«Tut weh»: Deutscher Basketball-Traum trotz Schröder beendet

Die deutschen Spieler verabschieden sich nach Spielende vom Publikum. Foto: Soeren Stache/dpa
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von LARS REINEFELD & PATRICK REICHARD

BERLIN – Der überragende Dennis Schröder versuchte seine Teamkollegen sofort zu trösten, auch Legende Dirk Nowitzki spendete direkt aufmunternde Worte. Die deutschen Basketballer haben trotz einer erneut begeisternden Vorstellung ihr erstes EM-Finale seit 17 Jahren knapp verpasst, der Traum von Gold ist vorbei.

Gegen Weltmeister Spanien musste sich das Team um den exzellenten Schröder am Freitagabend in Berlin mit 91:96 (51:46) geschlagen geben. Die Chance auf die erste Medaille seit Silber 2005 besteht aber weiterhin.

«Das hätten wir auf jeden Fall gewinnen können. Wir haben uns um die Position gebracht. Die Spanier waren echt tough und haben sehr gut gespielt», sagte Schröder, der mit 30 Punkten eine beeindruckende Performance bot. «Das Turnier ist nicht vorbei, wir haben noch ein Spiel.» Die Option auf eine Medaille sei noch da. Auch Zuschauer und Turnierbotschafter Nowitzki richtete per Twitter aus: «Kopf nicht hängen lassen, Jungs! Holt Euch Bronze!»

«Jedes Spiel, das man verliert, tut natürlich weh»

Im Spiel um Platz drei kann Deutschland gegen Polen am Sonntag (17.15 Uhr/RTL und Magentasport) immer noch eine Medaille gewinnen. «Wir müssen uns sortieren und am Sonntag wieder bereit sein», sagte Bundestrainer Gordon Herbert. Die Defensive gegen Spanien sei «nicht gut genug» gewesen. Das Finale bestreiten am Abend (20.30 Uhr) der Olympia-Zweite Frankreich und Spanien. Die Franzosen hatten Außenseiter Polen im ersten Halbfinale mit 95:54 (34:18) deklassiert.

Auch eine Basketball-Gala von Schröder konnte die unglückliche Niederlage nicht verhindern. Einen Tag nach seinem 29. Geburtstag zeigte der Kapitän die beste Länderspiel-Leistung seiner Karriere und war klar bester Werfer seines Teams. «Jedes Spiel, das man verliert, tut natürlich weh. Gerade zuhause. Aber so ist es im Sport. Das gehört dazu und es wird uns besser machen», sagte Franz Wagner. Doch am Ende reichte es trotz prominenter Unterstützung in der Halle nicht. Auch die Anwesenheit von Außenministerin Annalena Baerbock nutzte nichts.

«Großartig, die Stimmung ist unglaublich. Ganz Deutschland fiebert mit. Hier in der Halle ist es einzigartig», hatte Baerbock in der Halbzeitpause gesagt. «Dass das deutsche Team soweit gekommen ist, ist in diesen Zeiten ein richtiger Motivationsschub für alle im Land», fügte die Grünen-Politikerin an. Nun gilt es für Schröder und Co. die Enttäuschung abzuschütteln, um sich gegen Polen doch noch den Traum von einer Medaille zu erfüllen.

Nowitzki fiebert von der Tribüne mit

Deutschland gegen Spanien – das waren schon in der Vergangenheit stets ganz besondere Duelle. 2001 ging es um die Bronzemedaille, 2005 um einen Platz im Finale, 2015 um das Ende von Nowitzki im Nationaltrikot und 2017 immerhin um ein Halbfinal-Ticket.

Vor allem für die deutsche Basketball-Legende Nowitzki waren die Spiele gegen Spanien stets etwas Besonderes. 2001 reichte sein EM-Bestwert von 43 Zählern im Spiel um Platz drei nicht für Bronze. Vier Jahre später spielte der gebürtige Würzburger im Halbfinale die vollen 40 Minuten und entschied die Partie mit einem Wurf wenige Sekunden vor dem Ende.

Dieses Mal fieberte Nowitzki von der Tribüne mit. «Wir sind heute ein bisschen Favorit, das ist eine andere Rolle, ein bisschen schwerer manchmal auch. Aber ich glaube, dass die Jungs das trotzdem abgezockt machen», sagte Nowitzki vor der Partie bei RTL, das die Partie wie schon das Viertelfinale gegen Griechenland zur besten Sendezeit im Free-TV übertrug.

Die Dreier fielen nicht so hochprozentig

Und in der Tat zeigte das deutsche Team zunächst keine Nervosität. Angetrieben vom überragenden Schröder knüpfte Deutschland offensiv an das Griechenland-Spiel im Viertelfinale an. Einen Tag nach seinem 29. Geburtstag erzielte der Point Guard bereits im ersten Viertel neun Punkte und setzte seine Mitspieler immer wieder gekonnt in Szene. So zum Beispiel Daniel Theis mit einem hohen Anspiel, das der Center mit einem krachenden Dunk zum 16:16 verwandelte.

Nach dem ersten Viertel lag das deutsche Team dennoch mit drei Punkten hinten, weil es defensiv keinen Zugriff bekam. Zudem fielen die Dreier nicht so hochprozentig wie noch gegen die Griechen. Im zweiten Abschnitt blieb Deutschland 3:20 Minuten ohne einen Punkt, Spanien zog auf neun Zähler davon.

Doch dann nahm Schröder das Zepter wieder in die Hund und pushte seine Teamkollegen nach vorne. Mit einem 14:0-Lauf drehten Schröder und Andreas Obst mit zwei Dreiern die Partie. Zur Pause lag Deutschland mit fünf Zählern vorne, die 14.073 Zuschauer in der ausverkauften Mercedes-Benz Arena tobten. «Es gibt keinen, der Dennis mit dieser Schnelligkeit stoppen kann», lobte Maodo Lo den deutschen Kapitän zur Pause.

Nach dem Seitenwechsel war der Schwung kurz dahin. Mit zehn Punkten in Serie ging Spanien wieder in Führung. Dieses Mal war es Wagner, der Deutschland mit fünf Punkten wieder auf Kurs brachte. 14 Zähler in Serie bescherten dem Herbert-Team eine Zehn-Punkte-Führung. Auch das letzte Viertel verlief spektakulär, doch der abgezockte Weltmeister kämpfte sich ein weiteres Mal zurück und krönte am Ende seine Aufholjagd. «Der Start des vierten Viertels hat uns richtig wehgetan. Sie sind ein sehr gutes Basketball-Spiel, sie haben es verdient», lobte Deutschlands Chefcoach Herbert.

Bildquelle:

  • Sieg verpasst: dpa
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