The Länd of the Dummschwätz

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von THOMAS PAULWITZ

Alles wird umbenannt. Facebook heißt jetzt „Meta“, und Baden-Württemberg firmiert nun unter „The Länd“ – jedenfalls, wenn es nach der grün-schwarzen Landesregierung geht. Der neue Name verwundert, denn bekanntlich können führende Vertreter des südwestlichen Bundeslandes alles – außer Hochdeutsch und Englisch. Mit Schaudern erinnern sich viele an die gescheiterten Versuche Günther Oettingers, auf europäischem Parkett mit Englisch zu brillieren.

Dennoch lief die Aktion jetzt am 29. Oktober an. Dabei kokettierte der grüne Ländlesvater Winfried Kretschmann sogar mit seinen mangelhaften Englischfähigkeiten: „Jeder weiß, dass mein Englisch noch schlechter ist als das von Oettinger.“ So kann auch Kretschmann nur von „ße Länd“ sprechen. Will er damit das englischsprachige Ausland quälen? Nein, im Gegenteil will er mit dem Unvermögen, Englisch richtig zu sprechen – und nunmehr auch zu schreiben –, Fachkräfte aus dem Ausland umwerben. Heilig’s Blechle! Offenbar will man sich als „The Länd of the Dummschwätz“ im öffentlichen Bewusstsein festsetzen.

„THE LÄND ist voller Highlights“

„Imagekampagne“ nennt sich das, oder soll man besser in Schwäblisch „Imätschkampanje“ sagen? Der „Fänshop“ unter www.thelaend.de bietet bereits „Topsäller“ wie die „Täsch“ an, nach dem Motto: „THE LÄND ist voller Highlights“. Hier wird deutlich, dass „THE LÄND“ auch sich nicht nur an Fachkräfte, sondern auch an die eigene Bevölkerung richtet und zum Ziel hat, die Identifizierung mit der Heimat zu stärken. Soll das mit falschem Englisch gehen?

Die Werbeagentur Jung von Matt Neckar hat die Kampagne gemeinsam mit der Agentur Milla & Partner entwickelt. Seltsam mutete die Vorlaufwerbung an. Im Stil der Aktionen und Filme der Identitären Bewegung (sogar mit deren Farben Schwarz und Gelb) machten sich in der Dunkelheit vermummte Gestalten auf den Weg und filmten sich dabei, wie sie an Orten, die tagsüber belebt sind, gelbe Plakate mit Parolen in schwarzer Schrift plazieren.

„Wir können alles. Außer Englisch“

In manchen Städten ermittelte zunächst sogar die Polizei, weil die örtlichen Behörden nicht informiert waren. Dies sei Absicht gewesen, erklärte ein Ministeriumssprecher, denn es sei zum Beispiel nicht erlaubt, an Ortsschildern Plakate zu befestigen. Dass die Landesregierung das Verbot überging, es dafür offenbar keinerlei Konsequenzen zu befürchten hat, hinterlässt ein schlechtes G’schmäckle. Quod licet Iovi non licet bovi: Was dem Jupiter Kretschmann erlaubt ist, darf das Stimm- und Rindvieh Bürger noch lange nicht. Für solche Ordnungswidrigkeiten ist in der Regel ein saftiges Bußgeld fällig.

„The Länd“ löst die 1999 vom damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU) begründete Kampagne ab, die den Wahlspruch „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ zumindest deutschlandweit berühmt machte. Beobachter bezweifeln, ob das auch mit „The Länd“ gelingen kann.

Von der „Ättitüde bodenständiger Älleskönner:innen“

Wer nämlich mit dem eigenen Namen fremdelt und nicht selbstbewusst dazu steht, der scheint ein Problem mit seinem Selbstwertgefühl zu haben. Im Werbefilm heißt es: „Für alle, die Baden-Württemberg kaum aussprechen können, sind wir The Länd.“ Das entspricht der linken Erleichterungspädagogik: Wenn die Schüler viele Schreibfehler machen, dann wird einfach die Rechtschreibung nicht mehr so streng bewertet.
21 Millionen Euro kostet die Werbekampagne nach Angaben der Landesregierung – ein stolzer Preis. Der Landesvorsitzende des Bundes der Steuerzahler, Zenon Bilaniuk, bemängelte, es sei erstaunlich, dass das Land trotz der Finanzkrise so viel Geld ausgebe. Und warum für „The Länd“ Geld ausgeben, wenn es doch seit vielen Jahren bereits völlig kostenlos eine viel bessere und bekanntere Entsprechung dafür gibt? „Willkommen im Ländle!“ Das ist den Machern offensichtlich zu provinziell. Lieber erklären sie auf Twitter den auffälligen Buchstaben „Ä“: Dieser stehe „für die Ättitüde bodenständiger Älleskönner:innen auf dem Weltmarkt. Coming soon“ – natürlich mit Genderdoppelpunkt.

Bildquelle:

  • Landesfahne_Baden-Württemberg: pixabay
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