US-General Petraeus: Russland hat Effektivität der ukrainischen Streitkräfte unterschätzt

General ret. David Petraeus analysiert den russischen Krieg gegen die Ukraine.
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WASHINGTON – Der pensionierte General David Petraeus, der die US-Streitkräfte in den Kriegen im Irak und in Afghanistan befehligte, hat sich wenig überrascht über die Probleme des russischen Militärs in den vergangenen Kriegswochen in der Ukraine geäußert. „Die Russen stehen einem ukrainischen Militär gegenüber, das außergewöhnlich entschlossen, überraschend fähig und innovativ ist und auf seinem Heimatterritorium um sein Überleben kämpft“, sagte der einstige Vorzeigeoffizier, der auch Direktor des Geheimdienstes CIA war und dann über eine außereheliche Affäre stolperte, im Interview mit dem Nachrichtensender CNN.

Nach Petraeus‘ Beobachtung hätten die russischen Invasoren eine Reihe von Schwächen gezeigt: fehlerhafte Planung; zu optimistische Geheimdienstprognosen, Unterschätzung der ukrainischen Streitkräfte und des ukrainischen Volkes; unzureichende Wartung und Logistik des eigenen Materials und die Unfähigkeit, einen effektiven Cyberkrieg zu führen. Er sei skeptisch, dass die Russen genug Kräfte hätte, um die ukrainische Hauptstadt Kiew und anderen Großstädte einzunehmen, geschweige denn zu kontrollieren. Hinzu käme, dass ein fortgesetzter Häuserkampf im Allgemeinen die Ukrainer begünstigen werde.

Im Interview stellte der General aber auch fest, dass die Russen eine enorme Kapazität hätten, Städte, zivile Einrichtungen und kritische Infrastrukturen zu zerstören, und dass sie städtische Gebiete „zertrümmern“ würden, um die Kontrolle zu übernehmen.

Ein möglicherweise entscheidender Faktor könne eine „sehr entschlossene, ziemlich fähige ukrainische Streitmacht sein, die sich aus Spezialeinheiten, konventionellen Streitkräften, Territorialstreitkräften und sogar Privatpersonen zusammensetzt, die alle entschlossen sind, Russland nicht zu erlauben, seine Ziele zu erreichen.“ Sie kämpften um ihr nationales Überleben, ihre Heimat und ihre Lebensweise, und sie hätten den Heimvorteil, da sie das Terrain und die Gemeinschaften kennen.

Hinzu komme aber, dass die russischen Streikräfte überraschend unprofessionell seien. Sie hätten eindeutig sehr schlechte Standards, wenn es darum gehe, grundlegende taktische Aufgaben wie das Durchführen kombinierter Waffenoperationen mit Panzerung, Infanterie, Ingenieuren, Artillerie und Mörsern durchzuführen. Sie sind sehr schlecht darin, ihre Fahrzeuge und Waffensysteme zu warten.

Angesprochen auf Medienberichte, nach denen Russland in Peking um Unterstützung nachgefragt habe, antwortete Petraeus:

„Das ist in mehrfacher Hinsicht interessant. Erstens, wenn es richtig ist, deutet es darauf hin, dass Russland bestimmte Waffensysteme und Munition ausgehen – ein weiteres Spiegelbild dafür, wie Russland so viele Aspekte des von ihnen begonnenen Krieges ernsthaft falsch berechnet hat.

Zweitens stellt dies ein sehr schwieriges Problem für China dar. Es war eine Sache für China, sich bei der Abstimmung in der UN-Generalversammlung zu enthalten, bei der 141 Länder Russland wegen seiner unprovozierten Aggression verurteilten. Ganz anders wäre es, wenn China der Bitte Russlands nachgeben und sich damit aktiv auf die Seite eines Landes stellen würde, das wirklich zum Reich des Bösen wird, das Ziel beispielloser Sanktionen ist und eine Abkopplung von der Weltwirtschaft erlebt. Es könnte auch zu einigen Sanktionen gegen China führen.“ Und das werde China nicht provozieren wollen.

Bildquelle:

  • General_David_Petraeus: ap
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