Menschen drängen sich dicht an dicht am Flughafen Kabul: Und die Bundeswehr zieht ab

HANDOUT - Ein Evakuierungsflugzeug der Bundeswehr aus Kabul erreicht den Flughafen im usbekischen Taschkent. Foto: Marc Tessensohn/Bundeswehr/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits
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BERLIN – Die militärische Evakuierungsmission für Deutsche und einheimische Mitarbeiter aus Afghanistan steuert auf ein Ende zu. Die Bundeswehr will am Donnerstag nochmals mit vier Flugzeugen Menschen aus Kabul ausfliegen.

Einer der Flüge ist inzwischen gestartet. Das Einsatzführungskommando meldete auf Twitter, dass ein Militärtransporter vom Typ A400M mit mehr als 150 Schutzsuchenden an Bord um 9.42 Uhr deutscher Zeit in Richtung Taschkent gestartet ist. Dort befindet sich das Drehkreuz der Bundeswehr, von dem aus es weiter nach Deutschland geht.

Bis Freitag sollen auch militärische Kräfte ganz weitgehend aus Kabul abgezogen sein. Die aus mehreren Nationen stammenden Soldaten am Flughafen sind bei ihren Evakuierungsaktionen auf den Schutz durch US-Truppen angewiesen. US-Präsident Joe Biden hatte erklärt, dass er an dem Plan festhalte, die amerikanischen Truppen bis zum 31. August aus Kabul abzuziehen.

Trotz Terrordrohungen ist an einem Eingang zum Flughafen Kabul die Zahl der dort versammelten Menschen erneut gestiegen, wie ein Augenzeuge berichtete. Er befinde sich den dritten Tag nun bereits bei einem Tor am östlichen Teil des Flughafens, aber so viele Menschen habe er an keinem Tag davor gesehen. Die Menschen stünden «so eng aneinander wie Ziegel einer Mauer». Man könne keinen Meter weit kommen. Er sei rund 200 Meter vom Eingang entfernt, und es würde das Leben seines Kindes oder seiner Frau kosten, wenn er versuchte, diese 200 Meter zu überwinden.

In einem von dem Augenzeugen übermittelten Video sieht man Menschen mit Dokumenten in der Hand winken. Sie rufen «Help me!» – helfen Sie mir – und stehen Schulter an Schulter in der prallen Sonne. In der Menge sind auch Kinder und Frauen, man hört auch Babys weinen.

Am Vorabend hatte die Bundeswehr mit dem letzten von mehreren Flügen am Mittwoch 167 Menschen aus der afghanischen Hauptstadt ausgeflogen. «Insgesamt 5193 Personen konnten seit Beginn der Evakuierungsmission durch die Bundeswehr in Sicherheit gebracht werden – allein gestern waren es 539 zu Schützende», schrieb das Verteidigungsministerium am Donnerstag auf Twitter. «Wir evakuieren bis zur letzten Sekunde.»

Die britische Regierung hält einen Terroranschlag am Flughafen in Kabul binnen Stunden für möglich. Auf die Frage des Senders Sky News, ob sich ein Anschlag innerhalb der nächsten Stunden ereignen könne, sagte Verteidigungsstaatssekretär James Heappey am Donnerstagmorgen ausdrücklich «Ja». Im Laufe der Woche seien sich die Geheimdienste immer sicherer darüber geworden, dass ein «ernsthafter, unmittelbarer, tödlicher Angriff» auf den Flughafen oder die von westlichen Truppen genutzten Zentren drohe.

Vor eineinhalb Wochen hatten die militant-islamistischen Taliban die afghanische Hauptstadt erobert und wieder die Macht übernommen. Zehntausende versuchen seitdem verzweifelt, außer Landes zu kommen.

Bildquelle:

  • Evakuierungen aus Afghanistan: dpa
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