„Klaus, das ist ein ganz anderer Sport…“

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Liebe Leserinnen und Leser,

ich bin froh, dass es mit dem Profi-Fußball wieder begonnen hat. Und während ich diesen Satz schreibe, weiß ich schon, dass ich mir damit direkt den nächsten Ärger einhandle. Denn es wird gerade jeden Tag Fußball gespielt, bei der Frauen-Fußball-Europameisterschaft in England. Und die deutsche Frauschaft schlägt sich da richtig gut, gegen Finnland geht es jetzt noch, und dann Viertelfinale gegen Österreich. Und ich wünsche unseren Damen (darf ich das so schreiben?) allen Erfolg, den Titelgewinn, die Weltmeisterschaft danach gleich auch noch, und wenn Elon Musk den Mars wirklich besiedelt, dann hoffe ich, dass die deutschen Fußball-Frauen um den Galaxis-Pokal vorne mitspielen. Ganz ernsthaft. Aber persönlich gucke ich es nicht. Es interessiert mich einfach nicht. Und ich bin damit nicht allein.

Bei Spielen der Frauen-Bundesliga kommen im Schnitt 800 Zuschauer, bei den Männern sind es jedes Wochenende Zehntausende pro Spiel. Das müssen doch auch die Genderistas irgendwann mal zur Kenntnis nehmen. Als Frauenfußball aufkam vor, was weiß ich, 30 Jahren, hatte ich ein Expertengespräch mit meinem Kölner Buddy „Kricke“. Es war unser monatlicher Stammtisch der „Rheinland Arminen“ im „Low Budget“ an der Aachener Straße in Köln. Wir tranken Bier aus Flaschen, fachsimpelten über unsere Helden am Teutoburger Wald und gingen dann – wie jedesmal – irgendwann zu Tequila aus dem Holzfass über.  Drei davon, und wir überschritten die 1,5-Promille-Grenze. Da kam das Thema irgendwie auf Frauenfußball, und die Stimmung am langen Holztisch bei düsterer Rockmusik wurde irgendwie…sanfter.

Kricke beugte sich zu mir rüber und griff mit seiner linke Hand nach meinem rechten Arm und sagt mit todernster Miene: „Klaus, das ist ein ganz anderer Sport…“ Wir haben später oft über diese Unterhaltung gelacht, aber im Grunde drückt es aus, was zumindest wir fußballbekloppten Männer denken bei vollster Hochachtung vor der Athletik und Anmut der Frauen-Kickerinnen (so richtig?). Die Frauen spielen guten Fußball, schießen tolle Tore, kämpfen, schwitzen…ich habe alle Hochachtung vor dem Können dieser großartigen Sportlerinnen, und das ist kein Macho-Gehabe oder eine Geringschätzung von Frauen. Ich empfinde es als „einen anderen Sport“. Ich gönne es jedem, das zu spielen oder zu gucken, aber es ist nicht meins.

Für mich ist Fußball etwas zutiefst archaisches, das Spiel, der Kampf, die „Blutgrätsche“, die Kraft, das bisweilen Wilde…das ist der Sport, zu dem ich gehe, um zuzuschauen. Seit 45 Jahren, so oft ich kann, mit unseren Kindern mit guten Freunden. Bei mir/uns kommt hinzu, dass unser Club eine „graue Maus“ ist, ein ewiger Underdog, ein Grenzgänger zwischen den Ligen, aber genauso wie Layla…geiler als viele andere Clubs. Wir werden nie Deutscher Meister, Pokalsieger…vielleicht alle 200 Jahre. Aber das ist völlig egal. Es ist der Kampf bis zur letzten Sekunde, was zählt. Der Wille. Nicht das Ergebnis oder der Tabellenplatz. Es ist das Ritual, dieser Kriegsersatz ohne Gewalt. „Eine Frau wird niemals den Stadionbesuch so fühlen wie ein Mann“, hat Eva Hermann mal geschrieben, und sie hat recht. Wie 2015, als der Drittligist damals bis ins DFB-Pokal-Halbfinale durchmarschierte (schon wieder so ein Wort). Gegen Wolfsburg hatten wir keine Chance, 0:4 hieß es am Schluss, und im ausverkauften Stadion feierten den Fans, als gäbe es keinen Morgen. Der Kampf, alles geben – das zählt. Nur das zählt.

Kaiserslautern hat gestern im ersten Spiel der neuen Zweitligasaison gegen den Aufstiegsfavoriten Hannover 96 gewonnen. Das lese ich, das interessiert mich, weil meine Arminia am Ende der Saison vor Hannover stehen soll, wenn es nach mir geht. Deutschland gegen Finnland bei der Frauen-EM – seien Sie mir nicht böse…

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.