Jetzt schmeißt auch Joana Cotar hin: „Die AfD ist zu einer Altpartei geworden“

Joana Cotar kandidiert für die AfD in Frankfurt/Main.
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von KLAUS KELLE

BERLIN – Vor zehn Jahren gehörte Joana Cotar (50) zu den Ersten, die sich in Hessen aufmachten, eine neue Partei namens AfD auf die Beine zu stellen. Wirtschaftsliberal und konservativ. Und heute endet ihr Weg in der Partei.

„Ich stehe für eine konstruktive, freiheitlich–konservative Politik. Im Gegensatz zu vielen Kollegen, war und bin ich finanziell nicht auf Partei oder Bundestag angewiesen“, sagt sie. Realpolitik, das ist ihre Vorstellung, nicht ideologische Absurditäten, nicht das unbedingte Überschreiten roter Linien, sondern Mitarbeit im Parlament, Deutschland gestalten. Damals war die Zeit von Bernd Lucke, Joachim Starbatty, Hans-Olaf Henkel und Ulrike Trebesius. Es war die Zeit, als die AfD massiven Zulauf hatte mit ihrem Kampf gegen den sogenannten Euro-Rettungsschirm der Regierung Merkel.

„Wir wollten eine Alternative zur linken Politik sein, die die Freiheit und die Unabhängigkeit in den Mittelpunkt stellt, und die den schlanken Staat, das Recht und die Eigenverantwortung propagierte“, sagte Cotar gegenüber TheGermanZ. Und dann: „Aber davon ist wenig übriggeblieben.“

Statt um Inhalte gehe es hauptsächlich um bezahlte Mandate und Ämter. Die Alternative sei zu einer Altpartei geworden. Im Kampf gegen innerparteiliche Gegner sei Dauermobbing an der Tagesordnung – angefeuert von der Spitze der Partei und ihrer Netzwerke. Kampf um ein besseres Deutschland? Cotar: Das ist längst in den Hintergrund gerückt.“

Und dann sagt Sie, die immer zum gemäßigten Flügel gehörte und ihren damaligen Bundesvorsitzenden Prof. Jörg Meuthen MdEP) unterstützte, etwas Überraschendes:

„Nicht der extreme Rechtsaußen-Rand der AfD war und ist das Problem, der war immer in der Minderheit. Es sind die Opportunisten, die für Mandate ihre Überzeugungen aufgeben, sich kaufen lassen und morgen das Gegenteil dessen vertreten für das sie heute noch stehen. Das war und ist mit mir nicht zu machen. Ich habe meine Überzeugungen seit 2013 nicht geändert und verlasse die Partei mit dem Wissen, mir meine Integrität bewahrt zu haben.“

Denn Joana Cotar war in den vergangenen Jahren eine der Schlüsselfiguren in der AfD, die sich gegen das Abrutschen ihrer Partei an den rechten Rand stemmte. „Ich stehe für die Freiheit, die ich auch denen zubillige, die nicht meiner Meinung sind. Meine Basis war und ist das Grundgesetz.“ Sie stehe für Eigenverantwortung und einen Staat, der die Bürger in Ruhe lässt. Zensur, Massenüberwachung (vor allem durch neue Technologien), Nudging und Einschüchterungen durch den Staat lehnt sie ab. Trotzdem stehe sie „für eine moderne Zukunft, eine Gesellschaft, die keine Angst vor der Digitalisierung hat, sondern sie als Chance begreift“.

Echte Entlastungen der Bürger, Steuersenkungen, einen schlanken Staat und eine Politik, die nicht versucht, Wählerstimmen durch soziale Wohltaten zu erkaufen. Die wenigen Leistungsträger dieser Gesellschaft müssten endlich wieder die Anerkennung erfahren, die sie verdienen.

Auch zur deutschen Außenpolitik hat Cotar eine klare Haltung:

„Die Anbiederung der AfD an die diktatorischen und menschenverachtenden Regime in Russland, China und jetzt auch den Iran sind einer aufrechten demokratischen und patriotischen Partei unwürdig. Zu oft habe ich in den letzten Jahren mitbekommen, wie führende Funktionäre gerade für diese Länder Lobbypolitik betrieben haben. Ich dagegen will Politik für Deutschland machen. Für mich haben russische Fahnen bei einer Demonstration unter dem Motto „Deutschland zuerst“ nichts zu suchen.“

„Ich will weder von Russland noch von China oder den USA abhängig sein.“

Bildquelle:

  • Joana_Cotar_AfD: joana cotar
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