„Sehe ich so aus, als ob mich das interessiert?“

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Liebe Leserinnen und Leser,

im Rheinland hat sich eine Männerrunde zusammengefunden, die einmal im Monat und der Chronologie der Serie folgend die ganzen James-Bond-Filme zusammen anschauen will und, davon bin ich nach dem ersten Abend überzeugt, auch zusammen schauen wird. Veranstalter und Ort darf ich nicht nennen, weil Einzelne tatsächlich Bedenken hatten, der pure Ausdruck von Zuneigung zu einem Männlichkeitsidol ganzer Generationen könnte irgendeine städtische Gleichstellungsbeauftragte mit kurzen Haaren und Doppelnamen auf den Plan rufen. So weit sind wir schon.

Und in der Tag, unter diesem Blickwinkel war „James Bond jagt Dr. No“ aus dem Jahr 1962 schon eine Herausforderung. „Quarrel, Du schießt auf den Fahrer, ich auf die Lichter, und Du (weiblich) geh mal zur Seite…“

James Bond, die frühen Jahre sind der Albtraum aller Feministinnen. Bond-Girls nur als schmückendes Beiwerk, allzeit bereit zum Beischlaf wo auch immer, um dann häufig im weiteren Verlauf des Filmes zu sterben. Und der Agent, immer Herr der Lage, weil Brite mit Doppel-Null – nicht zu verwechseln mit Doppelnamen der Gleichstellungsbeauftragten – und Martini geschüttelt, nicht gerührt (bis Daniel Craig kam, aber das ist eine andere Geschichte).

Wir haben „Dr. No“ gestern nicht nur geschaut, wir haben es zelebriert. Jeder von uns – nur Männer – hatte den Film früher schon mindestens einmal gesehen. Wir trugen rudimentär dunkle Anzüge/Smoking, es gab Martinis und wir fachsimpelten. Denn James Bond-Filme, das ist so etwas wie eine Wissenschaft. Die Filme sind immer ein Abbild der Zeit, in der sie gedreht wurden. In den 70er  Jahren war der Russe der hauptsächliche Feind, klar. War er ja auch. Und während in „Dr. No“ erstaunlicherweise – 1962! – die Chinesen die Drahtzieher waren, folgten danach die „Liebesgrüße aus Moskau“ mit diesen herrlichen alten schwarzen Autos, die sich Verfolgungsjagden durch Istanbul lieferten und den schauspielernden „bulgarischen Geheimdienstlern“, die tatsächlich so aussahen, wie die Herrschaften von KGB und Stasi damals.

Und dann kam Gorbatschow und seine Perestroika. Und plötzlich waren wir Freunde. Da wurde es immer schwieriger, gehaltvolle Aufträge für den Agenten ihrer Majestät zu finden. Mal war dann der Drogen-Großhändler der Schurke, mal ein fieser Nordkoreaner, und zuletzt wieder die Geheimorganisation „Spectre“. Dank Putins Irrsinn gerade gehe ich davon, dass Russland als Bond-Schurken-Thema demnächst zurückkehren wird auf die Leinwand.

Ich habe sie alle gesehen, manche wie „Goldfinger“ bestimmt zehn Mal in meinem Leben. „Der Spion, der mich liebte“ auch so in der Größenordnung. Die Filme könnten sie mir auf einer Leinwand zeigen und den Ton ausschalten – ich könnte die Dialoge mitsprechen.

„Dr. No“ ist im Charme der 70er Jahre verfilmt, bei den Verfolgungsjagden mit Autos würden unsere Kinder nur müde abwinken. Voll Retro. Natürlich. Aber No ist ein besonderer Film in der Reihe, weil er nah an dem Roman von Ian Flemming verfilmt ist, hart, auch brutal. In einer Szene versucht der Schurke Prof. Dent unseren Helden im Schlaf zu töten. Was natürlich nicht gelingt, weil der vorher das Bett mit Kissen so drapiert hatte, dass es aussah, als läge Bond dort. Sechs Schüsse in die Kissen, Magazin leer. Bond verabschiedet sich und schießt Dent über den Haufen. Nicht im Kampf, nicht aus Notwehr, sondern einfach so – obwohl keine Gefahr mehr bestand. Das gab es dann Jahrzehnte nicht mehr, einfach killen, weil er es kann. Bis Daniel Craig kam und in der Einstiegssequenz von „Casino Royale“ zum alten Bond aus Dr. No mit brachialer Gewalt zurückkehrte.

Welcher Bond war den nun nach meiner bescheidenen Meinung der beste bisher? Ich war begeistert von Sean Connery, bis Roger Moore ihm bei mir den Rang ablief. Eigentlich fand ich Connery cooler, männlicher, aber Roger Moore passte einfach besser. Very british der Mann. Leider verlief sich die Serie dann in Klamauk mit dem absoluten Tiefpunkt „Moonraker“, mit „Beißer“ und einer Reminiszenz an „Lautlos im Weltall“. Das war einfach zu doof. Immerhin gehört der Soundtrack zu den besten der Serie ever.

Was soll ich sagen, Daniel Craig ist meine bisher Nummer 1, hauptsächlich wegen „Casino Royale“, wie ich finde der beste Film der ganzen Serie bisher. Wo er gerade dem Tod von der Schippe gesprungen ist, atemlos an die Bar stürzt und nach Wodka Martini verlangt. Der Barkeeper antwortet wie erwartet mit der Frage: „Geschüttelt oder gerührt?“ Und Craig schaut ihn an und antwortet: „Sehe ich so aus, als ob mich das interessiert?“ Boaaah!! Ich liebe solche Dialoge, mehr als all die technischen Schnickschnacks. Und weil das Gespräch im Schnellzug nach Montenegro zwischen Bond und Vesper Lynd noch umwerfender ist, lege ich mich fest: Besser geht nicht.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Kelle, Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.