MÜNCHEN – Der frühere Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) ist entsetzt über das Ausmaß der Wahlniederlage seiner Partei in der bayerischen Landeshauptstadt. Die hat seit 1946 fast durchgehend die Metropole regiert und in den 60er-Jahren bei OB-Wahlen fast 80 Prozent der Stimmen eingesammelt.
Die bayerischen SPD-Genossen hätten über Jahrzehnte alle Warnzeichen ignoriert, auch als die Partei bei Wahlen von Platz 2 auf Platz 5 fiel, sogar hinter die rechte AfD. Ude: „Das wurde einfach ignoriert.“ Man habe danach nicht einmal versucht, Wähler zurückzugewinnen, mit ihnen wieder ins Gespräch zu kommen oder wenigstens Verständnis für ihre Themen zu entwickeln.
„Die SPD ist, auch in München, eine politisch entleerte Partei geworden“, so Ude weiter. Er sei damals zu Beginn seiner Wahlkämpfe in große Unternehmen gegangen und habe das Gespräch mit Betriebsräten gesucht. Und weiter: „Die klassische Wählerschaft kam immer als Erstes. Das ist völlig abgeschafft worden.“
Münchens noch amtierender Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) ist nach seiner überraschend deutlichen Wahlniederlage „bis auf Weiteres“ krankgeschrieben. Der neue Mann an der Stadtspitze, der Grüne Dominik Krause, hat deshalb statt wie geplant am 11. Mai die Amtsgeschäfte bereits jetzt aufgenommen.
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