Neues aus dem Selbstbedienungsladen Staatsfunk

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Liebe Leserinnen und Leser,

der öffentlich-rechtliche Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) kommt nicht zur Ruhe. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin, ohnehin schon mit der Affäre um die frühere Intendantin Patricia Schlesinger beschäftigt, hat ihre Ermittlungen nun gegen zwei weitere Führungskräfte der Anstalt ausgeweitet. Es geht dabei um den Verdacht der Untreue und Beihilfe zur Untreue mit Blick auf die Einführung eines hauseigenen Vergütungssystems und Gehaltfortzahlungen an Mitarbeiter, die keine Beschäftigung mehr ausüben.

Gegen die fristlos entlassene Intendantin Patricia Schlesinger, ihren Ehemann und ehemaligen «Spiegel»-Journalisten Gerhard Spörl und den zurückgetretenen Senderchefkontrolleur Wolf-Dieter Wolf wird wegen des Verdachts der Untreue und Vorteilsannahme ermittelt.

Die Affäre war durch Recherchen anderer Medien zu Vorwürfen der Vetternwirtschaft und des Filzes ins Rollen gekommen. Es geht etwa um umstrittene Beraterverträge für ein inzwischen auf Eis gelegtes Bauprojekt des öffentlich-rechtlichen Senders, nicht offen gelegte Bonuszahlungen für Führungskräfte, eine kräftige Gehaltserhöhung für Schlesinger, die Abrechnung von Essen mit geladenen Gästen in ihrer Privatwohnung auf RBB-Kosten, umstrittene Reisen sowie Coaching-Aufträge für Schlesingers Ehemann bei der landeseigenen Messe Berlin. Wolf war dort auch in Personalunion ebenfalls Chefkontrolleur.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Regen Sie sich über all diese Vorwürfe noch auf? Oder wissen Sie seit Jahren, dass es sich bei den zwangsgebührenfinanzierten Sendeanstalten um ausgemachte Selbstbedienungsläden handelt? Da wird Geld aus dem Fenster geschmissen, das es nur so kracht. Da werden Reisen finanziert wie die damals zur Wahl des IOC-Präsidenten Thomas Bach in Buenos Aires. 34 ARD-Journalisten machten sich damals auf die lange Reise, darunter die Sportchefs zweier Landesanstalten, um zu berichten: Ja, er ist es, und ihn fürs Morgenmagazin zu fragen: „Was haben Sie jetzt vor?“

Niemand greift bei sowas ein, auch nicht, wenn ARD und ZDF stundenlang die Hochzeit von Prinz William und seiner Kate parallel mit den gleichen Bildern in unsere Wohnzimmer transportiert. Parallel mit allen Mitarbeitern und der Technuk, den Reisekosten und den Hotelübernachtungen. Niemand fragt, ob es nicht auch reichen würde, wenn nur einer der Grundversorger das überträgt. Geld für sowas ist ja reichlich da – Ihr Geld.

Nein, ich bin inzwischen nicht mehr für eine Reform des Staatsfunks. ich bin dafür, konsequent abzuschalten. Den „Tatort“ und Fußball würden ProSieben und RTL mit Kusshand übernehmen.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.