lebensrechtes kommen: Viele Jugendliche gehen da mit Erwachsenen und Senioren aus vieler Herren Länder nebeneinander, geeint durch dasselbe Ziel. Sie unterscheiden nicht, ob jemand religiös ist oder sich als Agnostiker empfindet, es ist egal, ob jemand aus weltanschaulicher oder wissenschaftlicher Erkenntnis für den Lebensschutz eintritt und niemanden interessiert es, ob da jetzt „Wichtige“ oder weniger „Wichtige“ aus Politik, Medien, Kirche, Medizin oder auch Kultur auf dem Podium stehen und ein Bekenntnis zum Leben ablegen.

Selbstverständlich sind „bekannte Gesichter“ immer willkommene Zeugen. So freuen sich die Veranstalter über die Anwesenheit unter anderem von Bischof Voderholzer (Regensburg), Bischof Ipolt (Görlitz) oder des Augsburger Weihbischofs Florian Wörner und von Ekkehart Vetter (Evangelische Allianz). Wer nicht persönlich anwesend sein konnte, gab seine Unterstützung schriftlich kund: Rund 25 Grußworte wie zum Beispiel seitens des Apostolischen Nuntius (Vertreter des Papstes) Erzbischof Nikola Eterović, von Bischof Hans-Jörg Voigt (SELK), dem Vorsitzenden der Orthodoxen Bischofskonferenz, Metropolit Augoustinos, Bischof Stefan Oster (Passau) oder auch von Ministerpräsidentin a.D. Christine Lieberknecht (CDU, Thüringen) und der Politiker Hans Jürgen Irmer und Alexander Krauss sind auf der Homepage des BVL zu finden.

Auffällig ist die hohe Beteiligung mit christlichem Hintergrund. Das ist auch kaum verwunderlich, sind doch Menschenwürde und Lebensschutz genuin christliche Anliegen. Für Bischof Voderholzer hat das Treffen dann auch eine innerchristliche Dimension: „Für mich ist der Marsch für das Leben die gelungenste ökumenische Veranstaltung. Bevor wir über Dinge gemeinsam reden, die theologisch nicht möglich sind, sollten wir das miteinander tun, was problemlos möglich ist, nämlich das gesellschaftspolitische Engagement, gerade im Hinblick auf den Lebensschutz.“ Eine solche Einstellung in der Politik täte auch der Gesellschaft gut.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Bätzing widersprach in einem Grußwort „mit allem Nachdruck der Auffassung des EU-Parlaments, dass die Abtreibung ungeborener Kinder ein Menschenrecht darstellt.“

Alexandra Linder, Vorsitzende des BVL, nutzte die Nähe zum Bundestag und den anstehenden Bundestagswahlen, um der Politik eine Mahnung ins Stammbuch zu schreiben und Politikern ins Gewissen zu reden: „Eine Woche vor der Bundestagswahl ist ein guter Zeitpunkt, um auf die Bedeutung und Gefährdung der Basis unseres Grundgesetzes aufmerksam zu machen. Viele Themen stehen auch im neuen Bundestag zur Debatte an: Abtreibung und das Werbeverbot für Abtreibung, der assistierte Suizid, die Reproduktionsmedizin. Gemäß Artikel 1 Grundgesetz muss die Würde des Menschen an oberster Stelle stehen – und zwar aller Menschen, auch der Kinder vor der Geburt und der Menschen am Lebensende oder in suizidalen Lebenssituationen.“

Zum Abschluss des diesjährigen „Pro-Life-Wochenende“, wie der BVL seine Veranstaltung auch nennt, feierten Erzpriester Gačić von der serbisch-orthodoxen Kirche und Bischof Ipolt aus Görlitz einen Ökumenischen Gottesdienst für interessierte Teilnehmer.

Bildquelle:

  • Marsch_für_das_Leben_Berlin_2021: eduard pröls
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