„Mehr Desinteresse geht nicht“ – Bundeswehr musste Scanner leihen in Afghanistan

Bundeswehr auf Patrouille in Kabul.
Anzeige

BERLIN – Die Datenpanne der Bundeswehr in Afghanistan ist offensichtlich auf mangelndes Interesse der Bundesregierung zurückzuführen. Vor gut drei Wochen war bekannt geworden, dass Scanner mit biometrische Daten afghanischer Mitarbeiter der Bundeswehr im Einsatzland zurückblieben. In der vergangenen Woche hatte der Chaos Computer Club, der ein Teil dieser Geräte gekauft hatte, die Daten gehackt. Damit ist klar: Auch die Taliban könnten bereits Zugriff darauf haben. Ein großes Sicherheitsrisiko für die Betroffenen.

Möglich wurde dies dadurch, dass die Bundeswehr keine eigenen Scanner hatte, sondern fremde Geräte leihen musste. So ging nach der Rückgabe jede Kontrolle darüber verloren. Ein unverzeihlicher Fehler, der seine Ursache wohl im jahrzehntelangen Kaputtsparen der Truppe hat.

Eine parlamentarische Anfrage der fraktionslosen Bundestagsabgeordneten Joana Cotar fördert nun das ganze Ausmaß der Verfehlungen zu Tage. Denn der Bundesregierung war offensichtlich völlig egal, was mit den Leihgeräten nach dem Abzug passierte. Wörtlich heißt es in der Stellungnahme: „Über den Verbleib der durch die Bundeswehr genutzten Geräte liegen dem Bundesministerium der Verteidigung keine Informationen vor.“

Joana Cotar ist entsetzt: „Mehr Desinteresse geht nicht.“, sagte sie auf Nachfrage von TheGermanz. Die Verantwortung sieht die Abgeordnete alleine bei der Regierung: „Wenn die Truppe sich ihre Einsatzausrüstung vor Ort zusammenleihen muss, sind solche Pannen vorprogrammiert. Müssen jetzt Afghanen sterben, weil sie von den Taliban als unsere Verbündeten identifiziert werden, trägt unsere Regierung dafür die Verantwortung.“

Bildquelle:

  • Bundeswehr_Afghanistan_10: bundeswehr
Anzeige

Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende

Jetzt spenden (per PayPal)

Jetzt abonnieren

Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.