Nächster Skandal in der katholischen Kirche: Warum ist Frau Stetter-Karp immer noch Vorsitzende des ZdK?

Dr. Irme Stetter-Karp, Vorsitzende des ZdK.
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von KLAUS KELLE

BONN – Kennen Sie das Gefühl „Bis hierher und nicht weiter“? Und haben Sie das selbst schon oft gehabt? Ich muss das für mich bejahen, immer wieder postuliert man bei politischen, gesellschaftlichen oder kirchlichen Themen Rote Linien, die dann irgendwann von irgendwem überschritten werden, und trotz aller Verärgerung arrangiert man sich dann trotzdem meistens irgendwie, weil es ja noch so viele andere Gemeinsamkeiten gibt, die es zu bewahren gilt.

Dieses Mal ist das nicht mehr möglich. Die Aussagen der sogenannten Vorsitzenden des Zentralrats der deutschen Katholiken (ZdK), eine Soziologin namens Irme Stetter-Karp, zu Abtreibung sind so ungeheuerlich, dass es dieses Mal nicht ohne Folgen bleiben darf. Stetter-Karp hatte in einem Namensbeitrag für die Beilage „Christ und Welt“ der Wochenzeitung „Die Zeit“ gefordert, es müsse sichergestellt werden, „dass der medizinische Eingriff eines Schwangerschaftsabbruchs flächenddeckend ermöglicht wird.“ Also nochmal in meinen Worten: eine Funktionärin, die vorgibt für katholische Gläubige zu sprechen, fordert, dass das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten“ in „Wir müssen organisierten, dass die massenhafte Tötung ungeborenen Lebens besser klappt“ geändert wird. Das ist, als wenn die FDP den Kommunismus einführen will, oder Schalker unterstützen, dass Dortmund gewinnt. Oder die Ukraine Wladimir Putin für den Friedensnobelpreis vorschlägt.  Das ist völlig absurd.

Bitte, ich will hier nicht die Diskussion über Abtreibung neu anheizen. Ich weiß, dass Katholiken wie ich damit eine deutliche Minderheit in unserer Gesellschaft darstellen.

Mir geht es darum, dass die Vorsitzende des ZdK den Ausbau der Möglichkeiten, abzutreiben, ausbauen lassen will. Wenn Pro Familia das fordert oder die Grüne Jugend, dann ist das erwartbar. Wenn Frau Stetter-Karp das fordert, dann ist diese Heuchelei nicht mehr zu ertragen. Und es muss gravierende Konsequenzen haben, wenn man es mit dem christlichen Glauben noch ernst nimmt in der katholischen Kirche.

Inzwischen hat sich die katholische Initiative Maria 1.0 mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt: Dass sich „eine der obersten Vertreterinnen des Funktionärskatholizismus bei dem sensiblen und wichtigen Thema ‚Lebensschutz‘ so explizit gegen die offizielle Lehre der katholischen Kirche stellt, erschreckt“, heißt es in einer am Montag in Eichstätt veröffentlichten Stellungnahme.

Der Rottenburger Weihbischof Thomas Maria Renz nahm deutlich Stellung, ohne die ZDK-Chefin mit Namen zu nennen, und schrieb auf dem Online-Portal „kath.net“, es könne nicht katholisch sein, „wer sich nicht klar und eindeutig zum uneingeschränkten Recht auf Leben von Anfang an bekennt!“. Wer katholisch sein und bleiben wolle, werde ein flächendeckendes Angebot von vielfältigen Hilfen für Schwangere in Konfliktsituationen fordern, „nicht aber ein flächendeckendes Angebot an Möglichkeiten, sich des eigenen Nachwuchses zu entledigen“.

Im Internet läuft inzwischen eine Online-Petition hier , der sich heute bereits mehrere Tausend Katholiken angeschlossen haben.

Das ZdK ist eine Laienorganisation, aber wenn sich der deutsche Klerus in dieser Frage nicht deutlich zu Wort meldet, und wenn auch die anderen ZdK-Mitglieder nicht dafür sorgen, dass diese Frau sofort von dem Führungsposten entfernt wird, dann brauchen wir über die deutsche katholische Kirche nicht mehr sprechen. Dann einfach den Laden zumachen!

 

 

Bildquelle:

  • Irme_Stetter_Karp_ZdK: zdk
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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.