Russen-Zett wird verboten, Gendersterne dürfen weiter leuchten (bitte nicht nur den ersten Satz lesen!)

Russische Panzer mit dem Erkennungs-Zett.
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von THOMAS PAULWITZ

BERLIN – Nach reiflicher Überlegung ist die Entscheidung gefallen: „Die Online-Tageszeitung TheGermanZ beseitigt ihr oranges Z-Logo auf weißem Hintergrund aus den sozialen Medien, um nicht für einen Unterstützer des russischen Überfalls auf die Ukraine gehalten zu werden.“

Das meldete T-Online am 27. März – aber nur beinahe. Nur die Farben und der Unternehmensname waren anders. Tatsächlich war dort der Satz zu lesen: „Der Schweizer Versicherungskonzern Zurich beseitigt sein weißes Z-Logo auf blauem Hintergrund aus den sozialen Medien, um nicht für einen Unterstützer des russischen Überfalls auf die Ukraine gehalten zu werden.“

Die Schweizer Versicherung „Zurich“ ist nicht alleine in ihrer Furcht vor dem Z: Das Esslinger Backhaus Zoller ritzte seit vielen Jahren ein „Z“ in sein Brot „Goliath“ und legte es so in seine Auslage. Das ist nun vorbei: „Unseren Kund*innen und auch Passant*innen sollen bei uns keiner zweideutigen Symbolik und damit verbundenen negativen Assoziationen beim Brotkauf gegenüberstehen.“ Die negativen Assoziationen, welche die Mehrheit gegen Gendersterne hat, bleiben hingegen wie so oft unberücksichtigt.

Magisches Denken: Genderstern ja, Zett nein

Das bedeutet also politisch korrekt: „Z“ nein, Genderstern ja. Jahrelang konditionierten linke Ideologen die Bürger auf den Glauben, mit Sternchen, Doppelpunkten oder Unterstrichen könnte die Welt besser und „geschlechtergerecht“ werden. Dieses magische Denken hat seine Spuren hinterlassen: Wie das Kaninchen vor der Schlange starrt Deutschland auf Buchstaben und Sonderzeichen, als ob von ihnen wahlweise ein guter oder ein böser Zauber ausgehen könnte. So jagen griechische Buchstaben wie Delta und Omikron dem braven Bürger bereits eiskalte Schauer über den Rücken – der Namensgebung für Corona-Viren sei Dank. Nun wird auch dem „Z“ ein böser Zauber zugesprochen.

Welch eine Beachtung für den Buchstaben am Ende unseres Alphabets, dem eine solch magische Wirkung zugemessen wird, dass sogar große Konzerne vor ihm in die Knie gehen! Sollte tatsächlich ein Werbestratege dies als Kampagne entworfen haben, dann könnte sie nicht besser geplant worden sein. Alle sprechen über das Zett. Das liegt auch daran, dass alle rätseln, was eigentlich die Absicht hinter dem Symbol war. Es löst zahlreiche Gefühle aus, von Wut bis Angst auf der einen und von Mut bis Stolz auf der anderen Seite.

Unterschiedliche Interpretationen

So bleibt man zum einen im Gespräch, zum anderen ist es gelungen, ein einziges Zeichen mit einem komplexen Inhalt aufzuladen. Man sieht das Symbol, und jeder meint sofort zu wissen, was damit gemeint ist. Je nachdem, auf welcher Seite man im Krieg steht, unterscheidet sich freilich die Interpretation. Für die eine Seite symbolisiert das Zett Solidarität mit der russischen Armee und mit denjenigen Ost-Ukrainern, die zu Russland halten. Für die andere Seite steht das Zett für einen verbrecherischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Mehrere deutsche Bundesländer folgen der letztgenannten Auslegung. Der bayerische Justizminister Georg Eisenreich (CSU) stellte klar: „Wir akzeptieren nicht, wenn völkerrechtswidrige Verbrechen gebilligt werden.“ Das ist für ihn mit der Verwendung des „Z“ in bestimmten Zusammenhängen gegeben. Dabei geht es nicht um die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen nach Paragraph 86a des Strafgesetzbuches, sondern um Paragraph 140. Darin geht es um die öffentliche Billigung von Straftaten „in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören“.

