Thilo Sarrazin zieht Bilanz nach 16 Jahren Merkel: Die Deutschen müssen sich die Macht zurückholen

Thilo Sarranzin wurde bei der Schwarmkonferenz in Essen von den Zuhörern gefeiert. FOTO: alexander hein
Anzeige

von DIETRICH KANTEL

BERLIN – Thilo Sarrazin ist ein Bestsellerautor mit Provokationspotential. Eine seit 16 Jahren und bis kürzlich alternativlose Bundeskanzlerin fühlte sich einst bemüßigt zu erklären, die Bücher des promovierten Volkswirten ausdrücklich nicht zu lesen, aber seine Inhalte abzulehnen. Und auch das bietet die Vita des Thilo Sarrazin noch: Langjähriger hoher Ministerialbeamter im Bundesfinanzministerium, Berliner Finanzsenator a.D., Ex-Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, Ex-SPD-Mitglied. Da braucht man sich um Gegnerschaft wohl nicht mehr extra zu bemühen: Aufgrund massiver Bedrohungen „genießt“ Sarrazin Personenschutz durch das Berliner Landeskriminalamt 24/7/365. Deutschland im Jahr 2021.

In seinem Vortrag auf der „6. Versammlung der wahren Schwarmintelligenz“ des Medienunternehmers Klaus Kelle in Essen präsentierte Sarrazin vor 400 Zuhörern sein Resümee über den Zustand der Republik nach 16 Jahren Kanzlerschaft der Angela Merkel. Seine Gesamtschau darüber fiel vernichtend aus.

Merkel, eine Situationsakrobatin ?

Hauptgrund für den desolaten Zustand unseres Landes ist, so Sarrazin, dass die Kanzlerin in jeder Situation, die Entscheidungen erforderten, nur aus dem Bauch und immer nach Mainstream-Lage entschieden habe. Folgt man Sarrazins Analyse, bleibt von einer Naturwissenschaflerin, die von den Medien als „die alles immer rational vom Ende her Denkende“ hochgestylten Kanzlerin nichts übrig. Auch wenn er das so nicht wortwörtlich formulierte, müsste man die scheidende Kanzlerin rückblickend bestenfalls als eine rein reaktiv handelnde politische Situtionsakrobatin bezeichnen.

Da, wo eine in der Tagespolitik eher selten bestehende Entscheidungs- und Gestaltungsfreiheit für einen Bundeskanzler bestanden habe, sei Merkel, ganz im Gegensatz zu Helmut Kohl, diametral entgegen ihren früher bezogenen Positionen abgebogen, habe sie nicht im Sinne einer das Problem lösenden Gestaltung entschieden.

Als plötzlich die einzigartige Situation für die Chance der Deutschen Einheit entstanden war, habe Kohl beherzt die Gestaltungsinitiative ergriffen und so auf der Grundlage seiner politischen Grundüberzeugung die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten geschafft, was kaum jemand noch für möglich gehalten hatte.

Deutschland und der Untergang der Titanic

In den wichtigen Entscheidungsmomenten ihrer Regierungszeit habe Merkel immer das verraten, wofür sie sich früher einmal positioniert hatte:

Erst Verlängerung der von rot-grün gekürzten Laufzeiten der Kernkraftwerke. Dann ad hoc unter dem Eindruck der Tsunami-Katastrophe radikale Kürzung der Restlaufzeiten; in Kauf nehmend, dass so Milliarden Anlagevermögen vernichtet und Milliarden an Entschädigungen an die Energieunternehmen zu zahlen sein würden. Sarrazin wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es laut WHO bis heute keinen einzigen nachgewiesenen Todesfall aufgrund der durch den Tsunami ausgelösten Havarie des Kernkraftwerkes von Fukushima gebe.

Die früher erklärte Position „gegen fremdkulturelle Zuwanderung“ warf sie 2015 kurzerhand über Bord, griff, deutsches und europäisches Recht verletzend, in die Ressortverantwortung des eigentlich zuständigen Innenministers ein und verbot pflichtverletzend den zuständigen Behörden, die vom Bundesgrenzschutz schon vorbereitete Sicherung der deutschen Staatsgrenzen gegen den Flüchtlingsstrom. Hier wies Sarrazin darauf hin, dass Merkel dem zunächst hauptsächlich betroffenen EU-Partner Ungarn in dieser Phase jedwede politische und finanzielle Unterstützung versagte.

Nunmehr, so Sarrazin, sei so „die fremdkulturelle Zuwanderung“ also Realität, wobei 80 Prozent der illegal Zugewanderten von sozialen Transferleistungen leben und den Steuerzahler jedes Jahr alles in allem mit 25 Milliarden Euro belasten.

Die Architektur der europäischen Währungsunion („Keine Schuldenunion“) habe sie fahrlässig auf den Kopf gestellt, als sie die betreffende EU-Ratssitzung in Brüssel vorzeitig verließ, als Platzhalter bei den beratenden Regierungschefs nur einen politisch völlig überforderten Finanzstaatssekretär zurückließ und die Euro-Staaten so in die Schuldenunion schliddern ließ. Grund für Merkels vorzeitige Abreise: Sie wollte an der Seite Putins an der alljährlichen Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau teilnehmen.

Für den Zustand unseres Landes bemühte Sarrazin das Bild vom Untergang der Titanic: Der Ozeanriese sei nicht untergegangen wegen des Wassers, das kurz nach der Kollision mit dem Eisberg in das Schiff eingedrungen sei. Es sei vielmehr gesunken, weil die weiter einströhmenden Wassermassen nicht gestoppt werden konnten. Deswegen gelte es jetzt dringend, die von Merkel geöffneten Schleusen zu schließen. Und dazu müsse das deutsche Staatsvolk sich die an die Merkel-Administration und an ein willfähriges Parlament verlorene Macht wieder zurückholen.

Bildquelle:

  • Thilo_Sarrazin_Schwarm: alexander hein
Anzeige

Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende

Jetzt spenden (per PayPal)

Jetzt abonnieren