SPACs: Sinnvoller Trend bei Börsengängen oder gefährliches Spielzeug?

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von PROF. DR. PATRICK PETERS

BERLIN – Der Toniebox-Hersteller Boxine will es tun, der Flugtaxihersteller Volocopter auch, ebenso das Berliner Proptech-Unternehmen McMakler: Sie und viele andere Unternehmen wollen an die Börse. Aber nicht wie üblich durch den klassischen Börsengang (Initial Public Offering, IPO) mit Aktienangebot, Einschätzung der Börsenreife, Auswahl der Emissionsbanken, Festlegung der Transaktionsstruktur und Co., sondern durch ein sogenanntes SPAC.

Special Acquisition Corporations sind Zweckgesellschaften, die sozusagen auf Vorrat an die Börse gehen, um mit dem eingesammelten Geld später attraktive Firmen zu übernehmen. Welche Unternehmen erworben werden sollen, ist zum Zeitpunkt des Börsengangs des SPAC in der Regel nicht klar. Der Vorteil: Einmal notiert, halten die sogenannten Börsenmäntel nach einem attraktiven, möglichst unterbewerteten Unternehmen Ausschau, das sie übernehmen, und dem sie über diesen Umweg einen Börsengang ermöglichen.

Das SPAC-Geschäft brummt. Bereits im Mai hatte der Datenanbieter Refinitiv von einem Rekord von 100 Milliarden Dollar berichtet, die auf diese Weise von Investoren eingesammelt worden seien. Die Investmentbank Goldman Sachs hält für 2020 und 2021 ein SPAC-Gesamtvolumen von bis zu 300 Milliarden Dollar für möglich. Nach Einschätzung von Bankern betrug der Anteil von SPACs am gesamten Markt für Börsengänge vergangenes Jahr bereits rund 20 bis 30 Prozent. Experten halten dies vor allem für die Folge der Niedrigzinspolitik, die auch sehr große Finanzierungen günstig macht und gleichzeitig die Bewertungen an den Kapitalmärkten hochschraubt. Die Renditeerwartungen sind daher weit überdurchschnittlich. Und SPACs haben sich im Laufe des ersten Corona-Jahrs 2020 als resistenter erwiesen als die klassischen Werte im US-Leitindex S&P 500. Sie mussten nur einen temporären Verlust von knapp fünf Prozent verkraften – im Vergleich zu 33 Prozent beim Index.

„Operative Gesellschaften können mit dem börsennotierten Special Acquisition Corporation fusionieren oder eben von diesem übernommen werden, um selbst eine börsennotierte Gesellschaft werden, anstatt einen eigenen Börsengang durchzuführen. Ein SPAC macht es Unternehmen wesentlich leichter“, sagt Alexander Thees, Steuerberater und Partner der Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt. Gerade für Start-ups sei dies daher eine attraktive Möglichkeit, schneller zur Börsenreife gelangen zu können.

Im Frühling gab es laut dem Online-Broker Lynx rund 500 börsennotierte SPACs mit einem Gesamtvermögen von 158 Milliarden US-Dollar Mehr als 100 davon hätten damals bereits einen Übernahmekandidaten gefunden, und der Zusammenschluss sei entweder bereits durchgeführt worden oder hätte sich in Planung befunden. Entsprechend seien rund 400 SPACs auf der Suche nach geeigneten Übernahmezielen gewesen.

Investoren haben den Vorteil, von Beginn Zugang zu einem potenziell lukrativen Investment zu erhalten und gerade in der Startphase von oftmals überdurchschnittlichen Kursgewinnen profitieren zu können. Auf der anderen Seite stellt der Anleger dem SPAC einen Blankoscheck für die späteren Investments aus und setzt sich dem Risiko aus, dass das SPAC gar kein Übernahmeziel findet. Dann erhalten die Investoren zwar ihr Kapital zurück. Dieses wird in der Zwischenzeit aber nur in sichere Wertpapiere wie US-Staatsanleihen investiert – und damit de facto mit einer Nullrendite. Die Folge wäre dann bis zu zwei Jahren unverzinst gebundenes Kapital.

Trotz (oder vielleicht gerade wegen des Hypes) mehreren sich auch die kritischen Stimmen. Jetzt rät die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin zur Vorsicht bei SPAC-Aktien. „Wer in SPACs investieren will, muss erhebliche Risiken in Kauf nehmen. Insbesondere lassen sich die Chancen und das Kapitalverlustrisiko einer Anlage in SPAC-Aktien nur schwer bewerten. Kleinanlegerinnen und -anleger sollten sich vor einem Erwerb mit dem Geschäftsmodell vertraut machen und prüfen, ob sie bereit und in der Lage sind, die mit der Investition in eine SPAC verbundenen Risiken zu tragen.“

Bildquelle:

  • Börse_Aktien_2: pixabay
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