Zahlreiche Z-Verbrechen in der Republik

Somit hat der Ukraine-Krieg Deutschland erreicht. In den vergangenen Tagen sind in Deutschland mehrere Fälle bekannt geworden, bei denen der Staat handelte:

+ In Schleswig wurde Strafanzeige gegen den Halter eines Fahrzeugs aus Pinneberg gestellt, in dessen Heckscheibe ein DIN-A4-Blatt mit einem „Z“ angebracht und das ausgerechnet auf dem Parkplatz des Oberlandesgerichts abgestellt war.
+ An der Gethsemanekirche in Würzburg hängt ein weißes Banner, das Schüler mit einer Friedenstaube bemalt haben. Es verdeckt ein „Z“, das Unbekannte an die Fassade der Kirche geschmiert hatten. In dem Stadtteil leben viele Russlanddeutsche. Die Polizei ermittelt gegen den Z-Zeichner.
+In der Innenstadt von Osterode im Harz beschmierten Unbekannte zwei Hausfassaden mit einem „Z“. Das Staatsschutzkommissariat der Polizeiinspektion Göttingen ermittelt.
+ Im Landkreis Schaumburg ermittelt die Polizei gegen eine russischstämmige Familie, weil auf deren Wagen ein „Z“ zusammen mit einer russischen Fahne prangte. Mutter und Sohn beleidigten die Beamten bei der „Sachverhaltsaufnahme“, berichtet die Polizei.
+ In Bremen wurde ein prorussischer Drohbrief mit dem Z-Symbol an eine Hilfsorganisation verschickt, die Kriegsflüchtlinge in der Ukraine unterstützt.

Bei Sachbeschädigungen und Beleidigungen dürfte es keine Diskussion geben. Welcher Auslegung die Gerichte jedoch hinsichtlich des Vorwurfs der Billigung einer Straftat folgen, bleibt abzuwarten. Bei vielen kam das so an, als ob wieder einmal ein neues Sprachtabu über das Land komme. Diesmal habe es eben den Buchstaben „Z“ getroffen.

Zwischenüberschrift
Inzwischen dürfte allgemein bekannt sein, wie der Rummel um das Zett entstanden ist: Zur besseren Unterscheidung im Ukraine-Krieg malten die Russen weiße V- und Z-Zeichen auf ihre Militärfahrzeuge. Eine solche Kennzeichnung hatte sich schon im Syrienkrieg bewährt. Schnell schossen Vermutungen ins Kraut, wofür das Z-Zeichen, das es im kyrillischen Alphabet gar nicht gibt, stehen könnte: für das russische Wort „Zapad“ (Westen) zum Beispiel, um die Hauptstoßrichtung der vorrückenden Truppen wiederzugeben. Die tatsächliche ursprüngliche Bedeutung liegt aber noch im dunkeln.

Letztlich bekam das Zett einen solch großen Wiedererkennungswert, dass viele Russen es dazu nutzten, sich mit der Kriegspolitik ihrer Regierung zu solidarisieren. Sie hefteten es an ihre Kleidung und an ihre Autos, bildeten Auto- und Menschenketten in Z-Form. Der Kreml sah dabei nicht nur mit Wohlwollen zu, sondern förderte auch tatkräftig diese Symbolik, um die Reihen zu schließen. Er brachte das Zett mit Parolen wie „Za Pobedu“ (für den Sieg), „Za Pravdu“ (für die Wahrheit) und „Za Mir“ (für den Frieden) in Verbindung. Auf Werbetafeln in Moskau erscheint das Zett in den Farben des Sankt-Georgs-Bandes mit drei schwarzen und zwei orangen Streifen. Das Band in diesen Farben war eine bedeutende militärische Auszeichnung sowohl im Zarenreich als auch in der Sowjetunion und erinnert die Russen bis heute an den Sieg im Großen Vaterländischen Krieg gegen Deutschland. Das passt zu der Erzählung, einen Feldzug gegen ein faschistisches ukrainisches Regime zu führen, um die Gebiete zu befreien, die eigentlich zu Russland gehören wollen.

Streit entsteht vor allem dann, wenn Russen das Z-Symbol gegenüber Nichtrussen zeigen, wie der Turner Iwan Kuliak bei den Weltmeisterschaften in Doha. „The GermanZ“ behält übrigens sein Zett, das mit Krieg so wenig zu tun hat wie das der Versicherung und das der Bäckerei. Eher könnte man das GermanZ-Zett noch mit dem edlen Freiheitskämpfer „Zorro“ in Verbindung bringen. Damit demonstriert diese Tageszeitung ihre Unabhängigkeit – eine Tugend, die in den heutigen Zeiten besonders wichtig geworden ist. Hierzulande steht nicht das „Z“ für Linientreue, sondern der Genderstern. Eine gendergerechte Umbenennung in „TheGerman*“ kommt daher nicht in Frage.

Bildquelle:

  • Russische_Panzer_Z_2: imago
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