„REWILDING EUROPE“: Die Natur wiederherstellen? Oder unser schlechtes Gewissen zu Geld machen?

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von MARTIN D. WIND

Viermal die Gesamtfläche des Saarlandes – eine Million Hektar Kulturlandschaft – will die holländische Initiative „Rewilding Europe“ dem europäischen Menschen und seinem kultivierenden Einfluss alleine bis 2022 entzogen haben. Dann sollen die ambitionierten Ziele neue definiert, ausgeweitet und fortgeschrieben werden. Man will diese Flächen in Europa „wilder“ werden lassen, Wisente aussetzen, Elche ansiedeln, Wasserbüffel einsetzen, Pferde loslassen, verwilderte Rinder, Bären und Luchse aussetzen und Wölfe sollen durch diese „Wildnis“ streifen, um „Natur wieder herstellen“.

Es hört sich gut an: Natur „wiederherstellen“. So laufen unter diesem Motto derzeit viele Kampagnen – mal offen, mal mehr oder weniger verdeckt – einiger NGOs in Deutschland und Europa, die irgendwas mit „Natur“-, „Umwelt“-, mit „-schutz“ oder auch „-hilfe“ verheißen. Und wer will schon der „Natur“, der Umwelt nicht „helfen“?

Wer hat nicht schonmal freudig mitgeholfen „Natur“ zu schützen, ist mit dem Abfallgreifer mit der SPD-Ortsgruppe die Straße entlanggelaufen und hat Zivilisationsmüll weggeräumt, den Mitmenschen aus dem Autofenster geworfen hatten? Wer hat noch nicht – oder kennt zumindest jemanden, der hat – bei der BUND-Ortsgruppe mitgeholfen, Kröten über die Straße zu tragen? Das kennt man aus den späten 70er und 80er Jahren. Da war Naturschutz „neu“, wurde definiert, bewusst vorangetrieben, er war spannend und eine Frage ehrenamtlichen und bürgerlichen Engagements. Das alles hatte seine Berechtigung zu seiner Zeit.

Doch leider gibt es auch Schattenseiten solcher Graswurzelbewegungen. Sie verfestigen sich, sie werden zunehmend strukturiert, ideologisiert und professionalisieren sich. Am Ende steht dann anstelle des zauselbärtigen Biolehrers, der uns flehentlich um Hilfe für seine Kröten bat, ein smarter Anzugträger, eine kostümbewehrte Geschäftsführerin oder gar ein hauptamtlicher Präsident einer NGO. Sie bedienen gut geschult die Trigger schlechten Gewissens, um „die Menschen“ mit den „hehren Zielen“ ihrer Unternehmen zu gewinnen. Das geschieht in einer globalisierten Welt keineswegs mehr auf Orts-, Länder- oder Staatsebene. Nein! Da wird ganz groß am Rad gedreht, und „Europa“ wird ins Spiel gebracht.

Das Dach-Projekt „Rewilding Europe“ wurde bereits 2011 unter anderem vom WWF-Niederlande mit aus der Taufe gehoben wurde. „Wiederherstellung der Natur“ sei das erklärte Ziel, postuliert man auf der Homepage im Internet. Die Seite wirkt verführerisch, die Ziele kann beinahe jeder Mensch mittragen, der es gut meint: „Rewilding schafft inspirierende, starke Visionen für eine bessere Zukunft für Mensch und Natur“ heißt es da. Und weiter: „Der Rewilding-Gedanke vermittelt nicht nur die Vision einer reicheren, lebendigen Zukunft, sondern fördert auch praktisches Handeln und Zusammenarbeit im Hier und Jetzt.“

Dann wird es mystischer, beinahe religiös anmutend: „Rewilding kann durch die Wiederherstellung natürlicher Prozesse unsere Landschaften und Meereslandschaften dynamisch gestalten. Dies erlaubt uns in Zukunft weniger in die Natur einzugreifen.“ Man will demnach mit Menschenhand eine Schöpfung vornehmen, die man als „Natur“ definiert? Welche Natur ist da gemeint? Die vor 100, vor 300 oder vor 2000 Jahren? Skepsis wird durch Erfahrungen verstärkt, die man in Deutschland mit „Naturschutzmaßnahmen“ machen musste, die von NGOs „betreut“ wurden.

