Kann Liz Truss die Reinkarnation von Maggie Thatcher werden?

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Liebe Leserinnen und Leser,

gestern hat bei den britischen Konservativen die entscheidende Abstimmung über die Nachfolge des Parteivorsitzenden und Premierminsters Boris Johnson begonnen. Zur Wahl stehen jetzt noch die Außenministerin Liz Truss und Ex-Finanzminister Rishi Sunak.

Sunak liegt in allen Umfragen deutlich zurück und verspricht der konservativen Basis «radikale» Steuersenkungen, um die Bürger für «harte Arbeit» zu belohnen und Wachstum zu fördern. Truss will ebenfalls die Steuern senken, aber im Gegensatz zu Sunak will sie dabei deutlich schneller vorgehen.

Die britischen Konservativen waren stets ein Leuchtturm für die Konservativen in Europa, früher durch die „Eiserne Lady“ Margret Thatcher, für mich persönlich eine der politischen Helden meines Lebens als homo politicus. Wie sie die ausufernde Macht der Gewerkschaften gebrochen und dem freien Unternehmertum wieder Bahn gebrochen hat, das nötigt mir bis heute größten Respekt ab. Ihr enges Bündnis mit Ronald Reagan ebenso.

Und als Argentinien glaubte, man könne mal eben den Union Jack auf den britischen Falkland-Inseln einholen und die eigene Fahne hissen, da hatten sie nicht mit dieser ungewöhnlichen Regierungschefin gerechnet, die eine Flotte mit Kriegsschiffen und 30.000 Soldaten den langen Weg über den Ozean schickte, um den Union Jack erneut zu hissen. Bedeutungsverlust des Commonwealth hin oder her, die ganze Welt konnte sehen, dass mit Großbritannien immer zu rechnen ist.

Die EU weiß das inzwischen auch, denn als eine Volksabstimmung den Austritt aus der EU einleitete, waren wieder alle baff über die Brits. Die machen das wirklich, wenn es ihren eigenen Interessen zu dienen scheint. Und die ziehen das durch, auch Boris Johnson redete in Brüssel Klartext, als es um die Bedingungen und die Folgen des Austritts ging.

Großbritannien und Johnson persönlich und auch Liz Truss haben auch eine unmissverständliche Haltung zu diesem real existierenden Putin-Russland. Kein Wunder, denn sie mussten ihre Lektion auch lernen, nachdem russische Agenten immer wieder Mordanschläge in England gegen russische „Überläufer“ begingen, manchmal „erfolgreich“ wie bei Litwinenko (Polonium), manchmal überlebten auch Opfer wie Skripal und seiner Tochter (Nowitschok). Aber die Briten haben schnell begriffen, dass sie mit Putin keine zivilisierten Staatsmann, sondern einen skrupellosen Diktator vor sich haben.

Und so waren auch die Briten die ersten Europäer, die zusammen mit den USA bereits 2014 nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch Russland begonnen haben, die Ukraine militärisch zu strukturieren und die Armee schlagkräftig zu machen. Mit Erfolg, wie wir jetzt alle sehen.

Ich muss auch gestehen, ich bin ein echter Fan der britischen Lebensart. Ich verehre Her Majesty, The Queen. Ich liebe Rituale wie den Afternoon-Tea mit Scones, Clotted Cream und Erdbeermarmalade. Auch Wodka Martini, geschüttelt, nicht gerührt. Ich könnte beim Breakfast in Baked Beans baden und ich liebe die Pub-Kultur und das Theaterviertel im West End rund um den Leicester Square. Fünfmal habe ich die „Buddy Holly Story“ im Victoria Palace Theatre live gesehen. Ach, gesehen? Was rede ich, abgefeiert.

Und auch den ersten Darsteller, Paul Hipp, habe ich live erlebt, für mich die echte Reinkarnation von Buddy Holly. Hipp spielte diese den Buddy auch später am Broadway in New York. Famos, dieser Mann. Der Musical-Manager, mit dem ich später in London mal zu einem Tee im Victoria Palace Theatre zusammensaß, erzählte mir, dass Hipp jeden Abend 8000 britische Pfund an Gage kassiert habe. Und – so die Legende – er hat später all sein Geld verprasst (sprich: versof…). Verliebt war ich damals auch mal, kommt ja vor über die Jahrzehnte. Und mit einer meiner drei großen Lieben war ich im Ronnie Scott’s, dem angesagtesten Jazzclub Londons, ich glaube das ist er sogar heute noch. Ich höre jetzt auf zu schwärmen, aber ich mag die Engländer wirklich sehr. Merken Sie vielleicht…

Doch zurück zu den Tories. Würde ich in Großbritannien leben, dann würde ich in ein Wettbüro gehen – die Englänger lieben Wetten – und zehn Pfund auf Liz Truss setzen. Weil sie ein starkes Mädchen ist (nachher schreiben mir wieder einige, dass sie bei einer Pressekonferenz mal Unfug geredet hat. Aber, Leute: Welcher Politiker macht das nicht?), einen klaren Kurs verfolgt, zu Boris Johnson loyal gestanden hat, bis es nicht mehr zu vertreten war. Loyalität ist das Wichtigste überhaupt, finde ich. Aber das ist ein Thema für ein anderes Mal.

Und ein klein bisschen hoffe ich, dass Truss sowas wie die Inkarnation von Margret Thatcher wird. So wie auch Paul Hipp die von Buddy Holly war…

Mit herzlichen, konservativen Grüßen!

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.