Nix Genaues weiß man nicht: In welche Richtung steuert Trump die Vereinigten Staaten?

von KLAUS KELLE

Um sicherzustellen, dass unsere Welt nicht aus den Fugen gerät, sind die Atommächte gefragt, insbesondere die großen Drei. Sie müssen dafür Sorgen, dass es auch weiterhin eine Balance gibt. Unberechenbare Staatenführer, wie Kims Regime in Nordkorea, muss man ernst nehmen, aber auch nicht allzu sehr fürchten. Eine Mehrzahl ihrer Trägerraketen endeten im offenen Meer. Ob der Gulag-Staat überhaupt tatsächlich Atomwaffen besitzt, ist unter den Analysten durchaus umstritten. Schlechtestenfalls dürften es zwei oder drei sein. Kein Potential, um Japan, Europa oder die Vereinigten Staaten zu bedrohen. Dennoch problematisch, dass sich die Weltgemeinschaft und die Atommächte nicht einmal darauf einigen können, dass man diesen offenbar außer Kontrolle geratenen Emporkömmling nicht stoppt, so lange das noch möglich wäre. China könnte dabei die entscheidende Rolle spielen – tut es aber aus strategischen Gründen nicht.

Putins Russland, das intensiv versucht, wieder an den Tisch der Großen zu kommen und alte Großmachtsträume wiederzubeleben, geht geschickt und weniger mit militärischer Kraft vor als mit Propaganda und Desinformation. Die offizielen russischen Lautsprecher-„Medien“ im Westen, die inoffiziellen von Russland finanzierten Nischen-Medien auch in Deutschland, die clever arrangierten Einladungen von Perspektiv-Kandidaten rechter und konservativer Parteien und Organisationen, zeigen spürbar Wirkung. Da gibt es nicht wenige frühere Mitläufer des SED-Unrechtsstaates, die nun wieder Morgenluft wittern, dass der Verlauf der Geschichte doch noch eine überraschende Wendung erfährt. Und rechts oder links, ist ja auch eigentlich egal. Es halten ja auch nicht wenige Leute den Front National in Frankreich für eine rechte Partei. Ein Blick ins Programm würde genügen, um zu erkennen, dass es sich da eher um eine sozialistische Partei handelt, die etwas gegen den Islam und Zuwanderung hat.

Letztlich hängt alles wieder an den USA und dem großen Unbekannten im globalen Spiel: Donald Trump, von Beruf designierter Präsident der Vereinigten Staaten, der – obwohl noch gar nicht im Amt, seine Pflöcke einschlägt. Der China ungerührt die kalte Schulter zeigt, und den alten Verbündeten Taiwan schon vor seiner Amtszeit deutlich aufwertet. Und der gleichzeitig Liebesgrüße nach Moskau schickt. Da werden neben verbalen Huldigungen des Präsidenten Putin auch Russland-freundliche Manager wie jetzt Rex Tillerson als möglicher Außenminister benannt. Tillerson, Chef des Öl- und Gaskonzerns Exxon, der seit Jahrzehnten Geschäfte mit Putin macht und vom Kreml sogar einen Orden verliehen bekommen hat. Ein Putin-Buddy als neuer US-Außenminister? Das erscheint atemberaubend. Da wird der Geheimdienst CIA in beispielloser Art und Weise öffentlich per Fernseh-Interview als unfähig abgekanzelt („„Dies sind dieselben Leute, die gesagt haben, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen hatte.“) Vielleicht aber auch nur, weil dort heute noch die Obama-Leute das Sagen haben? Möglich…

In welche Richtung wird die Außenpolitik des mächtigsten Landes der Welt steuern? Niemand kann es sicher voraussagen. Es gibt nicht wenige Republikaner, sie stellen ja in beiden Häusern die Mehrheit, die sich Sorgen über den zukünftigen Kurs ihres Landes machen. Senator John McCain, zweifellos einer der einflussreichsten Republikaner in Washington, nannte Russlands Präsidenten gestern im Fernsehen einen „KGB-Agenten, Gängster und Mörder“ und außerdem einen Lügner. Harmonie sieht anders aus.

 

 

Bildquelle:

  • Donald_Trump_1: national review

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.