MARINE LE PEN nach ihrer Niederlage: Es ist noch nicht vorbei

Die Spitzenkandidatin des Front National, Marine Le Pen. Foto: Kay Nietfeld/Archiv
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von CHRISTIAN BÖHMER

Paris – Den ganz großen Sprung hat sie nicht geschafft. An Marine Le Pen führt zwar in der französischen Politik kein Weg mehr vorbei. Doch die Rechtspopulistin, die sich im Endduell der Präsidentenwahl in Reichweite der Macht sah, muss sich geschlagen geben.

Ihr europafreundlicher Konkurrent Emmanuel Macron, den sie als einen kalten Bankier hingestellt hatte, wird in den Élyséepalast einziehen.

Die 48-Jährige modernisierte den Auftritt ihrer Front National (FN) und hat einen ungewöhnlichen Aufstieg hinter sich. Bei den Regionalwahlen 2015 schnitt die FN mit 27,7 Prozent als national stärkste Partei ab. Dann kamen Donald Trump in den USA und der Brexit in Großbritannien, und die erklärte Europafeindin und «Kandidatin des Volkes» sah sich im Aufwind.

Trotz aller Anpassung bleibt die Tochter von Parteigründer Jean-Marie Le Pen in den Augen vieler Bürger radikal, setzt auf Abschottung und die Wiederkehr der Nation – inklusive eigener Franc-Währung. Sie spielt virtous mit den Ängsten enttäuschter Menschen. Ihre Rezepte scheinen einfach, zumindest auf den ersten Blick. So will sie im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus Ausländer, die als potenzielle Gefährder eingestuft werden, sofort ausweisen. Viele Anhänger leben in verarmten früheren Industrieregionen des Nordens oder an der Mittelmeerküste.

Marine Le Pen kam 1968 als jüngste Tochter Jean-Marie Le Pens zur Welt. Im Alter von acht Jahren wurde sie von einer Bombenexplosion aus dem Schlaf gerissen – ein Anschlag auf ihren Vater. Die Trennung ihrer Eltern wurde zur Seifenoper, als die Mutter im «Playboy» posierte.

Le Pen studierte Jura und arbeitete erst als Rechtsanwältin, dann führte sie die Rechtsabteilung der Front National. Sie hat drei Kinder. Ihre zwei Ehen gingen auseinander, heute ist sie mit dem FN-Europaabgeordneten Louis Aliot liiert.

Le Pens Lächeln sollte nicht täuschen, denn sie ist knallhart, auch in der eigenen Familie. So ließ sie ihren Vater aus der FN ausschließen, nachdem er die Gaskammern der Nazis erneut als «Detail» der Geschichte bezeichnet hatte.

Bildquelle:

  • Marine Le Pen: dpa
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