Der NABU zum Beispiel erhielt viel Geld der öffentlichen Hand, um ähnliche Projekte aufzuziehen. Resultat unter anderem: verhungerte Konic-Pferde, verödete Habitate, ertrunkene Wasserbüffel, nicht geschützte, seltene Schafsrassen, die von den hochwillkommenen und für den NABU spendengenerierenden Wölfen angegriffen, verstümmelt, verletzt und getötet wurden, oder auch verhungerte Heckrinder. Abgesehen davon, dass die Vernachlässigung der Tiere einem anständigen Menschen die Zornesröte ins Gesicht treiben könnte: Was haben asiatische Wasserbüffel in Europa in einem „Naturresservat“ zu suchen? Oder was bitte soll an Heckrindern „Natur“ sein? Warum sollte man diese „Nachzuchten“, die vermeintlich den ausgestorbenen Auerochsen gleichen sollen, in die Natur entlassen?

Nichts destotrotz: Selbstverständlich hat „Rewilding Europe“ auch seriöse Unterstützer und Partner an Land gezogen: WWF, BUND, Deutsche Umwelthilfe (DUH) … DUH? Die Deutsche Umwelthilfe, die als Abmahnverein auffiel und deutsche Kommunen per Gerichtsentscheide zu – wie sich heute mehr und mehr herausstellt – sinnlosen Geschwindigkeitsbeschränkungen und Fahrverboten zwang? Hier beginnt es massiv „nach Geld“ zu riechen. Und wenn man einer Sache auf den Grund gehen will, dann ist es in der Politik, in der Wirtschaft und bei NGOs immer sehr sinnvoll, der „Spur des Geldes“ zu folgen.

Dann wird schnell deutlich, dass „Naturschutz“, den man früher ehrenamtlich gemacht hat, inzwischen für NGO-Funktionäre zur lukrativen Einkommensquelle geworden ist. Diese sprudelt auf vier Arten: Marginal sind da die Mitgliedsbeiträge, interessanter werden schon Spendenaufrufe oder verkaufte „Patenschaften“ für Wildtiere und ganz oben, so kann man leicht vermuten, stehen Zuwendungen aus der Europäischen Union und aus dem Bundeshaushalt, den Ministerien, den Bundesländern, den Regionen, Landkreisen, und Kommunen. „Naturschutz“ ist zum kalten Geschäftsmodell pervertiert. Die EU hat eigens die „Bank on Nature Initiative“ gegründet, die Geld umstandslos in solche „Naturschutzprojekte“ pumpt.

Genau diese Geldzuwendungen der EU oder auch aus deutschem Steueraufkommen, befähigen die NGOs darüber hinaus, sich am „Landgrabbing“ zu beteiligen. Landgrabbing ist eine üble Art finanzstarker Spekulanten, die sich landwirtschaftliche Nutzflächen unter den Nagel reißen und sie entweder marginal bewirtschaften, um weiterhin europäische und staatliche Direktzahlungen und Subventionen zu ergattern, oder die Flächen „stilllegen“ und so die Stilllegungsprämien kassieren. Landwirte, die in Deutschland bereits ums wirtschaftliche Überleben kämpfen, haben kaum die Möglichkeit, im Bieterwettstreit gegen dergestalt hochgerüstete Kriegskassen mithalten zu können. Auch das ist ein signifikanter Unterschied zwischen dem ehrenamtlichen Naturschutz von früher und den als „Naturschutz“ etikettierten, kommerziellen Umtrieben der NGOs: Die Natur, die Umwelt wird nicht mehr zum Wohle des Menschen geschützt, sondern gegen die vitalen Interessen der Menschen. Aber das ist ein Thema für einen eigenen Artikel.

Bildquelle:

  • Wildnis: pixabay
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